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6. Oktober 2016   Börse

Im Visier der Shorties – September 2016

Im Visier der Shorties2

Shortseller setzen durch Leerverkäufe von Aktien gezielt auf fallende Kurse der entsprechenden Emittenten. So können sie auch in fallenden Märkten an ihrem Aktieninvestment verdienen. Welche Unternehmen aus DAX und MDAX standen im September 2016 auf den Shortlisten?

Im September ist das Short-Interesse an DAX-Titeln gegenüber dem Vormonat deutlich angestiegen und betrug 2,11 % (1,85 % im August), wie der Finanzdatendienstleister Markit ermittelt hat. Damit lag das Short-Interesse auf einem durchschnittlichen Niveau. Und wie die Börsenzeitung schreibt, sei ein hohes Short-Interesse als Kontraindikator für die künftige Kursentwicklung zu sehen, da leerverkaufte Aktien eher günstiger bewertet seien und keine Überbewertung mehr aufwiesen. Folglich müssten uns im Oktober steigende Kurse ins Haus stehen, der Startschuss also für die Jahresendrally?

Wir glauben, dieser Automatismus sollte für jeden Zeitraum gesondert überprüft werden, und darf nicht für bare Münze genommen werden. Ein Blick auf die Einzeltitel ist dazu erforderlich. Und da fällt auf, dass das im Durchschnitt gestiegene Short-Interesse im DAX ganz erheblich auf zwei Werte zurückzuführen ist. Nämlich die Deutsche Bank und adidas. adidas steht schon seit geraumer Zeit unter den Top-Ten der DAX-Titel mit dem größten Shortinteresse. Doch abgesehen von einer kleinen Schwächephase im August tut die adidas-Aktie den Shorties nicht den Gefallen und setzt zum Sinkflug an. Ganz im Gegenteil, im September konnte der Titel eines der weltweit größten Anbieters von Sportartikeln beinahe zweistellig zulegen. Die Shortseller, die den Shortanteil in der Aktie im vergangenen Monat um 115 % vergrößert haben, inzwischen sind 3,8 % der adidas-Aktien ausgeliehen (8 Mio. Stück), werden also derzeit bedröppelt drein schauen. Und wie steht es nun mit der Unterbewertung? Die kann man in der adidas-Aktie bei einem erwarteten 2016er KGV von 32 (2017: 28) nicht unbedingt feststellen. Darum setzen die Shorties wohl auf ein Ende der nun schon seit Anfang 2015 andauernden Hausse.

Das im September gegenüber August um 110 % gestiegene Short-Interesse in der deutschen Bank, inzwischen sind dort 73 Mio. Titel ausgeliehen (5,3 %), dürfte dagegen kaum erklärungsbedürftig sein. Zumindest im September, als die Aktie um ca. 23 % abstürzte, lagen die Shorties mit ihrer Einschätzung goldrichtig. Inzwischen hat die Aktie wieder an Boden gewinnen können, nachdem Gerüchte über eine Einigung mit dem US-Justizministerium auf eine geringere Strafe die Runde machten. Das höchste Short-Interesse im DAX gibt es nach wie vor an den Aktien der Deutschen Lufthansa. Gegenüber August hat es sich sogar noch einmal um 14 % auf 16,5 % ausgeliehene Titel (entspricht 77 Mio. Stück) erhöht. Viele Analysten sehen Risiken für die Umsatzentwicklung der Kranich-Flotte und erheblichen Korrekturbedarf für die Gewinnerwartungen. Dazu droht aufgrund der miserablen Kursentwicklung der vergangenen Jahre nun zu allem Übel auch noch der Abstieg aus dem DAX.

Ansonsten gab es unter den Top-Ten im DAX nur Positionsverschiebungen. Auf gestiegenes Short-Interesse stießen die Titel der Commerzbank (+5 %), von SAP (+8 %), der RWE (+10 %) und von Daimler (+24 %). Daimler taucht damit neu in den Top-Ten auf, E.ON dagegen verabschiedete sich aus dieser Reihe. Einen Rückgang verzeichnen VW-Aktien (-9 %, Vz.), Infineon-Aktien (-36 %) und Aktien der HeidelbergCement (-1 %).

