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23. November 2016   Wirtschaft

Bankwechsel gegen steigende Bankgebühren

Girokonto

Die aktuelle Niedrigzinsphase, der negative Einlagenzins und zunehmende Regulierungskosten machen den Banken zu schaffen. Ihre Erträge brechen weg und neue Kostenpositionen entstehen. Z. B. müssen Banken, die über Nacht überschüssiges Geld bei der EZB parken, dafür Strafzinsen berappen. Diese Kostenbelastung wird auch an Privatkunden weitergeben werden. Wer will, kann aber in Zukunft darauf leichter mit einem Bankwechsel reagieren.

Vereinzelt sind Banken schon heute dazu übergegangen, die Kostenbelastung aus Regulierung und Strafzinsen in Form von Negativzinsen auch an private Sparer weiterzugeben. Noch nicht im großen Stil, aber immerhin. Und immer mehr Banken denken über Gebührenmodelle bei der Kontoführung nach. Insofern wir ein solcher Schritt unweigerlich kommen, schon gar, wenn das aktuelle Zinsumfeld weiterhin Bestand hat.

Hoher Aufwand, wenig Wechselbereitschaft
Für den Bankkunden bleibt dann nur, sich nach Alternativangeboten umzusehen, also nach Kontenmodellen mit geringerer Kostenbelastung, die den eigenen Anforderungen an die gewünschte Bankdienstleistung (wie beispielsweise Bargeldversorgung oder Bankberatung) noch entsprechen. Doch ein solches Gedankenspiel rückt man gerne in den Hintergrund. Schließlich ist der Wechsel der Hauptbankverbindung, über die sämtliche Dauerauftrage, Lasteinzugsmandate etc. laufen, mit erheblichen Aufwand verbunden.

Wenn es Ihnen genau so ergeht, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Laut einer repräsentativen Umfrage der alternativen Triodos Bank ist 43 % der Deutschen der Aufwand für einen Bankwechsel zu groß. Das dürfte auch der Grund für das Ergebnis einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom vom Sommer dieses Jahres sein, wonach 75 % der Deutschen noch nie ihr Girokonto gewechselt haben.

Neues Gesetz macht Wechsel einfacher …
Das könnte sich aber ändern. Denn seit Mitte September 2016 greift das Zahlungskontengesetz, mit dem eine EU-Richtlinie in deutsches Recht überführt wird. Und dieses Gesetz soll den Bankwechsel vereinfachen. Denn nun kann der Bankkunde seine neue Bank ermächtigen, bei der früheren Bank sämtliche Daten abzufordern, die für die Kontoumstellung und die Benachrichtigung der Zahlungspartner erforderlich ist.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Die neue Bank übernimmt bei einem Bankwechsel beispielsweise die Information Ihrer Lastschriftpartner, wie Versicherungen, Hausverwaltung, Vermieter etc. Und nicht nur das, sie übernimmt sämtliche ein- und ausgehenden Überweisungen, Lastschriften und Daueraufträge, und zwar der vergangenen 13 Monate. So soll gewährleistet werden, dass auch unterjährige Eimalzahlungen, wie das häufig bei Versicherungen der Fall ist, berücksichtigt werden. Übrigens gilt dies auch bei einer Kontoeröffnung im europäischen Ausland.

… und erhöht den Plus der Branche
Und was kostet der Spaß? Null, sofern Sie weder mit der alten noch der neuen Bank eine entsprechende Kostenvereinbarung getroffen haben. Für das komplette Wechselprozedere sieht das Zahlungskontengesetz gerade mal einen Zeitrahmen von 12 Arbeitstagen vor. Sobald Sie die neue Bank über ein entsprechendes Formular ermächtigt haben, die Kundenumsätze der letzten 13 Monate abzufragen, muss diese das Formular innerhalb von zwei Arbeitstagen an Ihre alte Bank weiterleiten. Diese hat dann wiederum fünf Arbeitstage Zeit, diese Angaben zu liefern. Und auf Grundlage dieser Daten muss die neue Hausbank alle Zahlungspartner wieder innerhalb von fünf Arbeitstagen über die neue Bankverbindung informieren. Somit müsste der Bankwechsel für Sie ohne großen Aufwand innerhalb von 12 Arbeitstagen vollzogen sein.

So zumindest die Theorie. Ob diese dem Praxistest standhält, wird sich zeigen. Denn die Banken setzt dieses Zeitfenster gehörig unter Druck. Doch für sie besteht ein Haftungsrisiko, wenn sie das gesetzlich vorgegebene Zeitfenster überschreiten. Jeder Wechselwillige sollte aber vor dem Wechsel die Bankkonditionen genau vergleichen, denn häufig liegt der Teufel im Detail und die Gebührenmodelle sind oft bewusst so unterschiedlich gestaltet, um die Vergleichsmöglichkeiten so schwierig wie möglich zu machen.

Redaktion AnlegerPlus