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27. Februar 2012   Börse

Eingeschränktes Potenzial

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Der Stahlhändler Klöckner & Co SE (ISIN DE000KC01000) erwartet im laufenden Jahr wieder steigende Gewinne und stellt auch die Zahlung einer Dividende in Aussicht, vor allem dank des anziehenden Geschäfts in den USA. Die Aktie dürfte davon aber kaum profitieren.

Die Bilanz ist verheerend. Zumindest für langfristig orientierte Aktionäre haben sich die Papiere des weltgrößten Stahlhändlers Klöckner & Co im vergangenen Jahr als Debakel erwiesen. Seit der Ankündigung einer Kapitalerhöhung im Frühjahr ist der Kurs der Klöckner-Aktie um zwei Drittel eingebrochen. Zwar hat es seit dem Tiefstand von 8 Euro eine leichte Erholung auf zuletzt 11 Euro je Anteilsschein gegeben, aber für viele Anleger ist das nur ein kleiner Trost. Müssen sie doch zu allem Ärger für 2011 auch noch auf eine Ausschüttung verzichten. Für 2010 hatte das MDAX-Unternehmen noch 30 Cent je Aktie ausgezahlt.

Wie geht es nun weiter mit dem Duisburger Konzern? Nachdem Vorstandschef Gisbert Rühl bereits im vergangenen Sommer wegen eines herben Einbruchs der Stahlnachfrage vor allem in Europa seine Prognose zurückgenommen hatte, rechnet Klöckner für 2011 nur noch mit einem leicht positiven Ergebnis oder einer schwarzen Null. Der Umsatz soll dank großer Zukäufe in den USA um 35 % wachsen, 2010 waren es 5,2 Mrd. Euro. Einzelheiten will Klöckner am 7.3.2012 vorlegen, eine Trendwende ist vorerst nicht in Sicht.

Sinkende Nachfrage in Europa
Zumindest auf dem europäischen Markt dürfte die Nachfrage nach Stahl wegen der sich abkühlenden Konjunktur weiter rückläufig bleiben. „Wir richten uns darauf ein, dass die Stahlnachfrage in Europa in diesem Jahr um bis zu 5 % sinkt, es kann aber noch schlimmer kommen“, warnt Firmenchef Rühl. Die aktuell steigende Nachfrage sei nur ein kurzes Zwischenhoch, weil viele Stahlverarbeiter ihre leeren Vorratslager wieder auffüllten, insgesamt blieben sie aber vorsichtig.

Trotzdem rechnet Klöckner nach dem schwachen vergangenen Jahr wieder mit einem höheren Gewinn. „Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass wir 2012 auch durch Zukäufe den operativen Gewinn steigern können“, verkündete Vorstandschef Rühl Anfang Februar der „Financial Times Deutschland“. Dann sei auch wieder eine Dividende möglich. Getragen werde das Wachstum vom Aufschwung in Nordamerika.
Dort erwartet Klöckner & Co ein Anziehen der Stahlnachfrage von mindestens 5 %. Diese Entwicklung spiegele sich bereits in den Preisen wider, so Rühl. Während die Preise für Flachstahl in Europa seit Dezember um rund 10 % stiegen, legten sie in den USA um 30 % zu. Die Duisburger hoffen vom Aufschwung in Nordamerika voll profitieren zu können, da sie im April letzten Jahres für 918 Mio. US-Dollar (einschließlich Schulden) den US-Stahlhändler Macsteel übernommen haben.

Stellenabbau bis Juni
Trotzdem will Klöckner bis zum Juni weltweit rund 6 % seiner 11.577 Arbeitsplätze streichen, in Europa soll fast jede zehnte Stelle wegfallen. Besonders stark betroffen sei die Zentrale in Duisburg, dort wird jede fünfte Stelle überflüssig.
Trotz des positiven Ausblicks auf die Geschäfte in den USA und einer insgesamt verbesserten Gewinnperspektive bleiben die meisten Analysten skeptisch. So hat die WestLB die Klöckner-Aktie kürzlich von „Add“ auf „Neutral“ herabgestuft und das Kursziel gestrichen. Die Aktie habe vor Kurzem das Kursziel erreicht, schrieb Analyst Ralf Dörper in einer Studie. Die für Anfang März erwarteten Jahreszahlen des Stahlkonzerns dürften der Stimmung kaum Auftrieb geben, glaubt der Experte.

Stefan Siebert, Redaktion AnlegerPlus