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16. Januar 2018   Investment

Batteriespeicher elektrisieren die Börsen

Batterie

Was haben Energiewende, E-Mobilität und Wearable Computing gemeinsam? In allen Feldern werden Batterien mit unterschiedlicher Speicherkapazität benötigt. In Deutschland profitieren die Aktien von Infineon, Voltabox und Varta von diesem Boommarkt.

Speicherbatterien sind ein rasant wachsender Zukunftsmarkt. Zum einen profitieren sie vom Megatrend E-Mobilität: Autos, Busse, Lkws und Fahrräder werden künftig stärker elektrifiziert sein und benötigen dafür aufladbare Batterien. Nach einer Roland-Berger-Studie soll sich allein die in E-Autos verbaute Leistung von Lithium-Ionen-Batterien bis zum Jahr 2021 verzehnfachen.

Zum anderen ist die Energiewende auf leistungsstarke Energiespeicher angewiesen, damit Solarstrom konserviert und länger genutzt werden kann. Die Unterhaltungselektronik benötigt ebenfalls verstärkt leistungsfähige Akkus – Tablet-PCs und Smartphones genauso wie Spielekonsolen oder Fitnessarmbänder. Und nicht zuletzt entwickelt sich das Gesundheitswesen zu einem immer größeren Abnehmer: Hörgeräte und elektrische Rollstühle versprechen hier eine riesige Nachfrage.

Chipgeschäft für E-Autos boomt
Durch seine engen Verbindungen zur Autoindustrie ist der Chiphersteller Infineon (ISIN DE0006231004) auch in Sachen E-Mobilität gut aufgestellt. Ohne die Batterie- und Energie-Management-Komponenten geht im E-Auto nicht viel. Die Münchener statten die E-Autos vor allem mit Chips aus. Gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor weisen E-Autos einen doppelt so hohen Halbleiterbedarf aus. Dieses Geschäft läuft so rund, dass der Konzern sogar zum größten Halbleiterhersteller für Autoelektronik aufsteigen will (bisher 2. Platz hinter NXP).

Im Geschäftsjahr 2016/17, das im September zu Ende ging, kletterte das für den Konzern entscheidende Segmentergebnis auf 1,208 Mrd. Euro – 23 % mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 9 % auf gut 7 Mrd. Euro. Im vierten Quartal flaute die Dynamik jedoch etwas ab. Grund war vor allem der schwache US-Dollar. Im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 will der Konzern trotz Unwägbarkeiten an den Devisenmärkten sein Tempo halten. Der Umsatz soll erneut um rund 9 % zulegen. Verändert sich der Wechselkurs nicht, könnte sogar ein zweistelliges Wachstum  drin sein.

Akkus für Busse und Gabelstapler
Dass Speicherbatterien voll im Trend liegen, bestätigte der Börsengang von Voltabox (ISIN DE000A2E4LE9) im Oktober 2017. Bei einem Ausgabepreis von 24 Euro betrug der die erste Kursfeststellung an der Börse 30 Euro. Daraus errechnete sich ein Börsenwert von rund 470 Mio. Euro. „Voltabox ist E-Mobilität“, sagt Vorstandschef Jürgen Pampel. Die Firma wurde 2011 als Geschäftsbereich der paragon AG gegründet. Sie stellt Lithium-Ionen-Batterien für den Massenmarkt, Batteriesystemen für den industriellen Einsatz und Elektronik für Busse, Gabelstapler und andere Industriefahrzeuge her. Das Unternehmen aus dem ostwestfälischen Delbrück beschäftigt derzeit 91 Mitarbeiter. Einen kleineren Produktionsstandort gibt es noch im texanischen Austin.

Voltabox schreibt aber noch rote Zahlen: In der Bilanz nach HGB stellte sich im ersten Halbjahr 2017 einen Verlust von 2,65 Mio. Euro ein. Für das Gesamtjahr 2017 hofft Finanzchef Andres Klasing zumindest auf ein „leicht positives operatives Ergebnis“. Das Unternehmen verweist daher auf sein Umsatzwachstum. 2016 lag er noch bei 10,6 Mio. Euro, 2017 sollen es bereits 25 Mio. Euro werden. Und bis 2019 plant Pampel mit Erlösen von 100 Mio. Euro. Derzeit beträgt der Auftragsbestand stolze 800 Mio. Euro. Trotzdem ist die Aktie mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 10 für das Jahr 2018 schon sehr ambitioniert bewertet. Und die Euphorie des Börsengangs ist inzwischen verflogen, die Aktien notiert wieder nahe am Ausgabepreis.

Visionäre Story kommt an
Der traditionsreiche Batteriehersteller VARTA (ISIN DE000A0TGJ55) war bis 2007 schon einmal börsennotiert. Das erneute IPO verlief kurios: Da sich im Herbst 2016 niemand für die Aktie interessierte, verschwanden die Pläne zum Börsengang schnell wieder in der Schublade. Beim erneuten Versuch nur  ein Jahr später, war die Nachfrage nach den Aktien dann aber so groß, das die Zeichnungsfrist verkürzt und der IPO-Termin vorverlegt wurde.

Die Anleger waren von dem Unternehmen geradezu elektrisiert: Obwohl die Preisspanne zwischen 15 und 17,50 Euro lag und die Aktien am obersten Ende der Preisspanne zugeteilt wurden, schoss die Aktie bei der ersten Kursnotiz auf 24,25 Euro hoch. Gezündet hatte die Vision, die jetzt präsentiert wurde: VARTA will vom Trend zu Batteriespeichern profitieren und hat sich inzwischen auf Mikrozellen für Hörgeräte und Kopfhörer spezialisiert. Da die Menschen weltweit immer älter werden, wächst parallel dazu der Bedarf an  Hörgeräten. Doch auch die jüngere Generation hat „dank“  Trend zum Kopfhörer fürs Musikhören immer öfters mit Hörproblemen zu kämpfen. Das steigert die Nachfrage nach Hörgeräten und die benötigen  ebenfalls Batterien oder Akkus. Mit dem Geld aus dem Börsengang möchte VARTA vor allem die Produktionskapazität der deutschen Töchter ausbauen.

Die letzten Geschäftszahlen bestätigen den Boom bei Lithium-Ionen-Batterien. Der VARTA-Umsatz kletterte in den ersten neun Monaten 2017 um 12,1 % auf 180,2 Mio. Euro. Der Nettogewinn stieg noch stärker von 8,7 Mio. auf 17,7 Mio. Euro. Anleger sollten jedoch im Hinterkopf behalten, dass Speicherbatterien einem sehr schnellen technologischen Wandel unterliegen. Zudem ist bisher nicht geklärt, welche Technologien sich auf Dauer in den Märkten durchsetzen werden. Noch ist zum Beispiel die Lithium-Ionen-Batterie das Maß aller Dinge. Die hohe Nachfrage der Speicherhersteller treibt aber den Preis des Alkalimetalls immer mehr in die Höhe. So rechnen Analysten der Berenberg Bank damit, dass die Lithium-Ionen-Batterie nur noch fünf Jahre ein Trendprodukt sein wird.

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus



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