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27. November 2017   INVESTMENT

Bitcoin: Alles nur ein Hype?

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Kryptowährungen wie Bitcoin sind an den Finanzmärkten zum Objekt der Begierde geworden, ein Spekulationsobjekt mit einem rasant wachsenden Wert. Doch Vorsicht: nicht alle Anbieter sind seriös und eine Zentralbank gibt es auch nicht.

Jamie Dimon, der Chef der amerikanischen Großbank JPMorgan, hat Bitcoin kürzlich als „Betrug“ bezeichnet und gedroht, wer in seinem Hause mit der Kryptowährung handele, werde gefeuert. In China ist der Handel mit Krypto-Währungen inzwischen verboten. Die Europäische Zentralbank denkt ebenfalls über eine härtere Gangart mit Bitcoin & Co nach.

Hype ungebrochen

Doch dem Hype um DIE Kryptowährung schlechthin tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil, immer mehr Anlageempfehlungen zu Kryptowährungen verstopfen inzwischen die Spamordner der Anleger. Herr Dimon müsste sich inzwischen selbst feuern, ist doch durchgedrungen, dass sich das operative Management bei JPMorgan damit befasst, wie man den eigenen Kunden den Zugang zum Handel mit Future-Kontrakten auf Bitcoin verschaffen kann.

Und die in Chicago ansässige Terminbörse CME, plant am 11. Dezember einen Terminkontrakt auf Bitcoin aufzulegen. Die CME begründet dies mit einem gestiegenen Kundeninteresse. Mit einem Future auf den Bitcoin hätten Banken und andere Finanzinstitutionen die Möglichkeit, stärker in den Handel einzusteigen. Zugleich könnten durch die bessere Handelbarkeit allzu heftige Schwankungen beim Preis eingedämmt werden. Auf grünes Licht von der US-Wertpapieraufsicht wartet CME bislang allerdings vergeblich. Im März hatte die SEC die Zulassung eines ETF auf Bitcoin abgelehnt. Bis heute gilt diese Ablehnung als richtungsweisend für eine mögliche Zulassung digitaler Währungen für die breite Masse der Anleger.

Was genau ist ein Bitcoin eigentlich?

Bei Bitcoin handelt es sich um eine 2009 gegründete, rein digitale Währung, die von den Nutzern am Computer selbst geschaffen wird – ohne staatliche Regulierung, ohne Notenbank und ohne irgendeinen materiellen Gegenwert. Der Zugang zum Bitcoin funktioniert über den sogenannten Wallet. Interessierte müssen zunächst einen Geldbeutel (Wallet), einrichten. Dafür stehen verschiedene Modelle zur Verfügung: Desktop Wallet, Paper Wallet, Online Wallet, Mobile Wallet oder Hardware Wallet. Hat der User sich für eines der Modelle entschieden und für den Zugang sein Passwort (private key) und die Adresse (public key) erhalten, kann er sich Bitcoins in seinen Geldbeutel laden. Ist das erledigt, kann der User mit Bitcoins bezahlen oder auf einen höheren Wert der Währung warten.

Wer sich Bitcoins in den virtuellen Geldbeutel gelegt hat und das schon vor einiger Zeit, der dürfte jubeln. Denn binnen eines Jahres hat sich der Wert eines Bitcoin verzehnfacht auf zuletzt über 8.000 US-Dollar. Für das Bezahlen von Einkäufen sind Bitcoins bisher aber eher unattraktiv, auch weil die Zahl der Akzeptanzstellen gering ist. Wer aber mit Bitcoin zahlt, hat weitaus weniger Transaktionskosten als mit herkömmlichen Anbietern. Die Abwicklung ist zudem anonym, bekannt ist nur die Bitcoin-Adresse des Käufers, aber nicht, wer dahintersteckt. Das wiederum ruft zwielichtige Akteure auf den Plan: Weil Beträge schnell und anonym transferiert werden können, ist das Geld auch für kriminelle oder terroristische Organisationen interessant.

