20. Juli 2017   Börse

Börsengänge trotz Sommerloch

IPO

Von wegen Sommerloch: Obwohl die Monate Juli und August saisonbedingt nicht zu den angesagtesten Börsenmonaten in Anlegerkreisen zählen, wagten gleich sechs Unternehmen Ende Juni und im Juli den Gang an die Börse. Wer ist neu auf dem deutschen Kurszettel und zu welchen Emissionspreisen wurden die Aktien an die Investoren zugeteilt? Wir geben einen kurzen Überblick.

Zuerst brachte die Restaurantkette Vapiano (ISIN DE000A0WMNK9) neue Würze in den Prime Standard. Dort sind die Vapiano-Aktien seit 27. Juni nämlich notiert. Die Aktien wurden Investoren in einer Preisspanne zwischen 21 und 27 Euro angeboten und konnten letztlich zu 23 Euro zugeteilt werden. Seit der Gründung 2002 hat Vapiano über 180 Selbstbedienungsrestaurants in mehr als 30 Ländern eröffnet. Beim Börsengang wurden insgesamt 7.986.850 Aktien platziert. Etwa je zur Hälfte stammten diese Aktien aus einer Kapitalerhöhung und aus den Beständen der Altaktionäre, dazu kamen weitere 758.074 Aktien aus der Mehrzuteilung ebenfalls aus Altaktionärsbeständen. Dem Unternehmen flossen aus dem IPO brutto 85 Mio. Euro zu. Bewertet zum Ausgabekurs ergibt sich eine Marktkapitalisierung von 553 Mio. Euro. 32 % der Aktien befinden sich nun im Streubesitz. 

Noch mehr Futter für die Börse
Drei Tage später sorgte Delivery Hero (ISIN DE000A2E4K43), eine Rocket-Internet-Beteiligung, ebenfalls für mehr Geschmack im Prime Standard. Delivery Hero ist ein Onlinemarktplatz für Essensbestellung und ‑lieferung, der in mehr als 40 Ländern aktiv ist. In Deutschland ist man mit den Marken Pizza.de, Foodora und Lieferheld präsent. Die Aktien des in den roten Zahlen steckenden Unternehmens wurden am obersten Ende der Preisspanne von 22 bis 25,50 Euro zugeteilt. 18.950.000 Aktien wurden im Rahmen des Börsengangs neu ausgegeben, Altaktionäre trennten sich von 20,1 Mio. Aktien. Damit ist der Delivery-Hero-Börsengang bisher die größte Neuemission des Jahres an der Frankfurter Börse. Das Platzierungsvolumen inkl. Mehrzuteilung betrug rund 996 Mio. Euro, dem Unternehmen flossen daraus netto 465 Mio. Euro zu. Insgesamt wird das Unternehmen zum Emissionspreis mit 4,39 Mrd. Euro bewertet.

Immobilien dürfen nicht fehlen
Dritter im Bunde der Börsengänge im Juni war der Wohnimmobilien-Bestandsentwickler Noratis (ISIN DE000A2E4MK4), dessen Aktien seit dem 30. Juni im neuen Wachstums- und Freiverkehrssegment Scale der Frankfurter Börse notiert sind. Von den ursprünglich in einer Preisspanne zwischen 18,75 und 22,75 Euro neu angebotenen 2 Mio. Aktien konnten am Ende nur 920.000 Aktien zu einem Emissionspreis von 18,75 Euro an den Anleger gebracht werden. Hinzu kamen noch 80.000 Aktien über die Mehrzuteilungsoption aus dem Kreis der Altaktionäre. Zum Emissionspreis bringen es die Eschborner auf eine Marktkapitalisierung von rund 55 Mio. Euro.

Börsenstarter im Juli
Der 13. Juli startete börsentechnisch mit einem kleinen  Kuriosum, denn nur für diesen einen Tag wurde der MDAX von 50 auf 51 Mitglieder aufgestockt. Grund war die Aufspaltung der METRO Group in zwei börsennotierte Unternehmen: Die neue METRO (ISIN-St: DE000BFB0019, ISIN-Vz: DE000BFB0027), in der das Großhandels und Lebensmittelgeschäft gebündelt ist, und die CECONOMY (ISIN-St: DE0007257503, ISIN-Vz: DE0007257537), die auf Consumer Electronics fokussiert ist. Genaugenommen ist die CECONOMY Rechtsnachfolger des bisherigen Konzerns und die METRO Wholesale & Food wurde abgespalten. Für jede CECONOMY-Aktie erhielten die früheren METRO-GROUP-Aktionäre im Juli zusätzlich eine METRO Wholesale & Food Aktien ins Depot gebucht.

Beinahe wie zu Neue Markt Zeiten
Spektakulär war der Börsengang der The Naga Group AG (ISIN DE000A161NR7) am 10. Juli. Zugeteilt wurden im Rahmen des Börsengangs 1 Million Aktien aus einer Kapitalerhöhung zum Preis von 2,60 Euro je Aktie. Am selben Tag lag der Schlusskurs bereits bei 7 Euro (+170 %), am 13. Juli konnte sich der Kurs auf fast 16 Euro hochschwingen, gegenüber dem Ausgabepreis ein Plus von über 500 %! Aktuell notiert die NAGA-Aktie mit rund 6,80 Euro immer noch deutlich über dem Zuteilungspreis bei IPO. NAGA entwickelt Trading-Apps und Trading Plattformen, die beim Börsengang angebotenen Aktien konnten u. a. über die von der Gesellschaft entwickelte Trading-App SwipeStox gehandelt werden.

Der jüngste Börsengang
Heute schafften die Aktien des LKW-Zulieferers Jost Werke AG (ISIN DE0006216401) im Rahmen einer Privatplatzierung den Sprung an die Börse. Diesen Weg sind zuvor auch Evonik im Jahr 2013, HELLA 2014, Schaeffler 2015 und Senvion im vergangenen Jahr gegangen. Jost, der Hersteller von Systemen für Zugmaschinen, Aufliegern und Anhängern, hatte inkl. Greenshoe 8,6 Millionen Aktien zur Zeichnung angeboten, 4,9 Millionen Stück davon aus einer Kapitalerhöhung. Die Zeichnungsspanne lag zwischen 25 und 31 Euro. Die Zuteilung erfolgte schließlich zum Preis von 27 Euro je Aktie. Zu diesem Preis wird das Unternehmen mit rund 402 Mio. Euro bewertet. 2015, als der erste Anlaufversuch an die Börse nicht klappte, lag die Bewertung bei rund 800 Mio. Euro.

Redaktion AnlegerPlus