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8. Mai 2017   Gastbeitrag

Die Zukunft ins Portfolio holen

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Immer mehr Privatanleger greifen bei der Geldanlage auf Indexinvestments wie etwa ETFs zurück. Neue thematische Indexkonzepte ermöglichen es Anlegern, nun auch von zukünftigen Entwicklungen zu profitieren. Sie basieren auf den sogenannten „Megatrends“.

 

Der Begriff „Megatrend“ geht auf den US-amerikanischen Politikwissenschaftler John Naisbitt zurück und beschreibt transformative Kräfte, die sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft auf der gesamten Welt grundlegend umwälzen und damit potenziell alle Bereiche unseres persönlichen Lebens verändern. Unternehmen, die die daraus entstehenden Bedürfnisse bedienen, können langfristig von diesen Megatrends profitieren.

 

Somit ergeben sich auch für Investoren neue thematische Investmentoptionen. Denn wer Megatrends, die über kurz- und mittelfristige Entwicklungen, Wirtschafts- und Geschäftszyklen hinausgehen, frühzeitig identifiziert, hat die Möglichkeit von den erfolgreichen Unternehmen der kommenden Jahre und Jahrzehnte zu profitieren. Zu den aktuellen Megatrends zählen etwa der Klimawandel, die Digitalisierung, der demografische Wandel oder die Urbanisierung.

 

Megatrends verändern ganze Industriezweige

Der demografische Wandel ist ein gutes Beispiel für das wirtschaftliche Potenzial von Megatrends: Laut einer Studie der Vereinten Nationen kommen zur Bevölkerungsgruppe der über 65-jährigen bis 2030 etwa 390 Millionen Menschen hinzu[1]. Vor diesem Hintergrund wird auch das Bedürfnis nach Produkten und Dienstleistungen speziell für Senioren stetig weiter wachsen. In den USA wird der Markt für diese zugeschnittenen Produkte bereits auf 7,1 Billionen US-Dollar geschätzt[2]. Damit ist er bereits einer der größten Wirtschaftszweige. Bis 2020 wird sich dieser Wert voraussichtlich auf 15 Billionen US-Dollar mehr als verdoppeln.

 

Die erwartete Bevölkerungsentwicklung, die mit immer präziseren Prognosen bestimmt wird, macht den demografischen Wandel daher zu einem langfristig interessanten Anlagethema. Ausgewählte Branchen und Sektoren können besonders von diesem Megatrend profitieren: Die Pharmaindustrie und die Gesundheitsbranche etwa werden zunehmend neue Therapien bei altersbedingten chronischen Krankheiten anbieten. Innerhalb der Freizeit- und Reisebranche werden bereits alternative Konzepte entwickelt, die speziell auf die Anforderungen der älteren Zielgruppe zugeschnitten sind. Nicht zuletzt können auch Branchen profitieren, die erst auf den zweiten Blick von der demografischen Entwicklung verändert werden. Der Finanzsektor beispielsweise wird vermehrt Beratungsdienste und Anlageprodukte für die persönlichen Ersparnisse bis zum Lebensende herausbilden.

 

Über Diversifikation verschiedene Branchen abdecken

Das Potenzial von Megatrends ist deshalb so groß, weil sie sich gleich auf mehrere Branchen auswirken. Bei einem Investment lässt sich ein Megatrend daher am besten über eine branchenübergreifende Diversifikation abdecken. Anleger können so gleichzeitig die Risiken der Anlage reduzieren.

Hierfür müssen zunächst die Unternehmen mit einem nennenswerten Umsatzanteil in einem dieser Wachstumsthemen identifiziert werden. Mit passiven Anlageprodukten auf Basis thematischer Indizes entgehen Anleger dieser Hürde und profitieren von einer breiten Diversifikation.

 

STOXX schafft aktuell mit vier Themenindizes eine Investmentgrundlage für Megatrends wie demografische Entwicklung, Digitalisierung, Automatisierung und Robotics sowie neue Entwicklungen im Gesundheitswesen. Bei Letztgenanntem partizipiert der Index etwa an der Performance von Unternehmen, die sich schwerpunktmäßig mit dem Fortschritt in Bereichen wie Arzneimitteltherapien, Patientenbetreuung und Diagnosemöglichkeiten beschäftigen.

Damit Unternehmen in die Indizes aufgenommen werden, müssen sie strenge Vorschriften erfüllen. Mithilfe des führenden Marktanalyseanbieters FactSet und dessen Revere Business Industry Classification System (RBICS) werden die Umsätze der Unternehmen aufgeschlüsselt und fest definierten Themensektoren entsprechend der Megatrends zugeordnet. Lediglich solche Unternehmen, die mindestens die Hälfte ihres Umsatzes in einem dieser Sektoren erzielen, kommen für den jeweiligen Index in Frage.

Dazu wählen die Indizes ausschließlich liquide Aktien aus. So wird eine Streubesitz-Marktkapitalisierung von mindestens 200 Millionen Euro ebenso vorausgesetzt wie ein durchschnittliches Handelsvolumen von mehr als einer Million Euro über einen Zeitraum von drei Monaten hinweg. Für ein möglichst breites Spektrum innerhalb der verschiedenen Themen enthalten die einzelnen Indizes mindestens 80 Unternehmen.

 

Über einen quantitativ gestützten Zugang zu Megatrends wird es Anlegern erheblich erleichtert, die themenbasierten Anlagen in ihr Portfolio aufzunehmen. So werden die wesentlichen Entwicklungen, die unsere Wirtschaft in Zukunft prägen, immer mehr Anlegern zugänglich. Passive Investments entwickeln sich auf diese Weise von der reinen Marktabdeckung zur Identifizierung der potenziellen Renditen von morgen.

 

 


[1] United Nations (2015): World Population Ageing 2015.

[2] Bank of America Merrill Lynch (2014): The Silver Dollar Longevity Revolution Primer.

 

Dr. Jan-Carl Plagge, Head of Applied Research bei STOXX Limited