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2. Juni 2017   BÖRSE

Im Visier der Shorties – Mai 2017

Im Visier der Shorties4

Shortseller setzen durch Leerverkäufe von Aktien gezielt auf fallende Kurse der entsprechenden Emittenten. So können sie auch in fallenden Märkten oder bei einer negativen Aktienkursentwicklung der „auserwählten“ Gesellschaft an ihrem Aktieninvestment verdienen. Welche Unternehmen aus DAX und MDAX standen nach fünf Monaten des laufenden Jahres auf den Shortlisten?

 

“Sell in May and go away”, diese Börsenweisheit scheinen sich die Leerverkäufer hinter die Ohren geschrieben zu haben. Der Anteil der leerverkauften Aktien im DAX ist Ende Mai auf den niedrigsten Stand des Jahres gefallen – wie die Börsenzeitung aus den Daten des Finanzdatendienstleister IHS Markit ermittelt hat. Bzw. wir haben es ja mit Leerverkäufern zu tun. Wenn der Anteil der leerverkauften Aktien gefallen ist, dann bedeutet dies also, dass die Shortseller ihre Leerverkaufspositionen durch den Kauf der Aktie geschlossen haben. D. h. die Shortseller standen im Mai eher auf der Käuferseite. Sie haben folglich zu dem Plus von über einem Prozent im DAX im Wonnemonat Mai beigetragen.

 

Der Anteil der ausgeliehenen Aktien im DAX ist zwischen Anfang und Ende Mai 2017 um 30 % gefallen, von 1,88 % auf 1,31 %. Der rückläufige Trend des Shortinteresses besteht aber schon seit Ende Mai letzten Jahres. Im Jahresvergleich ist der Anteil ausgeliehener Aktien im DAX sogar um 35 % gefallen. Die Börsenzeitung interpretiert den Trend wie folgt: „Da das Short Interest mitunter als Kontraindikator für die Kursentwicklung gilt, und der DAX in diesem Zeitraum deutlich zulegen konnte, deutet das in diesem Fall wohl auf bevorstehende Turbulenzen für den DAX hin.

Gemeint ist damit, dass der DAX eine Überbewertung aufweisen könnte. Denn im Umkehrschluss weist ein hohes Short Interest darauf hin, dass leerverkaufte Aktien eher günstiger bewertet sein müssten und keine Überbewertung mehr aufweisen. In dieser Trendbetrachtung scheint der MDAX Ende Mai 2017 nicht überbewertet. Denn das Shortinteresse dort lag zum Ende des Monats bei 2,90 % nach 2,93 % Anfang Mai. Und ein Jahr zuvor, also Ende Mai 2016, lag der Anteil ausgeliehener Aktien im MDAX bei 2,95 %. Interessant dabei ist allerdings, dass der DAX im Jahresverlauf bisher „nur“ rund 10 % zulegen konnte, während die MDAX-Titel es auf über 14 % brachten und aktuell auf einem Allzeithoch notieren.

 

Shortselling

Der Finanzdatendienstleister IHS Markit erhebt Daten zu ausgeliehenen Titeln in Aktien aus DAX und MDAX (in Relation zur Anzahl an den insgesamt ausgegebenen Aktien eines Emittenten). Daraus lässt sich dann ein entsprechendes Short-Interesse in den Titeln interpretieren.

 Man spricht in diesem Fall also von gedeckten Leerverkäufen. Bei dieser Art von Leerverkäufen verkauft der Shortie ein Wertpapier, welches er zum Verkaufszeitpunkt noch gar nicht besitzt. Er muss dem Käufer das Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist nachliefern. Um dieser Verpflichtung nachkommen zu können, leiht er sich das Wertpapier (in Höhe der verkauften Bestände) bei einem Dritten. Der Dritte wird vom Shortie hierfür eine Leihgebühr verlangen und der Shortie geht mit dem Leihgeschäft die Verpflichtung ein, die Aktien bis zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt an den Verleiher zurückzugeben.

 Selbstverständlich können die verliehenen Wertpapiere auch einem anderen Zweck dienen. Dieser muss sich nicht zwingend auf ein Shortgeschäft beziehen. Die Daten von IHS Markit, die auch in der Börsenzeitung veröffentlicht werden, dürfen somit nur als Indiz für mögliche Shortgeschäfte angesehen werden.

