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23. Juli 2012   Recht

Lichtblick

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Mit dem Graumarktgesetz wird der Graue Kapitalmarkt für Anleger ein bisschen heller. Die Anbieter müssen ab sofort mehr Informationen zu ihren Produkten liefern.

Das Vermögensanlagengesetz, besser bekannt als Graumarktgesetz, ist seit dem 1.6.2012 in Kraft und stärkt die Rechte der Verbraucher gegenüber Anbietern und Vertriebstellen von Graumarktprodukten. Der Name kommt von der Bezeichnung Grauer Kapitalmarkt: Dieser Teil der Finanzmärkte liegt zwischen dem durch eine Behörde regulierten Weißen Kapitalmarkt und dem Schwarzen Kapitalmarkt, der erlaubnispflichtige Geschäfte ohne Genehmigung betreibt. Der Graue Kapitalmarkt ist demnach ein unregulierter, aber noch nicht illegaler Teil des Finanzmarkts. Die Graumarktprodukte sind daher bisher kaum beaufsichtigte Vermögensanlagen wie zum Beispiel Beteiligungen an geschlossenen Immobilien- oder Schifffonds, oft in Form einer Kommanditgesellschaft.

Mehr Transparenz

Die Anbieter von Graumarktprodukten müssen nun auch einen sogenannten Beipackzettel erstellen. Auf bis zu drei DinA4-Seiten erläutern die Anbieter Chancen und Risiken ihrer Vermögensanlage. Im regulierten Markt ist ein Beipackzettel generell Pflicht. Zusätzlich können die Anleger nun von Anbietern auf dem Grauen Kapitalmarkt einen Verkaufsprospekt verlangen, der vorher von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf Vollständigkeit, Kohärenz und Widerspruchsfreiheit geprüft wurde. Damit will der Gesetzgeber garantieren, dass der Prospekt alle Angaben enthält, die für eine Beurteilung des Emittenten und der Vermögensanlage notwendig sind. Dazu gehören zum Beispiel auch Informationen zur Zuverlässigkeit des Anbieters.

Des Weiteren hat der Gesetzgeber die Verjährungsfrist bei Prospekthaftung verlängert. Haftungsansprüche wegen eines fehlerhaften oder fehlenden Prospekts konnten bislang schon nach einem Jahr verjähren. Das Graumarktgesetz gibt nun eine einheitliche Frist von drei Jahren vor. Zusätzlich erleichtert das Gesetz die Voraussetzungen für eine Haftung, was den Anlegerschutz vereinfacht und steigert. Außerdem sind die Anbieter von Vermögensanlagen ab sofort verpflichtet, einen testierten Jahresabschluss zu erstellen – unabhängig von ihrer Größe.

Ab dem 1.1.2013 treten dann noch Neuerungen für Finanzanlagenvermittler in Kraft. Diese betreffen Zulassungserfordernis, Sachkundeprüfung, Pflicht zur Berufshaftpflichtversicherung und Registrierung in einem öffentlichen Register der Vermittler. Darüber berichten wir ausführlicher in der kommenden Ausgabe 7 von AnlegerPlus.

Stephanie Wente, Redaktion AnlegerPlus