Ermöglicht werden Internetwährungen, wie Bitcoin, durch die sogenannte Blockchain-Technologie, einer Art webbasierter Datenbank. Dabei wächst die Blockchain stetig, da ständig neue „Blöcke“ mit neu abgeschlossenen Bitcoin-Transaktionen hinzukommen. In einem solchen Block werden alle Sicherungen sowie Transaktionen gespeichert und von den Minern, also praktisch den dezentralen Notenbankern, überprüft und verschlüsselt. Jeder Block hat ein Speichervolumen von einem Megabyte. Wenn dieses erreicht ist, wird der Block abgeschlossen und in die Blockchainkette eingereiht. Das Ganze soll fälschungssicher sein, weil eine Manipulation an diesen Ketten im Netz sofort auffallen würde, da die Kette sich praktisch überall im Internet befindet und nicht gelöscht werden kann.

Für den Mining- und den Kettenprozess braucht es solch gewaltige Rechenleistungen, dass die Anzahl der Bitcoins nur langsam zunimmt. Momentan gibt es etwa 16,7 Millionen Bitcoins, 2013 waren es 8 Millionen. Nach oben sei die Währung, die angeblich aufgrund der Erstellungsmethodik fälschungssicher sein soll, auf 21 Millionen gedeckelt. Man rechnet damit, dass bis 2032 die Obergrenze zu 99 % ausgeschöpft ist. Weil inzwischen die Nachfrage schneller steigt als das Angebot an der Kryptowährung, wird der Preis in die Höhe getrieben. Allerdings sind Bitcoin sehr hohen Schwankungen ausgesetzt, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Dabei sind Kursverluste von 10 % und mehr binnen weniger Stunden keine Seltenheit. Die Nachrichtenlage ist einer der Gründe für die Volatilität, ein anderer, dass sich viele Bitcoins in den Händen weniger (den Investoren der ersten Stunden) befinden sollen. Die Rede ist von etwa 1.000 Adressen, die über 35 % der im Umlauf befindlichen Bitcoins verfügen sollen. Wenn die nun am Markt tätig werden, hat das zwangsläufig größere Ausschläge zur Folge.

Mit Vorsicht zu genießen

Die Volatilität ist natürlich auch ein Ausdruck der Unsicherheit, die auf der Währung lastet. Das liegt u. a. auch daran, dass für diese Währung keine Regierung oder Zentralbank einsteht. Die Deutsche Bank warnt deshalb vor einem Investment in solche Kryptowährungen. „Ich würde das dem normalen Anleger schlichtweg nicht empfehlen“, rät Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Bank. Als Gründe nennt er das Fehlen eines Gegenwertes, die hohen Kursschwankungen und die ungenügende Regulierung des gesamten Sektors der Kryptowährungen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Deutschland, die BaFin, warnte die Verbraucher jüngst vor dem Erwerb sogenannter Coins – je nach Ausgestaltung auch Tokens genannt – im Rahmen sogenannter Initial Coin Offerings (ICOs), weil diese für Anleger erhebliche Risiken bergen.

Gleichwohl beschäftigt sich inzwischen nahezu jede größere Bank weltweit mit dem Computergeld. Laut Timo Emden, Marktanalyst bei IG Markets, geht in Finanzkreisen offenbar die Vorstellung um, dass der Bitcoin mit der Einführung des Terminhandels eine neue Assetklasse wie Aktien, Devisen und Rohstoffe werden könnte. Damit hätte die Kunstwährung einen Quantensprung geschafft. Es scheint alles in Allem nicht unwahrscheinlich, dass sich Kryptowährungen in Zukunft durchsetzen können. Nur welche dies sein werden, steht in den Sternen. Insofern ist das Risiko groß, auf den falschen Player zu setzen. Aber einem hohen Risiko stehen hohe Chancen gegenüber. Im Moment sind aber Anlagen in diese Währungsformen nichts als Wetten.

Stefan Siebert



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