HAWBannerAnlegerplus03
MiniAboAP120x600pxstandbildverlag

21. Februar 2012   Börse

Großaktionär gegen Sanierungsplan

Praktiker.jpg

Karstadt hat er gerettet – doch beim Baumarktkonzern Praktiker (ISIN DE000A0F6MD5) wirft das Sanierungskonzept von Thomas Fox zahlreiche Fragen auf. Nun opponiert der neue Großaktionär Semper Constantia sogar offen gegen die Pläne des Vorstandschefs.

Bereits seit 2008 sinken die Umsätze beim Baumarktkonzern Praktiker, der mit seinem Billigkonzept immer weniger Kunden in die Filialen locken kann, kontinuierlich. Und 2009 rutschten die Saarländer erstmals in die roten Zahlen – die seitdem immer größer wurden.

300 Mio. Euro für den Konzernumbau
Letztes Jahr holte der Aufsichtsrat deshalb den Sanierungsexperten Thomas Fox als neuen Vorstandschef dazu und der schüttelte auch umgehend ein Restrukturierungsprogramm aus dem Ärmel: Das Discountkonzept der Dachmarke Praktiker soll vertieft werden und die Preise sollen noch weiter sinken. Unrentable Filialen sollen schließen, aber der Rest wird modernisiert. Bei der nach wie vor profitablen Tochter Max Bahr, die Praktiker 2006 übernommen hatte, soll dagegen die Premiumstellung weiter ausgebaut werden. Für das alles will Fox die stolze Summe von 300 Mio. Euro investieren, doch genau das ist der große Knackpunkt.

Warnung vor „finanziellem Kollaps“
Denn der Konzern ist finanziell äußerst klamm. Sogar über einen Kontokorrentkredit für die Vorfinanzierung des Frühjahrsgeschäfts mussten die Saarländer unlängst mit den Banken ringen. Für weiteres Fremdkapital müssten sie wohl sehr hohe Zinsen zahlen – das jedenfalls befürchtet ein neuer Großaktionär, die Fondsgesellschaft Semper Constantia Invest. Nach deren Informationen plant Thomas Fox die Aufnahme eines 170 Mio. Euro schweren PIK-Kredits, bei dem die Zinsen erst am Ende der Laufzeit fällig würden. Für so ein Darlehen, warnt der Investor aus Österreich, müsste Praktiker bis zu 15 % zahlen und würde sich damit übernehmen – es drohe der „finanzielle Kollaps“. Zudem solle Max Bahr als Sicherheit verpfändet werden und damit würden Aktionäre und Besitzer der Anfang 2011 begebenen Unternehmensanleihe „über den Tisch gezogen“. In der Tat: Je mehr Sicherheiten an neue Kreditgeber verpfändet werden, desto weniger Vermögensmasse bleibt Aktionären und Anleiheinhabern im Insolvenzfall. Und der ist nach wie vor nicht auszuschließen.

Alternative Wandelanleihe?
Wie viel die Fondsgesellschaft zusammen mit dem Investmentvehikel Maseltov an Praktiker genau hält, ist unklar – es ist von bis zu 20 % die Rede. Jedenfalls sehen sich die Österreicher stark genug, auch eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Sie fordern neben dem Verzicht auf das teure Darlehen auch deutliche Abstriche bei den Investitionsplänen. Neues Kapital bräuchte Praktiker trotzdem, dafür schlägt Semper Constantia eine Wandelanleihe vor. Einige Analysten begrüßen es auch, dass die Aktionäre bei Praktiker jetzt eine „starke Stimme“ hätten. Doch die Kleinanleger würde auch eine Wandelanleihe schädigen, da eine massive Verwässerung droht, wenn das Papier mit neuen Aktien getilgt wird. Semper Constantia hingegen könnte die Wandelanleihe einfach zeichnen – vermutlich ist genau das der Plan. Die Finanzierungsseite ist aber nur das eine, denn das Restrukturierungskonzept muss ja auch operativ aufgehen. Und es ist völlig offen, ob das mit dem Festhalten am Discountmodell gelingt. Sowohl Aktie als auch Anleihe von Praktiker sind zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nur für sehr spekulativ eingestellte Anleger geeignet.

Stefan Müller, Redaktion AnlegerPlus