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28. Oktober 2011   Börse

Kabel Deutschland weiter auf Wachstumskurs

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Die Kabel Deutschland Holding AG (ISIN DE000KD88880) befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Für das laufende Jahr wird erstmals ein positives Nettoergebnis erwartet und die Aktionäre können sich auf eine Dividende freuen. Ein paar Fragen hat uns hierzu auch der CFO Dr. Andreas Siemen beantwortet.

Im Geschäftsjahr 2010/11 steigerte der Kabelnetzbetreiber den Umsatz, getrieben vor allem von den neuen Diensten wie Internet, Telefon und Premium TV, um 6,5 % auf 1,6 Mrd. Euro. Das EBITDA erhöhte sich um 10,6 % auf 729 Mio. Euro und der operative Free Cashflow kletterte um 15,8 % auf 384 Mio. Euro. Unter dem Strich steht mit -45,3 (-40,1) Mio. Euro dennoch ein negatives Jahresergebnis. Darin enthalten sind allerdings Einmalaufwendungen von 49 Mio. Euro für die Refinanzierung der hohen Schuldenlast. Die durchschnittliche Laufzeit konnte so auf viereinhalb Jahre verlängert und die Zinskosten von zuvor 7,1 % auf 5,4 % signifikant reduziert und zu 50 % langfristig gesichert werden – der zusätzliche Aufwand wird sich also schnell auszahlen. Parallel wurden die Verbindlichkeiten weiter zurückgeführt. Der Verschuldungsgrad reduzierte sich vom 4,3-fachen auf das 3,8-fache EBITDA. S&P und Moody’s nahmen dies zum Anlass, das Rating heraufzustufen.

Erstes Quartal mit Nettogewinn
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 hat sich der positive Trend fortgesetzt. Der Umsatz stieg um 5,8 % auf 412 Mio. Euro und das bereinigte EBITDA um 9,8 % auf 193 Mio. Euro. Der operative Free Cashflow verbesserte sich nur leicht auf 116 (115) Mio. Euro, da saisonbedingt höhere Investitionen anfielen. Dies wird sich allerdings im weiteren Jahresverlauf egalisieren. Insofern bestätigte der Vorstandsvorsitzende Adrian von Hammerstein auf der Hauptversammlung in München die Prognose, wonach im Gesamtjahr ein Umsatzwachstum auf rund 1,7 Mrd. Euro, ein EBITDA nahe 800 Mio. Euro und ein positives Nettoergebnis erreicht werden sollen. Im ersten Quartal stand bereits ein kleiner Gewinn von 8,5 Mio. Euro zu Buche.

Dividende von mindestens 1,50 Euro angekündigt
Außerdem kündigte er an, der HV im kommenden Jahr eine Dividende von mindestens 1,50 Euro vorschlagen zu wollen. Auch wenn die erforderlichen 135 Mio. Euro nicht verdient werden, sieht dies der neue Finanzvorstand (CFO) Dr. Andreas Siemen als unproblematisch an. Auf jeden Fall ist wieder ein hoher operativer Free Cashflow zu erwarten, insofern bleibt die Substanz unangetastet. Um die Aktionäre schon heute am Erfolg teilhaben zu lassen, sollen bis Ende Januar 2012 zusätzlich eigene Aktien im Gesamtwert von 60 Mio. Euro erworben werden. Dies entspricht etwa 1,6 % des Grundkapitals. Anschließend sollen die Papiere eingezogen und das Grundkapital herabgesetzt werden. Bislang hat das Unternehmen Anteile im Wert von 20 Mio. Euro erworben.

Nach wie vor ein interessantes Investment
Es läuft also planmäßig bei der Kabel Deutschland Holding AG (KDG). Der Netzbetreiber profitiert vor allem von den langfristigen Kundenverträgen, die einen kontinuierlich hohen Mittelzufluss garantieren. Zusätzliches Potenzial erwächst aus neuen Angeboten wie dem Premium TV, dem Start der HD-Sender, dem digitalen Videorekorder und einem Video-on-Demand-Dienst. Zudem könnten sich Chancen aus der Branchenkonsolidierung ergeben. Die KDG will, wie der Vorstand auf Nachfrage des Vertreters der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. mitteilte, dabei eine aktive Rolle spielen. Die Aktie hat sich zwar ausgehend vom Emissionspreis von 22 Euro schon fast verdoppelt. Gerade darin zeigt sich jedoch die enorme Stärke, nachdem der Kurs auch in den letzten zwölf Monaten kräftig zugelegt hat, obwohl der Finanzinvestor Providence Equity komplett ausgestiegen ist. Die Dividendenankündigung und die Aktienrückkäufe werden den positiven Trend nun stabilisieren. Die KDG-Aktie ist weiterhin ein interessantes Investment.

Interview mit dem CFO der Kabel Deutschland Holding AG Dr. Andreas Siemen:

AnlegerPlus: Der Marktanteil an integrierten Konzernen, welche die mobile und stationäre Kommunikation anbieten, wird beständig größer. Zuletzt wurde Arcor von Vodafone übernommen und Telefonica Deutschland hat sich mit dem AOL und Hansenet Geschäft gestärkt. Wird Kabel Deutschland ohne eigene Infrastruktur für den mobilen Bereich im Zeitalter der Smartphones hier mit der Konkurrenz langfristig noch mithalten können?

