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6. April 2011   Börse

Ein flüssiges Jahr für Aktionäre

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Die Finanz- und Wirtschaftskrise scheint vorbei und vergessen zu sein. Die deutsche Wirtschaft konnte sich 2010 überraschend schnell erholen. Dies führte zu guten Ergebnissen bei den deutschen Großkonzernen. Und diese beteiligen über hohe Dividendenausschüttungen auch ihre Aktionäre am Aufschwung.

Die DAX-Unternehmen werden für das Geschäftsjahr 2010 mehr als 25 Mrd. Euro Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Das sind 28 % mehr als im Vorjahr. Damit hat das Ausschüttungsniveau beinahe das des Boomjahres 2007 erreicht. Damals durften sich die Aktionäre der DAX30-Unternehmen über eine Ausschüttungssumme von ca. 27,5 Mrd. Euro freuen. Gemessen an der Ausschüttungsquote, hätte sich der ein oder andere Konzern aber durchaus noch großzügiger zeigen dürfen. In der Detailbetrachtung zeigt sich außerdem, dass nicht alle Aktionäre gleichermaßen von einem zunehmenden Geldsegen betroffen sind. Immerhin fünf Gesellschaften beließen die Ausschüttungen auf dem Niveau des Vorjahres, die Commerzbank konnte wegen der Staatshilfen überhaupt keine Dividende auszahlen.

Die höchste prozentuale Dividendensteigerung im Vergleich zum Vorjahr gemessen an der absoluten Ausschüttungssumme ergibt sich bei MAN, +693 % (je Aktie: von 25 Cent auf 2 Euro). MAN verspricht gegenüber dem Vorjahr eine Verachtfachung der Ausschüttung, ausbezahlt werden rund 296 Mio. Euro. Die Ausschüttungsquote liegt jedoch nur bei 38 %, hier hätte es also noch deutlichen Spielraum nach oben gegeben.

Ähnlich ist es bei der K+S. Die AG blickt ebenfalls auf ein sehr gutes Geschäftsjahr 2010 zurück und beglückt ihre Aktionäre mit einer fünf Mal so hohen Dividende je Aktie als im Jahr davor (von 0,2 auf 1 Euro, +400 %). Die Ausschüttungsquote liegt bei 43 % und damit ebenfalls noch unter der von Aktionärsschutzvereinigungen, wie beispielweise der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V., geforderten Quote von mindestens 50 %.

Auch bei BMW hat man die Ausschüttungssumme erhöht. Der Autobauer zahlt an seine Aktionäre für das Geschäftsjahr 2010 eine Summe in Höhe von 782,6 Mio. Euro aus (1,30 Euro je Aktie). Das sind 333 % mehr als für das Geschäftsjahr 2009, damals lag die Ausschüttungssumme bei 180,6 Mio. Euro. Die Ausschüttungsquote liegt jedoch nur bei mageren 26,5 %.

Aktionäre der Münchener Rückversicherung können sich über die höchste absolute Dividende je Anteilsschein freuen. 6,25 Euro je Aktie schüttet der Konzern aus. Gegenüber dem Vorjahr ist die Ausschüttungssumme jedoch nur um ca. 3 % gestiegen. Wegen der Katastrophe in Japan ist zu befürchten, dass auch für das laufende Jahr nicht mit großen Sprüngen zu rechnen ist.

Für die Infineon-Aktionäre ist die Zeit der Tränen erst einmal vorbei, denn das Unternehmen, das seit 10 Jahren keine Dividende ausgezahlt hat, schüttet für das Geschäftsjahr 2010 an ihren Anteilseigner endlich wieder eine Dividende von 10 Cent pro Aktie aus. Bescheiden, aber immerhin. Es bleibt zu hoffen, dass es sich hierbei nicht um eine Eintagsfliege handelt und die Aktionäre nicht weitere 10 Jahre bis zur nächsten Dividendenzahlung warten müssen.

Einen kleinen Schönheitsfehler muss der Dividendenchampion die Deutsche Telekom für das Geschäftsjahr 2010 hinnehmen. Ihre Aktionäre müssen als einzige der DAX30-Gesellschaften (abgesehen von der Commerzbank, die gar keine Dividende auszahlt) einen Rückgang der Dividende hinnehmen. Nach 3,4 Mrd. Euro 2009 schüttet der Konzern 2010 11 % weniger aus, „nur“ 3 Mrd. Euro. Die Dividende je Aktie sinkt von 0,78 Euro auf 0,70 Euro. Dies entspricht bezogen auf das Geschäftsjahr 2010 aber immer noch einer Ausschüttungsquote von 180 %, d.h. die Dividende wird immer noch aus der Substanz bezahlt.

Am härtesten trifft es die Aktionäre der Commerzbank, die wieder mal auf die lange Bank geschoben werden. Obwohl es die Commerzbank 2010 aus dem Verlustbereich geschafft hat, kann die Bank wegen der Staatshilfen, die sie in der Finanzkrise erhalten hat und die vorrangig aus den Unternehmensgewinnen zu bedienen sind, als einziges der DAX30-Unternehmen keine Dividende an ihre Aktionäre zahlen. Die Aktionäre müssen also auf 2011 hoffen.

Redaktion AnlegerPlus, Anastasija Serbouh / Thomas Maikebay