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4. Februar 2015   Wirtschaft

Draghis Maßnahmen gegen die Krise

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt ihr Versprechen und tat alles, um die Eurozone trotz Schuldenkrise zusammenzuhalten. Auch wenn die Probleme der Banken- und Staatsschuldenkrise dadurch nur überdeckt wurden, strukturelle Reformen aufgeschoben und Defizite nicht behoben werden. Die einzelnen Maßnahmen im Überblick.

EZB-Präsident Mario Draghi machte immer wieder klar, dass die EZB sehr weit gehen würde, um den Bestand des Euro sicherzustellen und die Eurozone zusammenzuhalten. Seit Beginn der Euro-Schuldenkrise 2009 wurden umfangreiche Maßnahmen gegen ein mögliches Scheitern der Gemeinschaftswährung ergriffen. Ein Überblick.

Seit 2011: Zinsentscheidungen
Der Leitzins der EZB lag im Jahr 2008 noch bei 4,25 %. Heute kaum vorstellbar bei einem aktuellen Leitzins auf Rekordtief von nur noch 0,05 %.

 

 

Ab 2008 und dann nochmal ab 2011 begann die Zentralbank, die Zinsen immer niedriger zu schrauben, damit sich die Geschäftsbanken günstig Geld besorgen können. Geplant war, dass die Banken das Geld in Form von Krediten an Unternehmen weitergeben, damit so die Wirtschaft der einzelnen Länder, insbesondere die der kriselnden Südstaaten, in Schwung gebracht wird. Doch dieses Ziel wurde nicht erreicht, denn entweder horteten die Banken das Geld zur Sicherung der eigenen Liquidität oder die Unternehmen fragten die Kredite wegen der schlechten Wirtschaftslage gar nicht erst nach.

2011 bis 2012: Kredite an Banken

Um in Schwierigkeiten geratene Banken frühzeitig aufzufangen und die Kreditvergabe zu stimulieren, wurden Ende 2011 und Anfang 2012 gewaltige Geldspritzen an die Kreditinstitute verteilt. Insgesamt 1 Bill. Euro Zentralbankgeld floss zu Minizinsen und für eine ungewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren an die Banken. Im Jahr 2014 folgte ein weiteres Kreditgeschäft von deutlich geringerem Umfang.

2010 bis 2012: Kauf von Staatsanleihen I

Im Zuge der Staatsschuldenkrise, die sich nahtlos an die Finanzmarktkrise anschloss, stiegen die Renditen der Staatsanleihen von Ländern, die von der Krise besonders gebeutelt wurden, gefährlich an. Auch hier sah sich die EZB berufen, außerhalb ihres eigentlichen Mandats, für weiterhin günstige Finanzierungskonditionen der Krisenländer zu sorgen. Das Mittel der EZB: Der Kauf von Staatsanleihen aber auch privater Anleihen am Sekundärmarkt im Umfang von etwa 210 Mrd. Euro, beginnend im Mai 2010 bis Anfang 2012. Vor allem italienische Staatsanleihen standen zu diesem Zeitpunkt auf dem Einkaufszettel im Rahmen des sogenannten Securities Markets Programme (SMP). Mit dem Beschluss des OMT-Programms wurde das SMP-Programm im September 2012 eingestellt.

Ab 2012: Kauf von Staatsanleihen II
Es folgte die die zweite Runde von Staatsanleihe-Käufen. Das Programm Outright Monetary Transactions (OMT) ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, wie z. B. Reformbemühungen bei den betroffenen Staaten und sollte den Staaten ganz offiziell eine Kreditaufnahme erleichtern und gleichzeitig die Zinslast senken. Allerdings wurde das OMT-Programm bisher noch nicht in der Praxis umgesetzt. Vor allem in Deutschland gab es Widerstände und Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht, das Verfahren ist immer noch vor dem Europäischen Gerichtshof ausstehend.

Ab 2014: Kauf von ABS-Papieren/Covered Bonds

Der Kauf von gebündelte Kreditverbriefungen (ABS) und gedeckten Bankanleihen (Covered Bonds) im Sommer 2014 sollten die schwunglose Konjunktur und die mäßige Inflation in der EU ankurbeln. Der Gedanke dabei war, angeblich wie bei den Maßnahmen zuvor, dass die Banken die gewonnene Liquidität in Form von Krediten in die Wirtschaft lenken. Das Programm war allerdings nicht nur auf Papiere guter Bonität beschränkt, sondern schloss auch sogenannte „Ramschpapiere“ mit ein. Und so scheint vor allem die erneute Bankenrettung im Vordergrund des Programms zu stehen.


2015: Quantitative Easing
Die geldpolitische Bazooka holte Mario Draghi dann am 22.1.2015 heraus. Er verkündete, dass die EZB in Zukunft im großen Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere erwerben wird, in einem Umfang von 1.140.000.000.000 Euro. Über dieses Programm, das bist mindestens September 2016 angelegt ist, sollen monatlich öffentliche und private Anleihen im Volumen von 60 Mrd. Euro angekauft werden. Und es umschließt auch das zuvor genannte ABS-Programm. Umgesetzt wird das Programm über die nationalen Notenbanken, die so direkt ins Risiko gehen.

Und wenn das alles nicht reicht? Dann wird man das Programm einfach ausweiten oder verlängern. Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, kommentiert dies wie folgt: „Nach QE ist vor QE“.

Carolyn Friesl, Redaktion AnlegerPlus



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