10. Januar 2017   Börse

Im Visier der Shorties – November und Dezember 2016

Im Visier der Shorties3

Shortseller setzen durch Leerverkäufe von Aktien gezielt auf fallende Kurse der entsprechenden Emittenten. So können sie auch in fallenden Märkten an ihrem Aktieninvestment verdienen. Welche Unternehmen aus DAX und MDAX standen Ende des Jahres 2016 auf den Shortlisten?

Gegen Ende des Jahres 2016 wurden die Leerverkäufer etwas vorsichtiger. Im November haben sie ihre Leerverkaufspositionen kaum noch verändert und ihre Shortpositionen in Banktitel deutlich reduziert. Während das Shortinteresse in Titel der Deutsche Bank in den Monaten zuvor stark gestiegen ist, ging es beispielsweise im November 2016 um 38 % zurück, im Dezember wurden die Dt.-Bank-Bestände allerdings wieder aufgestockt. Stark gestiegen ist bei den DAX-Titeln auch das Shortinteresse an den ProSiebenSat1-Aktien, im Dezember 2016 um immerhin 88 % auf 1,6 %. Letzteres war dann aber ein eher gegenläufiger Trend, denn vor dem Jahresultimo haben die Shorties ihre Positionen doch deutlich reduziert, wie aus den in der Börsenzeitung veröffentlichten Daten des Finanzdatendienstleister Markit hervorgeht. Mit Blick auf die Jahresendrally, die den DAX in den letzten zwei Monaten des Jahres um etwa 13 % steigen ließ, hatten die Leerverkäufer also eine gute Spürnase bewiesen.

Anders als bei der Deutschen Bank reduzierten die Shortseller bei der Commerzbank ihre Bestände, die sie bis Ende Oktober aufgebaut hatten, zum Jahresende hin konsequent. Schon Ende November gingen die leeverkauften Commerzbanktitel um 17 % zurück und im Dezember nochmals um 21 %, so dass zum Jahresultimo „nur“ noch ca. 5 % der Commerzbank-Aktien ausgeliehen waren. Insgesamt dürften die Shorties mit diesem Engagement aber nicht so richtig glücklich geworden sein, denn die Bestände wurden eher in der zweiten Jahreshälfte aufgebaut und die Commerzbank-Aktie konnte seit Ende Juli 2016 um rund 45 % zulegen.

Das ganze Jahr 2016 über stand auch die adidas-Aktie bei den Leerverkäufern hoch im Kurs. Aber die Aktie tat ihnen den Gefallen nicht, in die Knie zu gehen. Eine stolze Jahresperformance von rund 70 % konnte die adidas-Aktie 2016 aufweisen und dürfte den Shorties die Tränen in die Augen getrieben haben. Und just als die Aktie Mitte Oktober zu einem vierwöchigen Tauchgang (-16 %) ansetzte, verloren die Shortseller die Geduld und reduzierten die Shortpositionen und dies ebenfalls konsequent bis Ende des Jahres. Immerhin blieben dem ein oder anderen dadurch weitere Tränen erspart, denn die Tauchphase beendete die Aktie Mitte November mit einem Kursplus von erneuten 10 % bis Ende des Jahres.

Würde man eine 12-Monatswertung beim DAX vornehmen, dann würde die Lufthansa-Aktie, gemessen an der Prozentzahl der ausgeliehenen bzw. leerverkauften Titel, den Spitzenplatz einnehmen. Über das Jahr hinweg dürften durchschnittlich 10 % der Lufthansa-Titel ausgeliehen gewesen sein. Hier bewiesen die Shortseller ein glückliches Händchen, denn in der Performanceliste aller DAX-Werte belegte die Lufthansa-Aktie 2016 mit rund 20 % Kursverlust den letzten Rang und das, obwohl die Aktie sich zuletzt seit Anfang Oktober um statte 30 % nach oben kämpfen konnte.

Das Short-Pendant zur Lufthansa-Aktie im DAX ist im MDAX die Aktie der K+S, die bis Mitte März 2016 noch im DAX-Konzert mitspielen durfte, dann aber in den Nebenwerteindex weichen musste. Lag das Shortinteresse in der K+S-Aktie zum Jahresanfang 2016 noch bei rund 15 % ist es bis Jahresultimo auf bis zu 16,7 % angestiegen, wobei die Shortpositionen im Dezember um 17 % zurückgefahren wurden, im November lag das Shortinteresse nämlich sogar bei 20,1 %. Der Kursverlauf der K+S-Aktie 2016 war für die Shorties jedoch alles andere als einfach. Gleich zu Jahresbeginn lagen sie richtig, die Aktie stürzte von Januar bis Februar um 18 % ab. Diesen Rückgang konnte die Aktie dann bis Ende Mai wieder kompensieren, musste dann aber bis Ende September wieder Kursverluste von 25 % verdauen. Zum Jahresultimo hat sich die Aktie dann wieder auf ein Kursniveau gerettet, das dem vom Jahresanfang entsprach.

Shortselling
Der Finanzdatendienstleister Markit erhebt Daten zu ausgeliehenen Titeln in Aktien aus DAX und MDAX (in Relation zur Anzahl an den insgesamt ausgegebenen Aktien eines Emittenten). Daraus lässt sich dann ein entsprechendes Short-Interesse in den Titeln interpretieren.

Man spricht in diesem Fall also von gedeckten Leerverkäufen. Bei dieser Art von Leerverkäufen verkauft der Shortie ein Wertpapier, welches er zum Verkaufszeitpunkt noch gar nicht besitzt. Er muss dem Käufer das Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist nachliefern. Um dieser Verpflichtung nachkommen zu können, leiht er sich das Wertpapier (in Höhe der verkauften Bestände) bei einem Dritten. Der Dritte wird vom Shortie hierfür eine Leihgebühr verlangen und der Shortie geht mit dem Leihgeschäft die Verpflichtung ein, die Aktien bis zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt an den Verleiher zurückzugeben.

Selbstverständlich können die verliehenen Wertpapiere auch einem anderen Zweck dienen. Dieser muss sich nicht zwingend auf ein Shortgeschäft beziehen. Die Daten von Markit, die auch in der Börsen-Zeitung veröffentlicht werden, dürfen somit nur als Indiz für mögliche Shortgeschäfte angesehen werden.

 

Name Short-Interesse +/- Nov 16
DAX    
Deutsche Lufthansa  9,7%  -8%
Commerzbank  4,9% -21%
Deutsche Bank 3,7% 22%
Volkswagen 1,9% -39%
adidas 1,7% -27%
ProSiebenSat.1 1,6% 88%
HeidelbergCement 1,6% -36%
SAP 1,6% -7%
RWE 1,4% -36%
Infineon Technologies 1,4% -10%
     
MDAX    
K+S 16,7% -17%
Bilfinger 12,1% -23%
Ströer 7,9% -26%
Deutsche Wohnen 7,2% 11%
Fraport 7,2% -17%
alstria Office 7% -10%
Gea 5,5% 25%
HUGO BOSS 5,1% -2%
Dürr 4,5% -14%
Deutsche Euroshop 4,1% 2%

Quelle: Markit, Börsen-Zeitung
Stand: 3.1.2017

 

Redaktion AnlegerPlus