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9. November 2017   INVESTMENT

Das Währungsrisiko eines Investments

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Anlagen in Fremdwährungen bieten Chancen und Risiken, sie sind Fluch und Segen zugleich. Wird eine Fremdwährungsanlage im Depot gehalten und wertet diese auf, kann man sich beim Rücktausch in Euro freuen. Leider läuft das Spiel umgekehrt, wenn die fremde Währung abwertet. Dann erleidet der Anleger einen Verlust.

Wohin wird sich eine Währung entwickeln? Wer sich in der Währungsspekulation versucht, der steht vor demselben Problem, wie jeder Aktienanleger. Allerdings gehört die Einschätzung zur Währungsentwicklung zu einer der schwersten Prognosen auf dem Finanzmarkt, die es zu treffen gilt – hier sind sich Volkswirte und Analysten einig.

Zu viele Einflussfaktoren wie Zinsveränderungen, wirtschaftliche Auf- und Abschwünge, Waren- und Dienstleistungsströme, Äußerungen von Politik und Notenbanken sowie die Interpretation des Marktes diesbezüglich und nicht zuletzt die Währungsspekulanten, spielen eine gewichtige Rolle für das Auf und Ab einer Währung. Und diese wird ja immer auch gegenüber einer anderen Währung gehandelt, die mit denselben Einflüssen zu kämpfen hat. Unterm Strich braucht man also als im Eurowährungsraum Ansässiger nicht nur eine Meinung zur weiteren Entwicklung in Europa, sondern ebenfalls zur Entwicklung im Land der eingegangenen Fremdwährung, z. B. den USA oder Japan.

Da diese Prognosen so schwer sind, empfiehlt es sich – wie immer bei Finanzanlagen–, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Fremdwährungen sollten weder positiv noch negativ gesehen werden, weil sie eben Chance und Risiko zugleich sind. Wer zu seinem Basisinvestment in Euro fremde Währungen im dosierten Umfang beimischt, wird langfristig in der Regel gut damit fahren.

Immanentes Währungsrisiko

Anleger, die sich für eine Anlagestrategie ausschließlich in Euro entschieden haben, sollten es dann allerdings richtig machen und können sich letztlich doch nicht ganz einem Währungsrisiko entziehen. Ein Problem besteht aber sehr häufig: Leider ist in der Praxis immer wieder zu beobachten, dass Anleger die beim Kauf eines Wertpapiers oder Rohstoffs angezeigte Währung mit der tatsächlichen Währung gleichsetzen.

Nehmen wir das Beispiel Gold. So mancher Privatinvestor erwirbt das Edelmetall im Glauben, dass hier kein Währungsrisiko besteht. Schließlich erfolgt der Kauf doch in Euro und auch der Rücknahmekurs wird in Euro angeboten. Das ist allerdings ein Trugschluss. Denn die Handelswährung von Gold lautet weltweit auf US-Dollar und wird in den jeweiligen Währungsräumen lediglich in die lokale Währung (z. B. Euro) umgerechnet.

Ob die Anlage in Gold ein Erfolg wird, hängt letztendlich unter anderen davon ab, wie sich das US-Dollar-Euro Verhältnis nach dem Kauf entwickelt. Angenommen der Goldpreis bleibt konstant, verliert ein Anleger hierzulande Geld, wenn der Dollar abwertet. Sein Goldinvestment gerechnet in der Handelswährung ist dann schlicht weniger wert. Es kann aber auch andersherum laufen. Ein Beispiel aus der Praxis: Im Zeitraum zwischen März/April 2014 und März/April 2015 ist der Goldpreis in US-Dollar gerechnet gefallen. Gleichzeitig hat in diesem Zeitraum der Euro gegenüber dem US-Dollar stark an Wert verloren, der US-Dollar hat also gegenüber dem Euro aufgewertet. Gerechnet in Euro ist daher der Goldpreis im selben Zeitraum gestiegen. Anleger im Euroraum konnten somit in diesem Zeitraum einen Gewinn mit ihrem Goldinvestment verbuchen, obwohl der tatsächliche Goldpreis in US-Dollar gefallen ist.

Dieselbe Analogie gilt übrigens für ausländische Aktien, die an deutschen Börsen (Inlandsbörse) gehandelt werden. Der an der Inlandsbörse angezeigte Kurs in Euro ergibt sich in der Regel aus dem über die Währungsrelation umgerechneten Kurs an der Heimatbörse (Auslandsbörse) der Aktie. Zwar bestimmt sich der Kurs an einer Börse immer aus Angebot und Nachfrage und dieses Verhältnis kann sich natürlich an den beiden Börsen unterscheiden. Allerdings treten dann sofort professionelle Arbitragehändler auf den Plan, die aus daraus resultierenden Kursdifferenzen Gewinn schlagen möchten. Ihr Handeln führt dazu, dass die Kursdifferenzen schnell ausgeglichen werden. Deshalb orientiert sich der Kurs einer Aktie an der Inlandsbörse stets an dem Kurs der Aktie an ihrer Heimatbörse unter Berücksichtigung des Wechselkursverhältnisses.

