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11. April 2012   Börse

Blue Chip mit Faktor Grün

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Sauberer Strom, umweltfreundliche Industrieanlagen und Abwasserreinigung: Der österreichische Technologiekonzern Andritz (ISIN AT0000730007) setzt mit seinem diversifizierten Produktportfolio ganz auf Ökologie und besticht mit einer grundsoliden Bilanz.

Der Traditionskonzern Andritz aus Graz bringt alle Zutaten für eine erfolgreiche Börsenstory mit: Der im Wiener Leitindex ATX gelistete Blue Chip ist in fünf Industriebereichen tätig. Die Gesellschaft entwickelt Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke, Anlagen für die Produktion von Zellstoff, Papier, Stahl oder Holzpellets sowie Fest-Flüssig-Trennungen für die Abwasser- und Abfallbeseitigung.

Globale Kundenbasis und Schwerpunkt Energieeffizienz

Knapp die Hälfte des Konzernumsatzes generiert Andritz mittlerweile mit erneuerbaren Energien. Ob Rauchgasreinigungssysteme, Industrieöfen oder Biomasseanlagen – überall mischt die Gesellschaft mit. Ein weiterer Pluspunkt ist die breite Kundenbasis. Mehr als 50 % der Auftragseingänge stellen industrielle Schwellenländer wie Brasilien oder Russland. Diese Regionen verzeichnen einen steigenden Energiebedarf. Zugleich weisen sie im Vergleich zu den meisten westlichen Industriestaaten eine vergleichsweise niedrige Staatsverschuldung aus – was die Finanzierung von Großprojekten wie Kraftwerken oder Fabriken zur Zellstoffverarbeitung erleichtert.

In Europa und Nordamerika wirken sich die steigenden Energiepreise positiv auf das Geschäft von Andritz aus. Der Unternehmensbereich Hydro, der rund 40 % der Gesamterlöse stellt, liefert Technologien für effizientere Energiegewinnung, damit etwa Pumpspeicherkraftwerke die steigenden Schwankungen in den Stromnetzen ausgleichen können. Der zweitgrößte Geschäftsbereich Pulp & Paper glänzte 2011 mit drei Großaufträgen aus Südamerika.
Eine Schwachstelle des Geschäftsmodells ist die Abhängigkeit von Großaufträgen. Hier steuere Andritz dank effizientem Projektmanagement und einer vorsichtigen Bilanzpolitik die operative Marge stabil in einer Bandbreite zwischen 5 und 7 %, meint Analyst Gerald Walek von der Ersten Bank.

Starke Finanzkraft sichert künftige Expansion
Apropos Bilanz. Zu den Stärken zählt hier die stets hohe Kapitalrendite (ROIC), also die hohe Steigerungsrate beim Verhältnis zwischen Konzerngewinn und eingesetztem Kapital. Zugleich ist die Kasse mit einem Cashbestand von 1,4 Mrd. Euro gut gefüllt, um das organische Wachstum durch weitere Zukäufe zu ergänzen. Auf dem Radar: mittelständische Firmen, die in industriellen Nischen führend sind. Eines der Erfolgsgeheimnisse von Andritz ist laut Walek, dass der Konzern nur komplementäre Technologien zugekauft habe, die sich nahtlos in das eigene Produktportfolio integrieren ließen. Unter Börsianern geschätzt wird Andritz auch für seine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Auf der Hauptversammlung am 22. März wurde die Dividende von 1,70 auf 2,20 Euro je Aktie angehoben.

Die Aktie bleibt ein Outperformer im ATX
Und die Equity-Story kommt bei den Investoren an: Seit Jahresanfang hat die Aktie um 17 % an Wert gewonnen und nimmt gerade das Allzeithoch bei 75,28 Euro in Angriff. Besonders beeindruckend fällt die stetige Outperformance von Andritz gegenüber dem ATX aus der Drei-Jahres-Perspektive aus: In diesem Zeitraum schoss der Börsenwert um 234 % nach oben, während der ATX um 26,6 % vorankam.
Womit wir bei der Bewertung der Aktie wären. Auf Basis der Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie im Jahr 2013 ergibt sich ein KGV von 14,5. Das ist ein deutlicher Aufschlag gegenüber Mitbewerbern wie Siemens (10,4) oder Alstom (9). Für ein Investment spricht jedoch weiterhin der klare Fokus auf Industriebereiche, die für die kommenden Jahre ein überdurchschnittliches strukturelles Wachstum versprechen.

Stefan Riedel, Redaktion AnlegerPlus