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14. November 2016   Börse

Chaos bei Constantin – Großaktionäre müssen sich einigen

Constantin

Bei der CONSTANTIN MEDIEN AG (ISIN DE0009147207) geht es filmreif zu. Zwei Aktionärsgruppen kämpfen um die künftige Ausrichtung des Konzerns und bedienen sich dabei aller Mittel. Auf der jüngsten Hauptversammlung (HV) wurden die Stimmen von Ex-Vorstand Bernhard Burgener einfach von der Abstimmung ausgeschlossen – schon wieder.

Die Ausgangssituation ist schnell erklärt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hahn und Vorstandschef Fred Kogel wollen die Constantin-Gruppe auf die Bereiche Sport sowie Sport- und Eventmarketing fokussieren. Die schwankungsanfällige und kapitalintensive, gleichwohl erfolgreiche Filmsparte („Fack ju Göthe“) soll verkauft und der Erlös zur Schuldentilgung genutzt werden.
Der langjährige Ex-Vorstand Bernhard Burgener, der zusammen mit seinen Getreuen ebenso wie Hahn knapp 30 % der Anteile hält, will die Gruppe hingegen in ihrer jetzigen Form erhalten. Ihm erscheint es sinnvoller, das Geschäft auf mehreren Beinen ruhen zu lassen.

Zwei Tage HV und mehr als 500 Fragen
Um die Wogen zu glätten, war vorgesehen, die Aktionäre auf der HV am 9.11.2016 in München über die künftige Ausrichtung abstimmen zu lassen. Nachdem das Treffen Anfang Juli noch abgebrochen werden musste, hatte die Verwaltung diesmal wohlweislich für zwei Tage eingeladen. Tatsächlich zog sich die Veranstaltung schließlich über mehr als 20 Stunden und dutzende Anwälte sowie eine Reihe von bekannten Aktionären stellten mehr als 500 Fragen, u. a. suchten sie zu ergründen, wie profitabel Constantin in dem wettbewerbsintensiven Sportrechtemarkt ohne das Filmgeschäft sein kann, das heute noch den Großteil der Gewinne liefert.  

Heftige Kritik an Versammlungsleiter
Für großes Erstaunen, ja Entsetzen, sorgte am Beginn des zweiten Hauptversammlungstages, dass Rechtsanwalt Franz Enderle den Medienmanager Werner E. Klatten als Versammlungsleiter ablöste. Viele Aktionäre hielten dies für skandalös und sprachen von einer Provokation, nachdem Enderle dieses Amt auch beim Treffen im Juli innegehabt und überraschend eine Vielzahl von Stimmen von Banken und Fondsvertretern von der Abstimmung ausgeschlossen hatte. Angeblich wegen technischer Probleme konnten damals keine Beschlüsse gefasst werden,
dies sollte nun nachgeholt werden. Mehrmals erkundigten sich Aktionäre im Rahmen der Veranstaltung, ob der Versammlungsleiter gedenke, auch diesmal Stimmen auszuschließen. Darauf gab es jedoch nur ausweichende Antworten.

Stimmen von Burgener erneut ausgeschlossen
Der Grund für die Blockade offenbarte sich am Abend des zweiten HV-Tages, als Versammlungsleiter Enderle vor Eintritt in die Abstimmungen die Präsenz mit nur 47,18 % verkündete. Die überraschend geringe Quote erklärte er damit, dass die Stimmen des Burgener-Pools aufgrund einer falschen und nicht korrigierten Stimmrechtsmeldung vom 15.6.2016 von der Abstimmung ausgeschlossen werden mussten. Seiner Aussage, dass er die Kanzlei von Burgener am Vortag auf das Versäumnis hingewiesen hat, widersprach dessen Anwalt entschieden. „Das ist eine Lüge“, rief er in Richtung Podium. Enderle ließ sich davon nicht beirren.

Klagewelle zu erwarten
Zu diesem Zeitpunkt schien die Situation kurz zu eskalieren. Eine ganze Reihe von Aktionären stürmte auf den Versammlungsleiter zu, der daraufhin zwei Security-Leute vor die Bühne beorderte. Infolge der Stimmrechtsausschlüsse wurden sämtliche Beschlüsse im Sinne der Verwaltung gefasst. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Es wird sicherlich eine Klagewelle geben, sodass die Beschlüsse vorerst kaum umgesetzt werden können. Zum Wohl des Unternehmens wäre es dringend erforderlich, dass sich die Streithähne, die früher einmal beste Freunde gewesen sein sollen, irgendwie einigen. Für das Geschäft ist der andauernde Zwist alles andere als förderlich. Die Aktie hat nach der HV wenig überraschend weiter an Wert verlore

Matthias Wahler, Redaktion AnlegerPlus



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