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27. September 2016   Wirtschaft

Hände weg von Bank-Aktien

Banken

Die Aktien der Deutschen Bank (ISIN DE0005140008) sind in der letzten September-Woche auf den tiefsten Stand ihrer Geschichte gefallen. Auch die Papiere anderer europäischer Geldhäuser erweisen sich als Geldvernichter. Warum ist das so?

10,55 Euro, so tief haben die Aktien der Deutschen Bank seit Jahrzehnten nicht notiert. Mit dem Minus von 7,5 % am 26.9.2016 summieren sich die Verluste seit Jahresanfang auf über 50 %. Keine andere Aktie im DAX hat sich im laufenden Jahr schlechter entwickelt, als die der Deutschen Bank.
Ausgelöst wurde der erneute Schwächeanfall von einem Bericht der Zeitschrift „Focus“ wonach Bundeskanzlerin Angela Merkel jegliche Staatshilfen für die Deutsche Bank ausgeschlossen habe. Die Regierungschefin lehne es auch ab, sich in den Rechtsstreit des Frankfurter Finanzhauses mit dem US-Justizministerium einzuschalten, so das Magazin. „Die Regierung hat bei der Commerzbank die Kohlen aus dem Feuer geholt, und Anleger reagieren enttäuscht, weil sie das bei der Deutschen Bank offenbar nicht machen würde“, sagte Analyst Heino Ruland von Ruland Research.

Teure Streitigkeiten

Das US-Justizministerium fordert von der Deutschen Bank eine Zahlung von bis zu 14 Mrd. US-Dollar, um einen Streit um Geschäfte mit hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS) beizulegen. Eine gewaltige Summe angesichts der Tatsache, dass die Deutsche Bank an der Börse mit gerade noch 15,6 Mrd. Euro bewertet wird.
Man kann zwar davon ausgehen, dass es sich bei den 14 Mrd. Dollar um eine Maximalforderung handelt, die am Ende auf einen einstelligen Milliardenbetrag herunter gehandelt wird, doch dürfte es dem Institut selbst bei einer geringeren Forderung nicht gelingen aus eigener Kraft, allein mit den Erträgen aus ihrem operativen Geschäft, die geforderte Summe zu begleichen.

Tatsächlich leidet die Deutsche Bank wie die meisten anderen Kreditinstitute in Europa neben zahlreichen hausgemachten Problemen unter der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Im zweiten Quartal 2016 brach der Überschuss auf nur noch 20 Mio. Euro ein. Die gesamten Einnahmen der Bank sackten um 20 % auf 7,4 Mrd. Euro ab.

Nicht genug Rückstellungen
Auch die Rückstellungen der Deutschen Bank für Rechtsrisiken von derzeit 5,5 Mrd. Euro dürften nicht reichen, die Forderungen der Amerikaner zu begleichen, denn mit dieser Summe sollen auch noch andere große Fälle wie etwa Geldwäschevorwürfe in Russland bezahlt werden. Die Analysten der Berenberg Bank rechnen damit, dass nur ca. 3 Mrd. Euro der  Rückstellungen für den Hypothekenstreit in Amerika reserviert sind.
Damit wird eine Kapitalerhöhung immer wahrscheinlicher. Doch welcher Investor wäre im Moment bereit, angesichts der bestehenden Rechtsrisiken Aktien der Deutschen Bank zu kaufen. Und zu dem niedrigen Aktienkurs von aktuell gerademal 10 Euro müsste die Bank sehr viele neue Papiere ausgeben, um überhaupt auf eine nennenswerte Summe zu kommen. Das wiederum ist schlecht für die bestehenden Anteilseigner, die dadurch stark verwässert würden.

Fazit: von Aktien der Deutschen Bank sollten Anleger deshalb auf absehbare Zeit die Finger lassen.

Dilemma der HVB-Mutter UniCredit

Doch nicht nur die der heimische Branchenprimus steht vor einem Dilemma. Noch prekärer scheint die Lage der italienischen Institute. Sie sitzen auf einem Berg fauler Kredite und brauchen dringend frisches Kapital. Das betrifft vor allem die HVB-Mutter UniCredit (ISIN IT0004781412). Sie plant offenbar über die Ausgabe neuer Aktien eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Milliarden Euro. Dabei ist das Institut, ähnlich wie die Deutsche Bank, gerade noch 15 Mrd. Euro wert. Zudem soll die Vermögensverwaltungssparte Pioneer jetzt ganz verkauft werden – eine Fusion mit demselben Geschäft der spanischen Großbank Santander war noch im Sommer gescheitert. Dritter Baustein der UniCredit-Neuaufstellung soll die Auslagerung von notleidenden Krediten in zweistelliger Milliardenhöhe in eine neue Gesellschaft sein. Derzeit werde nach Investoren dafür gesucht. Zudem soll sich das neue Vehikel zum Teil über staatlich abgesicherte Wertpapiere refinanzieren. Diese Pläne sind aber politisch umstritten.

Wenig empfehlenswert sind derzeit auch die Papiere der Commerzbank (ISIN DE000CBK1001). Sie haben seit Jahresbeginn gut ein Drittel an Wert verloren. Überraschend ist das nicht, schließlich leidet das Geldhaus trotz aller Umbauten der vergangenen Jahre unter einer mangelhaften Rendite und sinkenden Erträgen.
Nach schwachen ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat der neue Vorstandschef Martin Zielke die Hoffnung auf eine Wiederholung des Vorjahresergebnisses bereits aufgegeben. „Das Niedrigzinsumfeld und die anhaltende Kundenzurückhaltung in Anbetracht der geopolitischen Unsicherheiten werden die Erträge trotz Wachstum weiter belasten", warnte er im August 2016. Der Konzerngewinn werde daher ebenso unter dem Vorjahr liegen wie das operative Ergebnis vor Steuern.
Vor allem die niedrigen Zinsen sind ein wesentlicher Belastungsfaktor. Darunter leidet das Mittelstandsgeschäft, das in den vergangenen Jahren der mit Abstand größte Gewinnbringer des Konzerns war. In der ersten Jahreshälfte ging das operative Ergebnis der Sparte um fast 40 % zurück. Noch stärker geriet das Investmentbanking der Bank unter die Räder, wo das Ergebnis um fast 60 % auf 201 Mio. Euro absackte.

Tausende Stellen in Gefahr
Auf die Mitarbeiter kommen deshalb bittere Einschnitte zu. Die Mittelstandsbank soll aufgeteilt und das Investmentbanking weitgehend eingedampft werden. Dadurch sind Medienberichten zufolge bis zu 9.000 Arbeitsplätze bei der Commerzbank in Gefahr.
Doch Vorstandschef Zielke sieht offenbar keinen anderen Ausweg, als die Kosten weiter zu senken. Bei Null- bzw. Strafzinsen wird es immer schwerer, noch Erträge zu erwirtschaften. Zudem ändert sich das Verhalten der Kunden, die ihre Bankgeschäfte immer mehr online abwickeln und die teuren Filialen meiden. Auch hier muss die Branche umdenken. Hinzu kommt eine restriktive Regulierung, die immer mehr Eigenkapital bindet. Da ein Ende dieser desolaten Situation sobald nicht zu erwarten ist, schießen auch immer mehr Übernahmegerüchte ins Kraut – zuletzt mit der Deutschen Bank. Doch auch daraus wird wohl zunächst nichts.

Stefan Siebert, Redaktion AnlegerPlus