HAWBannerAnlegerplus03
MiniAboAP120x600pxstandbildverlag

17. Januar 2013   Wirtschaft

Der Krise getrotzt

DerKrisegetrotzt.jpg

Die deutsche Wirtschaft trotzte 2012 der europäischen Wirtschaftskrise und erzielte erstmals seit 2007 einen Finanzierungsüberschuss.

Im Jahresdurchschnitt ist die deutsche Wirtschaft 2012 weiter gewachsen – nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,7 % über dem Niveau des Vorjahres. 2010 und 2011 war das BIP zwar um einiges stärker gestiegen (+4,2 %, bzw. + 3 %), das sei aber der Aufholprozess nach der weltweiten Wirtschaftskrise 2009 gewesen, erklärt Destatis. „Im Jahr 2012 erwies sich die deutsche Wirtschaft dagegen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als widerstandsfähig und trotzte der europäischen Rezession“, meint Roderich Egeler, Präsident von Destatis auf einer Pressekonferenz am 15.1.2012 in Wiesbaden. Allerdings bemerkte er auch, dass sich die deutsche Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte deutlich abgekühlt hat.

Robuster Außenhandel

Angesichts des schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds erwies sich der deutsche Außenhandel 2012 als sehr robust: Preisbereinigt exportierte Deutschland 4,1 % mehr Waren ins Ausland als im Vorjahr. Die Importe stiegen gleichzeitig nur um 2,3 %. Der Außenbeitrag – die Differenz zwischen Exporten und Importen – steuerte 2012 demnach 1,1 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum bei und war damit wieder der wichtigste Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft. Im Inland stiegen die Konsumausgaben um 0,8 % im privaten und um 1 % im staatlichen Sektor, allerdings wurde weniger investiert: Die Bauinvestitionen sanken um 1,1 % und die Ausrüstungsinvestitionen sogar um 4,4 %.

Zweigeteilte Entwicklung
Charakteristisch für die Entstehung des BIPs 2012 ist laut Destatis eine Zweiteilung der Wirtschaft. Im Dienstleistungsbereich legte die preisbereinigte Bruttowertschöpfung gegenüber 2011 zum Teil kräftig zu, während sowohl das Baugewerbe (-1,7 %) als auch das Produzierende Gewerbe ohne Baugewerbe (-0,8 %) nachließ. Insgesamt stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche genau wie das BIP um 0,7 %, erklärt Destatis.

2012 erreichte die Zahl der Erwerbstätigen mit 41,6 Mio. das sechste Jahr in Folge einen neuen Höchststand. Die Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigen, ging allerdings um 0,3 % zurück. Je Erwerbstätigenstunde nahm sie jedoch um 0,4 % zu, da das Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen weniger stark gestiegen ist als das BIP.

Auf Konsolidierungskurs
Auch die Staatshaushalte waren 2012 weiter auf Konsolidierungskurs. Der Staatssektor (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen) beendete das Jahr nach vorläufigen Berechnungen von Destatis mit einem Finanzierungsüberschuss von 2,2 Mrd. Euro. Der Bund reduzierte sein Defizit im Vorjahresvergleich deutlich, während die Gemeinden und Sozialversicherungen einen kräftigen Überschuss erwirtschafteten. Gemessen am BIP in jeweiligen Preisen errechnet sich daraus für den Staat eine Überschussquote von 0,1 %. Damit weist der Staat für 2012 erstmals seit 2007 wieder einen ausgeglichenen Haushalt aus, so Destatis.

Stephanie Wente, Redaktion AnlegerPlus