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23. April 2018   STEUERN

Einlösung von Xetra-Gold steuerfrei

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STEUERN Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 6. Februar 2018 (Az. X R 33/17) entschieden, dass die Einlösung von Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen (ISIN DE000A0S9GB0) innerhalb der Spekulationsfrist nicht der Einkommenssteuer unterliegt.

Gold zählt in Deutschland zu den beliebtesten Investments. Wer Goldbarren oder Goldmünzen physisch erwirbt und nach zwölf Monaten mit Gewinn veräußert, der zahlt darauf zudem keine Abgeltungssteuer. Denn für Gold gibt es immer noch eine Spekulationsfrist von einem Jahr.

Anleihen wiederum bieten die Möglichkeit, am Goldpreis zu partizipieren, ohne das Edelmetall selbst physisch erwerben und lagern zu müssen. Xetra-Gold ist eine solche Anleihelösung, für die man allerdings je nach Depotbank separate Depotentgelte zu entrichten hat. Über Xetra-Gold wird nach Angaben der Emittentin Deutsche Börse Commodities derzeit ein Vermögen von mehr als 170 Tonnen Gold verwahrt. Xetra-Gold Inhaberschuldverschreibungen werden an der Börse gehandelt und sollen durch physisch eingelagertes Gold zu mindestens 95 % gedeckt sein. Jeder Anteilschein verbrieft das Recht auf die Lieferung von einem Gramm Gold und bildet den Goldpreis in Euro genau dieser Menge ab.

Und eben zu diesem Auslieferungsszenario bei Xetra-Gold gibt es nun ein Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH), das dem Anleger schwarz auf weiß bestätigt, dass die Ausübung des Lieferungsanspruchs zu keiner Steuerzahlung führt; selbst dann nicht, wenn die Auslieferung innerhalb von zwölf Monaten nach Erwerb der Anleihen erfolgte. Der BFH wertet nämlich die physische Auslieferung des Goldes gerade nicht als eine steuerbare Veräußerung in Sinne des Einkommenssteuergesetzes.

Revision zurückgewiesen

Die Kläger in dem BFH-Verfahren waren Anleger, die ihre Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen innerhalb eines Jahres nach dem Erwerb gegen das verbriefte Gold eingetauscht hatten. Der Fiskus besteuerte die Wertsteigerung im Zeitraum zwischen dem Erwerb der Wertpapiere und der physischen Einlösung als Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften.

Der BFH hat die Revision des Finanzamtes in diesem Fall als unbegründet zurückgewiesen: Das ausgelieferte Edelmetall sei im Depot der Kläger geblieben, eine entgeltliche Übertragung der Inhaberschuldverschreibungen und demzufolge ein wirtschaftlicher Vorteil habe nicht stattgefunden. Die Kläger hätten lediglich ihren verbrieften Anspruch auf Lieferung des Goldes eingelöst, seien aber weiterhin an die Wertentwicklung von Gold gebunden.

BFH setzt Schuldverschreibung gleich mit Gold

Mit dem Urteil konnte Xetra-Gold einen weiteren „Steuersieg“ gegenüber dem Fiskus einfahren. Bereits 2015 hatte der BFH nämlich entschieden (Az. VIII R 4/15 und VIII R 35/14), dass für Kursgewinne aus der Veräußerung von Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist keine Abgeltungssteuer anfällt. Mit der Entscheidung, Xetra-Gold als ETC (Exchange Traded Commodities), d. h. börsengehandelten Rohstoff, einzustufen, wurde das Wertpapier steuerlich Münzen und Barren gleichgesetzt.

Damals führten die Richter zur Begründung auf, dass eine Schuldverschreibung keine Kapitalforderung verbrieft, sondern nur den Anspruch auf eine Sachleistung – in diesem Falle die Auslieferung des Goldes. Ein „Gewinn aus der Veräußerung oder Einlösung von Xetra-Gold Inhaberschuldverschreibungen führt nicht zu steuerbaren Einkünften aus Kapitalvermögen“. Für den Zeitraum der Spekulationsfrist differenziert das jüngste Urteil nun eindeutig zwischen zu besteuernder Veräußerung und der steuerfreien Einlösung.

Die hier angeführten Entscheidungen des BFH beziehen sich übrigens explizit auf Xetra-Gold-Anleihen. Für die steuerliche Behandlung anderer Inhaberschuldverschreibungen wie EUWAX Gold (ISIN DE000EWG0LD1) oder EUWAX Gold II (DE000EWG2LD7) gibt es unseres Wissens nach bisher keine gleichlautenden Urteile.

Birgit Paintner



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