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26. Januar 2018   Börsengänge

Deutschland Schlusslicht bei Neuemissionen

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Während 2017 weltweit die Aktienneuemissionen (IPOs) auf einem Zehn-Jahres-Hoch lagen, schaffte es der deutsche Aktienmarkt in dieser Kategorie mal wieder nicht, im internationalen Vergleich Schritt zu halten. 2017 betrug der Anteil der  Neuemissionen in Deutschland nur 0,7 % und die IPOs kamen lediglich auf 1,5 % des internationalen Platzierungsvolumens.

„Die deutsche Börse spielt bei Neuemissionen im internationalen Vergleich keine Rolle“ ist das kritische Ergebnis einer Studie der Beratungsgesellschaft „Blättchen & Partner“. Weltweit gab es 2017 1.624 Börsengänge mit einem Platzierungsvolumen von 188,8 Mrd. US-Dollar.

In Europa (252 Neuemissionen) gehörte Deutschland mit nur elf IPOs 2017 zu den Schlusslichtern. Immerhin stellte dies gegenüber 2016, als es nur sechs Erstnotierungen gab, eine Steigerung dar. Allerdings fiel das Platzierungsvolumen 2017 mit 2,6 Mrd. Euro deutlich geringer aus als im Jahr zuvor (4,9 Mrd. Euro). Das letzte Quartal 2017 war mit fünf IPOs am stärksten.

Gute Performance
Insgesamt überzeugten die Emissionen in Deutschland durch eine gute Performance, die im Durchschnitt (+43,1 %) besser war als die Entwicklung des Gesamtmarktes (Median 20,9 %). Per Jahresende verzeichneten neun der elf Emittenten in Deutschland einen Kursgewinn. Der durchschnittliche Zeichnungsgewinn für Anleger dieser Emissionen betrug 12,1 %. Knapp zwei Drittel der Emissionserlöse flossen an die Emittenten und wurden also über Kapitalerhöhungen eingespielt. Für „Blättchen & Partner“ ein klares Signal, dass die Börsengänge primär der Wachstumsfinanzierung dienten.

Geringes Handelsvolumen und hohe Kosten
Sieben der elf Neuemissionen starteten im Prime Standard, darunter die Aktie der Delivery Hero AG als größter Börsengang mit einem Platzierungsvolumen von 989 Mio. Euro. Den kleinsten Börsengang legte die The NAGA Group AG mit 2,6 Mio. Euro Platzierungsvolumen aufs Börsenparkett. Dieser und noch drei weitere Börsengänge fanden im neuen Börsensegment der Frankfurter Börse statt, das dort seit dem 1.3.2017 den Entry Standard ersetzt. Im Scale performten die Neuemissionen insgesamt schlechter, die Nachfrage der Investoren war zurückhaltend.

Die zugrundeliegende Studie von Blättchen & Partner führt diese Entwicklung auf die unzureichende Liquidität im Handel zurück, resultierend aus der zu geringen Zahl platzierter Aktien. Im Durchschnitt wurden weniger als eine Million Aktien platziert. Die Kosten eines Börsengangs im Scale seien dagegen laut Blättchen & Partner für kleine und mittlere Unternehmen viel zu hoch. Sie liegen im zweistelligen Prozentbereich und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Neuemissionen im Prime Standard. Die Beratungsgesellschaft bringt es auf den Punkt: „Ein Börsengang im Scale ist also bei diesen Rahmenbedingungen weder für Investoren noch für Emittenten attraktiv.“

 

Für 2018 angekündigte Börsengänge

 Unternehmen

 Branche

 Platzierungsvolumen

 Siemens Healthineers

 Medizintechnik

                        8.000 Mio. Euro

 Knorr-Bremse

 Bremssysteme

                        4.000 Mio. Euro

 Deutsche Asset Management

 Vermögensverwaltung

                        2.000 Mio. Euro

 Springer Nature

 Wissenschaftsverlag

                        1.500 Mio. Euro

 Instone

 Immobilien

                           700 Mio. Euro

 Dermapharm

 Arzneimittel

                           400 Mio. Euro

Quelle: Börsenzeitung, Marktschätzungen | Stand: 23.1.2018

 

Birgit Paintner, Redaktion AnlegerPlus



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