HAWBannerAnlegerplus03

21. Dezember 2016   Steuer

Jahresabschlussarbeiten

Clock

Eigentlich sind die Tage zwischen den Jahren auf der heimischen Couch gebucht und die Bücher sind geschlossen. Schließlich gilt es in aller Regel ein anstrengendes Jahr zu verdauen und sich auf ein Neues vorzubereiten. Doch im einen oder anderen Fall kann es sich lohnen, die Bücher nochmals zu öffnen und dadurch bares Geld zu sparen.

Beginnen wir mit einem eher unwahrscheinlichen Fall: Sie haben daheim oder in einem Schließfach noch Fondsanteile in Form effektiver Stücke, also gedruckt auf Papier, in der Schublade liegen. Dann wird es höchste Zeit, diese in das Wertpapierdepot einliefern zu lassen. Denn nur noch bis zum 31. Dezember 2016 sind diese speziellen Fondsanteile verkehrsfähig, danach werden sie von Gesetz wegen kraftlos erklärt. Wie die Einlieferung vonstattengeht, sollten Sie bei Ihrem Bankberater des Vertrauens oder der Depotbank erfragen.

Wenn die Hochzeitsglocken klingen …

Wenn Sie dem Finanzamt 2016 noch ein legales Schnippchen schlagen wollen, dann gibt es dafür ein paar Ansatzpunkte. Doch die Zeit drängt. Wenn Sie gerade keinen heiratswilligen Partner zur Hand haben, wird es schwer, den ersten Tipp noch in die Tat umzusetzen. Wobei, noch schwerer dürfte es sein, jetzt einen Standesbeamten zu finden, der Ihnen zwischen den Jahren auf die Schnelle einen Termin zur Unterschrift der Hochzeitsurkunde vergibt. Also lassen Sie sich Zeit bei der Partnerwahl und denken Sie im kommenden Jahr rechtzeitig an den Standesamttermin. Denn noch gibt es das Ehegattensplitting, auch wenn grüne Politiker heftig daran sägen. Und das verschafft Ihnen einen steuerlichen Vorteil, der umso höher ist, je unterschiedlicher das Einkommen der beiden Eheleute ausfällt. Um in den Genuss der gemeinsamen steuerlichen Veranlagung zu kommen, reicht es übrigens aus, wenn Sie nur einen Tag im Jahr verheiratet sind.

… und der Storch den Nachwuchs bringt
Aber auf den letzten Drücker muss man es ja nicht ankommen lassen. Schon gar, wenn vielleicht der Kinderwunsch im Raum steht. Da kann ein wenig mehr Netto vom Brutto nicht schaden. Noch wichtiger wird das mehr an Netto, wenn für den Nachwuchs Elternzeit genommen und Elterngeld beantragt werden soll. Für die Ermittlung des Elterngeldanspruchs zieht der Fiskus nämlich die letzten zwölf Monate heran und ermittelt daraus ein durchschnittliches Nettogehalt. Und für die Ermittlung des „Nettos“ wiederum setzt das Finanzamt die Steuerklasse an, die in diesen zwölf Monaten überwiegend auf der Lohnsteuerkarte eingetragen war. Da es bei verheirateten Partnern häufig so ist, dass der besserverdienende Teil die günstigere Steuerklasse III wählt und der Partner mit dem niedrigeren Einkommen die ungünstigere Steuerklasse V, kann ein Tausch – bitte nur der Steuerklassen … – lohnen und zwar dann, wenn der schlechter verdienende Partner Elternzeit und Elterngeld beantragt. Ihm verbleibt nach Besteuerung mit der günstigeren Steuerklasse III nun mehr Netto und das wirkt sich unmittelbar auf den Elterngeldanspruch aus. Wichtig aber: Die günstigere Steuerklassenkombination muss mindestens sieben Monate vor dem Beginn des Mutterschutzes beantragt worden sein.