 

Und in der Detailanalyse? Verloren haben die Shorties offenbar ihren Spaß an Banktiteln. Kein Wunder, konnte die Deutsche-Bank-Aktie in den letzten sechs Monaten doch rund 16 % an Wert zulegen und die Commerzbank-Aktie sogar fast 40 %. Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass der Anteil leerverkaufter Deutsche-Bank-Aktien Ende Mai gegenüber April 2017 um 44 % abnahm und der leerverkaufter Commerzbank-Aktien um 45 %. Fünf Monate zuvor, also Ende Dezember 2016, waren noch rund 3,7 % der Deutsche-Bank-Aktien ausgeliehen und 4,9 % der Commerzbank-Aktien. Bis Ende Mai 2017 reduzierte sich der Anteil auf 2,9 % bzw. 1,7 %.

Unveränderte Spitzenreiter auf der DAX-Shortliste im Mai war die Lufthansa-Aktie mit 3,6 % ausgeliehener Aktien. Aber auch hier befinden sich die Leerverkäufer jedoch auf dem Rückzug. Gegenüber Ende April ging das Shortinteresse um 25 % zurück, gegenüber Ende Dezember 2016 gar um 63 %. Bei Lufthansa lagen die Shorties ebenfalls tendenziell richtig, denn seit Ende November konnte die Lufthansa-Aktie um statte 42 % zulegen. Eine der wenigen Aktien mit zunehmendem Shortinteresse sowohl auf Monats- als auch auf Fünf-Monats-Sicht ist die der ProSiebenSat.1 SE. Der Anteil ausgeliehener Aktien betrug hier per Ende Mai 2017 2,8 %. Gegenüber Ende April 2017 war dies eine Zunahme um 23 % und gegenüber Ende Dezember 2016 sogar um 75 %. Auf Fünf-Monats-Sicht lagen die Shorties damit nicht richtig, die Aktie entwickelte sich um 5 % nach oben, auf Monatssicht dagegen steht für die Medien-Aktie ein Minus von 5,6 %.

 

Im MDAX belegen, gemessen am Anteil der ausgeliehenen Titel, weiterhin K+S sowie Bilfinger den ersten und zweiten Platz. Das Shortinteresse in diesen Werten (16,8 % bzw. 11,9 %) hat auf Monatssicht per Ende Mai leicht zugenommen (4 % bzw. 2 %), und auch gegenüber Ende Dezember 2016 war kaum eine Veränderung festzustellen. Auffällig im MDAX ist das um 97 % gestiegene Shortinteresse an der Stada-Aktie. Dort sind inzwischen 9,5 % der Titel ausgeliehen. Stada soll übernommen werden, Bain Capital und Cinven bieten den Aktionären 66 Euro je Aktie. Durchgeführt wird der Deal aber nur, wenn der Übernehmergesellschaft 75 % der Anteile übertragen werden. Bisher ist das jedoch nur für 10 % der Fall. Das Angebot läuft noch bis zum 8. Juni und es ist eigentlich bei Übernahmen durchaus üblich, dass sich viele institutionelle Investoren erst kurz vor Ende für die Annahme eines Angebotes entscheiden. Allerdings ist bei Stada der Anteil der Privataktionäre sehr hoch und daher der Deal noch längst nicht in trockenen Tüchern.

 

Name Short-Interesse +/- April 17
DAX

Deutsche Lufthansa  3,60 % -25 %
Deutsche Bank 2,90 % -44 %
ProSiebenSat.1 2,80 % 23 %
ThyssenKrupp 2,80 % -3 %
Volkswagen Vz. 2,60 % -20 %
BMW 2,30 % 28 %
RWE  1,90 % -34 %
Henkel 1,80 % -17 %
Commerzbank 1,70 % -45 %
Infineon Technologies  1,60 % 4 %



MDAX

K+S  16,80 % 4 %
Bilfinger 11,90 % 2 %
Stada 9,50 % 97 %
Aurubis 8,60 % -15 %
Ströer 8,20 % 16 %
HUGO BOSS 7,00 % 0 %
Gea 6,50 % 41 %
alstria Office 6,00 % -4 %
Fraport  5,10 % -4 %
Deutsche Euroshop 5,00 % 24 %



Quelle: Markit, Börsen-Zeitung

Stand: 30.5.2017

 

Redaktion AnlegerPlus