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25. Oktober 2016   Interview

„Kurzfristige Schwächephasen für Zukäufe nutzen“

GoldInterview

Der Goldpreis hat ein fulminantes Comeback hingelegt. Ist es jetzt schon zu spät, in das Edelmetall oder in Minenaktien zu investieren? „Nein, wir sind erst am Anfang des Bullenmarktes“, sagt Experte Ronald-Peter Stöferle im Interview mit AnlegerPlus. Bis Juni 2018 hält er einen Goldpreis von 2.300 US-Dollar für realistisch.

Dieses Interview erscheint im Rahmen des Titelthemas Edelmetalle in der kommenden Ausgabe von AnlegerPlus 10/2016 (Erscheinungstag 5.11.). Im Rahmen dieses Titelthemas beschreiben wir Edelmetallinvestments ganz allgemein und nennen konkrete Investmentmöglichkeiten. Letztere werden von uns hinsichtlich ihrer rechtlichen und praktischen Ausgestaltung näher beleuchtet. Ein Beitrag speziell zum Silbermarkt rundet das Titelthema ab.

AnlegerPlus: Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis um rund 20 % zugelegt. Zuletzt war die Luft aber etwas raus, das Jahreshoch von 1.366 US-Dollar ist außer Reichweite geraten. Wie geht es weiter?
Ronald-Peter Stöferle: Insgesamt bin ich sehr gelassen, weil der langfristige Abwärtstrend gebrochen ist und wir uns wieder am Anfang eines Bullenmarktes befinden. Das kann man sehr schön mit der sogenannten Dow-Theorie erklären. Bis zum Herbst 2015 waren wir in einer Akkumulationsphase, die sich durch schlechte Stimmung und negative Analysteneinschätzungen auszeichnet. In dieser Phase sind renommierte Investoren wie Carl Icahn oder George Soros antizyklisch, also gegen den Trend, wieder bei Gold und Minenaktien eingestiegen.

 „Ich glaube, wir sind am Beginn einer Party, die länger andauern könnte.“

Und Anleger, die weiterhin auf fallende Preise eingestellt waren, wurden auf dem falschen Fuß erwischt und mussten ihre Position korrigieren.
Genau, dadurch ist der Goldpreis gestiegen, ein klassischer „short squeeze“. Jetzt befinden wir uns am Anfang von Phase zwei, nämlich der öffentlichen Beteiligung. Die Kursziele werden moderat nach oben angepasst, die Stimmung hellt sich auf und Anleger sowie Vermögensverwalter folgen dem Trend. Ich glaube, wir sind am Beginn einer Party, die länger andauern könnte. Kurzfristige Schwächephasen sind zwar möglich, sollten aber für Zukäufe genutzt werden.

Was trauen Sie dem Goldpreis zu?
Unser Ziel sind 2.300 US-Dollar bis Juni 2018. Das klingt sehr optimistisch, entspricht aber dem inflationsbereinigten Allzeithoch von 1980.

Das bedeutet, Gold hat langfristig einen stabilen Wert?
Ja, vereinfacht gesagt ist das korrekt. Unsere Studien zeigen, dass sich Gold langfristig deutlich besser entwickelt als Papiergeldwährungen wie US-Dollar oder Euro. Gold wertet dabei nicht auf, sondern die Währungen ab.

Zurück zur Dow-Theorie: Woran erkennen Anleger, dass die Goldparty wieder vorbei ist?
Wenn sich extremer Optimismus breitmacht und die Kursziele durch die Decke gehen – dann nämlich steigen die antizyklisch orientierten Investoren wieder aus.

Bleibt Gold in einem Finanzsystem, das von einer extremen Geldschwemme beherrscht wird, die wichtigste Absicherung gegen mögliche Krisen?
Definitiv! Entscheidend ist, dass das Vertrauen in das Finanzsystem sukzessive bröckelt. Der angekündigte Zinserhöhungszyklus in den USA ist eine Mär und die Menschen merken langsam, dass die wahnwitzigen geldpolitischen Experimente nicht wirken. Dennoch versuchen die Notenbanker, die Dosis zu erhöhen. Die weltweiten Schulden belaufen sich mittlerweile auf 225 Prozent der Wirtschaftsleistung. Und je höher die Verschuldung, desto größer ist der Wunsch nach Inflation. Es gibt viele Faktoren, die für Gold sprechen.

Ist es ein Kompliment oder eine Abwertung, wenn man von Gold als Krisenwährung spricht?Weder das eine, noch das andere. Für mich ist es eine Tatsache, weil sich Gold über viele Jahre als gutes und stabiles Geld erwiesen hat. Man sollte Gold aber nicht darauf reduzieren. Wir vergessen manchmal, dass die Nachfrage nach physischem Gold zu zwei Dritteln aus Asien und den arabischen Ländern kommt. Der steigende Wohlstand kurbelt den Goldkonsum an – das ist aus fundamentaler Sicht eine sehr positive Entwicklung. Leider wird Gold trotzdem als Anlage für chronische Pessimisten und Untergangspropheten wahrgenommen.

„Wer in Goldminen investiert, braucht sehr starke Nerven.“

Anleger, die auf Goldminenbetreiber gesetzt haben, sind derzeit die größten Gewinner. Welchem Anlegertyp raten Sie zu Minen?
Man braucht auf jeden Fall sehr starke Nerven, weil der große Hebel gegenüber dem Goldpreis auch andersherum wirken kann. Einige Minen hatten seit 2011 über 80 Prozent an Wert verloren, das darf man nicht vergessen. Auf dem derzeitigen Niveau sind Minenaktien sehr attraktiv, wenn man von einem steigenden Goldpreis ausgeht. Vor allem deshalb, weil sich die Industrie in den vergangenen Jahren mit Kostensenkungsprogrammen und Abschreibungen von defizitären Projekten besser aufgestellt hat.

Bei den Branchenriesen Barrick Gold und Newmont Mining haben sich die Kurse mehr als verdoppelt. Gibt es unter den kleinen, weniger bekannten Minenaktien noch Titel, die Sie auf Ihrer Empfehlungsliste haben?
Uns gefallen beispielsweise Torex Gold, Wesdome Gold Mines und Falco Resources sehr gut – allesamt sehr gut geführte Unternehmen. Anleger sollten aber bedenken: Das Risikoprofil der kleinen Werte ist deutlich höher als das der Branchenführer. Defensive Anleger sollten im Zweifel lieber auf Fonds setzen.

Zur Person
Ronald-Peter Stöferle, 36, hat Betriebswirtschaft und Finanzen studiert und seine berufliche Laufbahn bei der Erste Bank Group in Wien begonnen. Schon früh fokussierte er sich auf die Rohstoffmärkte und wurde durch seine „In GOLD we TRUST“-Studien bekannt. Heute ist er Managing Partner und Investment Manager der Incrementum AG, wo er unter anderem den Incrementum Permanent Fund und den Austrian Economics Golden Opportunities Fund verwaltet.

 

Interview: Sven Köpsel