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7. Juli 2014   Börse

Googles ärgerlicher Aktiensplit

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Im April hatten Google-Aktionäre plötzlich die doppelte Anzahl an Aktien im Depot, dafür einige aber weniger Geld auf dem Konto. Grund hierfür war ein Aktiensplit, der aufgrund seiner Ausgestaltung für deutsche Anleger ein steuerliches Fiasko darstellt.

Um die Google-Aktie optisch zu verbilligen, gab es im April beim Suchmaschinenriesen einen Aktiensplit. Für jede Altaktie bekamen Google-Aktionäre eine neue Aktie ins Depot gebucht, so dass sich die Aktienzahl verdoppelt hat. Der Kurs der Google-Aktien hat sich entsprechend halbiert. Nach dem Split kostete das Papier statt etwa 1.200 US-Dollar nur noch knapp 600 US-Dollar. Für Aktionäre normalerweise ein neutraler Vorgang, der Wert der Position hat sich nicht geändert. Ein Steuervorgang wird dadurch eigentlich nicht ausgelöst.
Doch normal war dieser Aktiensplit nicht. Denn die neuen Aktien wurden mit einer eigenen Wertpapierkennnummer (WKN) ins Depot gebucht, da diese Aktien im Vergleich zu den Altaktien kein Stimmrecht beinhalten. Und um die Aktien unterscheidbar zu halten, musste eine neue WKN vergeben werden.

Damit gibt es nun drei verschiedene Gattungen der Google-Aktien. A-Aktien mit einfachem Stimmrecht, C-Aktien ohne Stimmrecht sowie B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht, die den Gründern Sergey Brin und Larry Page ihre Stimmenmehrheit am Konzern von 55 % sichern.

Kleine Ursache, große Wirkung

Dieses kleine Detail WKN führte für deutsche Anleger, die zum Zeitpunkt des Aktiensplits in Google investiert waren, jedoch zu einem bösen Erwachen. Nach dem Aktiensplit grüßte nämlich der Fiskus, dem die Banken fleißig zuarbeiteten: Denn die neuen Aktien wurden aufgrund der unterschiedlichen Ausstattungsmerkmale als Sachausschüttung gewertet, also praktisch wie eine Dividendenzahlung. Und bei einer Sachausschüttung ist nach deutschem Steuerrecht Abgeltungssteuer fällig.

Schlecht für die Aktionäre – gut für das Finanzamt. Und bei der Umsetzung der Abgeltungssteuerpflicht gingen die Banken dann auch noch sehr unterschiedlich vor. Die einen behielten von den Anlegern direkt 25 % Abgeltungssteuer plus Soli und ggf. Kirchensteuer auf den ersten Aktienkurs nach dem Split ein, andere Banken legten den Anschaffungspreis der neuen Aktien mit 0 Euro fest. In diesem Fall wird die Abgeltungssteuer erst bei einem späteren Verkauf fällig, dann aber auf den kompletten Verkaufswert.

Deutsche Aktionäre sind die Gelackmeierten

Halten wir nochmal fest. Bei Aktionären mit einem Depot in Deutschland löste der eigentlich steuerneutrale Vorgang eines Aktiensplits aufgrund der technischen Umsetzung mit neuer WKN für die neu zugeteilten Aktien eine Steuerpflicht aus. Die Hälfte der zum Zeitpunkt des Splits gehaltenen Google-Aktien musste praktisch einen Verlust von mehr als 25 % (!) hinnehmen. Und natürlich müssen auch die künftigen Kursgewinne, so sie denn anfallen, versteuert werden.

Eine Abgeltungssteuerpflicht für künftige Kursgewinne würde für Aktionäre, die ihre Google-Aktien vor 2009 gekauft haben, nicht bestehen. Doch mit der Einbuchung der „Split-Aktien“ gelten diese als neu angeschafft, so dass die Steuerfreiheit der Kursgewinne für die Hälfte der Google-Aktien auch dahin ist. Diese Aktionärs-Gruppe hat es somit noch stärker erwischt.

Das können Aktionäre jetzt tun
Wer gegen dieses ungerechtfertigte Vorgehen Maßnahmen ergreifen will, der hat die Möglichkeit, sich die einbehaltenen Steuern möglicherweise im Rahmen der nächsten Einkommenssteuererklärung zurückzuholen.

Zunächst sollte auf die Steuerfreiheit des Aktiensplits bestanden werden und die Anleger sollten bei Abgabe der Steuererklärung dem Steuerabzug widersprechen. Wenn das nicht zum Erfolg führt, kann innerhalb von vier Wochen nach Bekanntgabe des Steuerbescheids dagegen Einspruch eingelegt werden. Sollte dem Einspruch nicht stattgegeben werden, bliebe nur der Klageweg. Trotz möglicherweis guter Aussichten auf Erfolg, ist ein Gerichtsverfahren aber immer mit einem entsprechend hohen Kostenrisiko verbunden. Wird dieses Kostenrisiko nicht durch eine Rechtsschutzversicherung übernommen, sollten sich Anleger diesen Schritt aber gut überlegen.

Dreister Griff in die Taschen der Aktionäre
Es bleibt zu hoffen, dass die zahlreichen Anleger, die durch die Dreistigkeit des Fiskus erheblich geschädigt wurden, noch zu ihrem Recht kommen. Hier wurde Geld eingetrieben, indem über Nacht Fakten geschaffen wurden. Obwohl Google laut Medienberichten im Vorfeld des Aktiensplits angeblich mit den deutschen Behörden Kontakt aufgenommen hatte, schaltete der Fiskus auf stur und die Depotbanken handelten in vorauseilendem Gehorsam. Die Aktie als Anlageform und Altersvorsorge wird durch diese latente Willkür der Finanzämter wieder ein Stück unattraktiver – und das in einem Kapitalmarktumfeld, in dem mit kaum einer anderen Anlageform rentierlich Vermögen aufgebaut werden kann.

Carolyn Friesl, Redaktion AnlegerPlus