Dies bedeutet wiederum, auch hier ist der Anleger einem direkten Wechselkursrisiko ausgesetzt, das dem zuvor beschriebenen Goldszenario gleicht. Indirekt trägt der Anleger aber bei deutschen/europäischen Aktien ebenfalls ein Währungsrisiko. Denn im Zuge der Globalisierung produzieren und verkaufen Firmen heutzutage ihre Produkte und Dienstleistungen weltweit und unterliegen dadurch ständig diversen Wechselkursveränderungen.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Währungsrisiken bei Fonds. Hier herrschen oft die größten Missverständnisse bei Anlegern. Dieser glaubt nämlich anhand der Fondswährung zu erkennen, ob er ein Währungsrisiko eingeht oder nicht. Lautet die Fondswährung auf Euro, wähnt der Anleger sich auf der sicheren Seite. Dabei gilt es immer, die Währungen des enthaltenen Zielinvestments zu beachten. Einfach ausgedrückt kann ein zu 100 % in den USA investierter Fonds in der Fondswährung Euro angeboten werden. Trotzdem ist der Anleger dem Wechselkursrisiko voll ausgesetzt, da die US-Dollar-Werte einfach nur auf Euro umgerechnet werden. Dasselbe gilt für global anlegende Fonds mit verschiedenen Währungspositionen.

Nur Fonds, die aktive Währungsabsicherung betreiben, bieten einen Schutz vor den beschriebenen Währungsrisiken. Doch umsonst ist bekanntlich nicht einmal der Tod. Für diese Absicherung entstehen nicht unerhebliche Kosten, die auf Fondsebene anfallen und somit vom Anleger zu tragen sind. Dies gilt vor allem dann, wenn die abzusichernde Währung ein höheres Zinsniveau aufweist als der Euro.

Zinsanlagen nur wenn es sich lohnt

Ein höheres Zinsniveau ist es dann auch, warum der ein oder andere Anleger sein Sparvermögen teilweise gerne im Nicht-Euro-Raum anlegt. Sie werden dann zu Zinsarbitrageuren. Das ist ein legitimer Ansatz, wenn das Chance-Risiko-Verhältnis richtig eingeschätzt wird. Da in der Regel keine allzu spekulativen Währungen gewählt werden, greift die Mehrheit der Investoren auf bekannte und vermeintlich stabile Währungen zurück, um sich ein Zinsplus zu erwirtschaften. Allerdings wird dabei meist der Zinsvorteil im Vergleich zum Währungsrisiko überschätzt.

Hierzu wieder ein Beispiel aus der Praxis: Anfang September dieses Jahres betrug die Rendite einer 10-jährigen deutschen Staatsanleihe 0,36 %. Das Pendant aus den Vereinigten Staaten dagegen brachte 2,15 % ein. Der Zinsunterschied von 1,79 % pro Jahr ergäbe über die Gesamtlaufzeit einen Zinsvorteil von 17,90 %. Das klingt erst einmal stattlich. Allerdings hatte beispielsweise der Euro im Vergleich zum Dollar alleine von Januar 2017 bis Anfang September 2017 um 13 % aufgewertet und hätte damit bereits nach acht Monaten die Rendite der Gesamtlaufzeit fast komplett aufgezehrt. Und es verbleiben noch gute neun Jahre Laufzeit.

Mit diesem Beispiel wollten wir nicht von Zinsanlagen in fremden Währungen abraten – es hätte ebenfalls umgekehrt ein zusätzlicher Währungsgewinn entstehen können. Und wie sich das Währungspaar über die gesamte Laufzeit entwickelt, lässt sich natürlich ebenfalls nicht prognostizieren. Allerdings muss konstatiert werden, dass die Währungsentwicklung für den Gesamterfolg der Anlage oft eine wichtigere Rolle spielt als der Renditevorteil aus dem Zins. Deshalb sollte der Fokus bei der Chance-Risiko-Abwägung verstärkt auf die Währung gelegt werden.

Fazit

Anlagen in fremden Währungen empfehlen sich als Beimischung und mit Augenmaß. Wer das Währungsrisiko komplett ausschalten möchte, muss sich die Zeit nehmen und seine Anlage genauer betrachten. Denn oft sind die Währungsrisiken nur auf den zweiten Blick sichtbar, ebenso wie die mit der Anlage verbundenen Chancen.

Christoph Richter



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