Ans Alter denken
Wenn Ihnen der Nachwuchs schließlich sprichwörtlich nicht alle „Haare vom Kopf frisst“, bleibt vielleicht am Monatsende ein kleines Plus in der Familienkasse, das einer sinnvollen Zuführung sucht. Ein Riester-Rentenvertrag kann, allen Unkenrufen zum Trotz, ein solches sinnvolles Investment sein. Und wer bis zum 31.12. einen Riestervertrag abschließt und den maximalen Betrag einzahlt, der erhält für 2016 noch die damit verbundenen maximalen staatlichen Zulagen und Steuervorteile. Eingezahlt werden müssen dafür 4 % des Bruttoeinkommens. Der Betrag ist nach oben jedoch auf jährlich 2.100 Euro gedeckelt, soll heißen, nur bis zu diesem Betrag müssen Sie einzahlen, Sie können aber auch mehr, wenn Sie das möchten. Und diese 2.100 Euro sind sogar noch um die erhaltenen Zulagen zu kürzen, so dass der tatsächliche Einzahlungsbetrag noch geringer ausfallen kann. Für ein Kind zahlt der Fiskus 185 Euro zu bzw. 300 Euro je Kind, das ab 2008 das Licht der Welt erblickt(e). Dazu kommt die eigentliche Grundförderung von 154 Euro für den Riestervertrag. Und der Fiskus beteiligt sich u. U. sogar noch weiter an Ihrer Altersvorsorge: Denn wenn die Beiträge inkl. Zulagen (bis maximal 2.100 Euro) in der Steuererklärung schließlich als Sonderausgaben angesetzt werden, und sich daraus ein Vorteil ergibt, der die erhaltenen Zulagen übersteigt, dann überweist das Finanzamt Ihnen die Differenz auf Ihr Konto.

Den Spieß umdrehen
Beteiligen können Sie den Staat auch an Ihren Handwerkerrechnungen. Die Kosten für Reparaturarbeiten im Haushalt können Sie steuerlich geltend machen, zumindest was den Anteil der Reparaturkosten angeht, der auf Arbeitslohn und Fahrtkosten entfällt. 20 % dieser Kosten bis maximal 6.000 Euro können Sie von der Steuer absetzen, also maximal 1.200 Euro und auch nur dann, wenn Sie diesen Betrag nicht bar bezahlen sondern per Überweisung auf Rechnung. Auch für sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen, also beispielsweise für die Kinderbetreuung oder die Putzhilfe, gilt eine ähnliche Regelung. Hier dürfen Sie jährlich immerhin 20 % von bis zu 20.000 Euro, also maximal 4.000 Euro, von der Steuer absetzen.

Wenn Sie nun die Höchstgrenzen für dieses Jahr schon erreicht haben, Reparaturarbeiten zwischen den Jahren aber noch anstehen sollten, dann drehen Sie den Spieß doch einfach mal um und verschieben den Handwerkertermin auf das neue Jahr. Und wenn die Leistung schon erbracht und kürzlich in Rechnung gestellt ist, dann tun Sie es dem Handwerker gleich und lassen Sie sich etwas Zeit mit der Bezahlung, zumindest bis die Sektkorken das neue Jahr mit einem Knall eingeleitet haben.

Sollten Sie sich bei den Steuerspartipps nicht wiedergefunden haben, hilft Ihnen vielleicht weiter, wenn Sie Ihre Freibeträge durchforsten. Jeder Arbeitnehmer erhält automatisch Freibeträge, die er nicht beantragen muss. Doch es kann auch Sinn machen, sich zusätzliche Freibeträge für 2017 auf der Lohnsteuerkarte eintragen zu lassen. Die lohnen sich, wenn größere Aufwendungen anstehen, die steuerlich geltend gemacht werden können. 600 Euro pro Freibetrag müssen da i.d.R. zusammenkommen und später natürlich auch nachgewiesen werden im Rahmen des Lohnsteuerjahresausgleichs. Die Zeitschrift Finanztest hat in der aktuellen Januar-Ausgabe solche Freibeträge zusammengetragen .

Redaktion AnlegerPlus