Unverändert ist die Top-Ten-Liste im MDAX. Hier gab es „nur“ Positionsveränderungen, wobei K+S-Aktien weiterhin die Spitzenposition einnehmen. Das Short-Interesse in diesen Aktien hat gegenüber August sogar noch einmal um 10 % zugenommen, 19,9 % der K+S-Aktien (38 Mio. Stück) sind inzwischen verliehen. Und die Shorties werden sich die Hände reiben, denn nach der gescheiterten Übernahmen von K+S durch den Konkurrenten Potash vor über einem Jahr befindet sich der Kurs in einem heftigen Abwärtskanal. Das Kursminus seit Juli 2015 beträgt inzwischen über 50 %. Ein erhöhtes Short-Interesse gibt es auch bei den MDAX-Titeln von Bilfinger (+29 %) und Fraport (+7 %). Die größte Veränderung gegenüber August gab es allerdings bei den Titeln der alstria Office. Damit lagen die Shorties richtig, die Aktien gaben vom Zwischenhoch im September bis heute um über 10 % nach. Sind das schon die ersten Vorboten von nachlassendem Kaufinteresse bei Immobilienwerten? Nachdem Anfang Oktober Ängste aufgekommen sind, die EZB könnte die Liquiditätsschwemme drosseln, gehörten Immobilienwerte zu den Performanceverlierern in den Indizes.

Shortselling
Der Finanzdatendienstleister Markit erhebt Daten zu ausgeliehenen Titeln in Aktien aus DAX und MDAX (in Relation zur Anzahl an den insgesamt ausgegebenen Aktien eines Emittenten). Daraus lässt sich dann ein entsprechendes Short-Interesse in den Titeln interpretieren.

Man spricht in diesem Fall also von gedeckten Leerverkäufen. Bei dieser Art von Leerverkäufen verkauft der Shortie ein Wertpapier, welches er zum Verkaufszeitpunkt noch gar nicht besitzt. Er muss dem Käufer das Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist nachliefern. Um dieser Verpflichtung nachkommen zu können, leiht er sich das Wertpapier (in Höhe der verkauften Bestände) bei einem Dritten. Der Dritte wird vom Shortie hierfür eine Leihgebühr verlangen und der Shortie geht mit dem Leihgeschäft die Verpflichtung ein, die Aktien bis zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt an den Verleiher zurückzugeben.

Selbstverständlich können die verliehenen Wertpapiere auch einem anderen Zweck dienen. Dieser muss sich nicht zwingend auf ein Shortgeschäft beziehen. Die Daten von Markit, die auch in der Börsen-Zeitung veröffentlicht werden, dürfen somit nur als Indiz für mögliche Shortgeschäfte angesehen werden.

 

Name Short-Interesse
+/- Feb 16 ausgel. Titel
DAX  
   
Deutsche Lufthansa 16,5%
14% 77 Mio
Deutsche Bank 5,3%
110% 73 Mio.
Commerzbank 5,2%
5% 65 Mio.
adidas 3,8%
115% 8 Mio.
SAP 3%
8% 36 Mio.
Volkswagen Vz. 2,8%
-9% 6 Mio.
Infineon Technologies 2,2%
-36% 25 Mio.
RWE 2,2%
10% 13 Mio.
HeidelbergCement 2%
-1% 4 Mio.
Daimler 1,8%
24% 19 Mio.
   
   
MDAX  
   
K+S 19,9%
10% 38 Mio.
Bilfinger 13,8%
29% 6 Mio.
Fraport 8,3%
7% 8 Mio.
Ströer 8,2%
-9% 5 Mio.
alstria Office 5,8%
37% 9 Mio.
Deutsche Wohnen 5,2%
-4% 18 Mio.
METRO 5,2%
-4% 17 Mio.
Dürr 4,7%
-12% 2 Mio.
LEONI 4,6%
-10% 2 Mio.
HUGO BOSS 4,5%
-18% 3 Mio.

Quelle: Markit, Börsen-Zeitung
Stand: 30.9.2016

Redaktion AnlegerPlus