Dr. Siemen: Unser Fokus liegt weiterhin auf dem Geschäft mit breitbandigen Festnetzanschlüssen. Wir wollen zwar das Geschäft mit Mobilfunk-Diensten weiter ausbauen, sehen das aber nicht als unser Kerngeschäft. Wir sind davon überzeugt, dass wir dies auch ohne eigenes Mobilfunknetz, sondern über langfristige Partnerschaften mit Mobilfunk-Anbietern erreichen können.

AnlegerPlus: Vier Mitglieder des Aufsichtsrats, die zu Providence Equity gehören, haben diesen mit Ausscheiden des Großaktionärs verlassen. Hierfür rücken vier neue Mitglieder nach. Zwei dieser neuen Mitglieder des Aufsichtsrates haben enge Verbindungen zur Schweizer Swisscom AG: Catherine Mühlemann sitzt bei der AG selbst im Verwaltungsrat und Paul Stodden ist Mitglied des Verwaltungsrates eines Tochterunternehmens der Swisscom IT Services AG. Kann es hier in Zukunft nicht zu einem Interessenskonflikt kommen?

Dr. Siemen: Nein, die Swisscom ist kein Wettbewerber von Kabel Deutschland. Wir operieren in unserem Verbreitungsgebiet in Deutschland, während die Swisscom in der Schweiz tätig ist. Wir schätzen vielmehr die Kompetenz, Erfahrung und Branchenkenntnis, die Frau Mühlemann und Herrn Stodden bei ihrer Arbeit im Aufsichtsrat von Kabel Deutschland einbringen werden.

AnlegerPlus: Der bisherige CFO Paul Thomason hat das Unternehmen überraschend verlassen. Welche Gründe stehen hinter seinem Abschied?

Dr. Siemen: Der Abschied kam für uns nicht überraschend. Paul Thomason hat sich nach über neun Jahren als Finanzvorstand von Kabel Deutschland aus persönlichen Gründen entschlossen, das Unternehmen zu verlassen. Er ist zwischenzeitlich in sein Heimatland USA zurückgekehrt, wo auch seine Familie lebt.  

AnlegerPlus: Nachdem Sie bereits in 2011 für 60 Mio. Euro Aktien zurückkaufen wollen bzw. bereits zurückgekauft haben, versprechen Sie den Aktionären für das Geschäftsjahr 2011/2012 eine Dividende von mindestens 1,50 Euro je Aktie. Warum reduziert Kabel Deutschland nicht zunächst die immer noch hohe Finanzverschuldung?

Dr. Siemen: Ziel des angekündigten Aktienrückkaufs ist, die Aktionäre von Kabel Deutschland für ihre Investition in das Unternehmen zu vergüten. Damit wollen wir das Versprechen an den Kapitalmarkt einlösen, dass erwirtschaftete Geldüberschüsse an die Eigentümer des Unternehmens, die Aktionäre, zurückfließen. Wir haben nach der erfolgreichen Neustrukturierung unserer Finanzverbindlichkeiten im Frühjahr/Sommer 2011 derzeit ausreichend Spielraum für eine solche Maßnahme. Unseren angestrebten Verschuldungsgrad, der zwischen dem 3,0- und 3,5-fachen der Netto-Finanzverbindlichkeiten zum EBITDA liegen soll, erreichen wir trotz des Aktienrückkaufs bis Ende des laufenden Geschäftsjahres.

AnlegerPlus: In dem für die Dividendenzahlung relevantem Einzelabschluss der Gesellschaft weisen Sie aktuell noch einen Bilanzverlust von über 86 Mio. Euro aus. Das heißt, Sie werden die Dividende aus der „Substanz“ ausschütten müssen, also die Dividende aus der Kapitalrücklage zahlen. Ist diese denn dann für den Privatanleger in Deutschland auch steuerfrei?

Dr. Siemen: Die bilanziellen Voraussetzungen für eine Dividende von mindestens 1,50 Euro sind gegeben. Dazu wäre ein Jahresüberschuss in der AG von mindestens 135 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2011/2012 nötig, sollte zugunsten der Dividende nicht auf die Gewinnrücklage zurückgegriffen werden. Das Eigenkapitalkonto, aus dem die Dividendenausschüttung erfolgen soll, ist nicht steuerlich begünstigt.

AnlegerPlus: Erwarten Sie, die Dividende aus den laufenden Cashflow finanzieren zu können, oder müssen für die Auszahlung der Dividende neue Finanzverbindlichkeiten aufgenommen werden?

Dr. Siemen: Das Geschäftsmodell von Kabel Deutschland zeichnet sich durch hohe Barmittel-Zuflüsse aus. Daher ist geplant, die Dividende aus dem laufenden positiven Cashflow auszuschütten.

AnlegerPlus: Planen Sie auch in den nächsten Jahren die Zahlung einer Dividende, und falls ja, an welchen Finanzkennziffern wird sich die Höhe dieser orientieren?

Dr. Siemen: Kabel Deutschland strebt an, ihre Anleger auch in den Folgejahren am geplanten Unternehmenswachstum teilhaben zu lassen, sofern sich keine Investitionsmöglichkeiten ergeben. Dies kann über Dividenden und Aktienrückkäufe erfolgen. Die maßgeblichen Kenngrößen werden dafür der verfügbare, freie Cashflow und der zu diesem Zeitpunkt erreichte Verschuldungsgrad sein. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Details nennen können.

Redaktion AnlegerPlus



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