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1. Februar 2013   Kommentar

Ein Bärendienst für den Kapitalmarkt

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An längst vergessene Zeiten des „Neuen Marktes“ dürften sich Aktionäre erinnert gefühlt haben, die letzte Woche die Ad-hoc-Meldung der erst im Oktober letzten Jahres emittierten Hess AG gelesen haben.

Die Rede ist von mutmaßlicher Bilanzmanipulation, begangen durch die Vorstände der Gesellschaft. So besteht unter anderem der Verdacht, dass Hess zumindest seit dem Jahr 2011 fingierte Umsätze ausgewiesen hat: In den Finanzberichten der Gesellschaft für die Jahre 2011 und 2012 sollen nicht bestehende Umsatzerlöse ausgewiesen worden sein.

Skandale wie einst

Diese Vorwürfe erinnern stark an die Vorgänge rund um die ehemaligen Börsenstars Comroad, Infomatec oder Metabox. In den wilden Börsenjahren um die Jahrtausendwende brachten einige Glücksritter ihre Unternehmung mit gefälschten Umsatzzahlen oder Produkten an die Börse – Schadensersatzzahlungen und Haftstrafen folgten. Dennoch trugen genau diese Betrügereien mit dazu bei, dem Kapitalmarkt stark zu schaden und führten dazu, dass das Börsensegment „Neuer Markt“ geschlossen wurde.

Ansprüche prüfen
Anleger, die Hess-Aktien gezeichnet oder gekauft haben, müssen jetzt schnell handeln. Da der Börsengang gerade einmal vier Monate her ist, stehen die Chancen gut, Prospekthaftungsansprüche gelten machen zu können. Dabei dürfte der Anspruchsgegner nicht alleine bei der Gesellschaft und deren ehemaligen Organen zu finden sein – auch die Wirtschaftsprüfer, die die Bilanzen testiert haben und die emissionsbegleitenden Banken könnten in absehbarer Zukunft Probleme mit geschädigten Anlegern bekommen.

Schaden für den Kapitalmarkt bleibt
Doch die Chance auf eine finanzielle Wiedergutmachung des entstandenen Vermögensschadens darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit dem jetzt publik gewordenen Fall der Hess AG ein enormer Schaden für potenzielle Neuemissionen entstanden ist. Zukünftig werden Banken, Wirtschaftsprüfer und eben auch Anleger noch viel genauer hinschauen. Für Newcomer, die es ehrlich meinen, dürfte der Weg an die Börse somit noch viel steiniger werden.

Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.