4. Juli 2017   Börse

Mit Limitaufträgen Gewinne absichern

Limits 2

Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen lautet eine der vielen Börsenweisheiten. Und nicht nur an der Börse gilt: Im Einkauf liegt der Gewinn. Die Handelssysteme der Depotbanken und Broker bieten zur Umsetzung dieser Weisheiten einige Hilfsmittel, die Anleger kennen sollten. AnlegerPlus erklärt die wichtigsten und am häufigsten angewendeten Ordertypen.

Wenn Privatanleger ihre Börsenorder in der Transaktionsmaske ihrer Depotbank ohne Limitbegrenzung einstellen, werden die Wertpapiere an der ausgewählten Börse immer „billigst“ gekauft oder „bestens“ verkauft. Das bedeutet, dass die Order zum nächsten gültigen Kurs ausgeführt wird. Und zwar ganz egal, wo dieser liegt und ob er dem Käufer bzw. Verkäufer „passt“. Der Privatanleger ist in diesem Fall bereit, jeden Transaktionskurs zu akzeptieren.

Natürlich geht der Anleger davon aus, dass dieser Preis nahe am letzten festgestellten Kurs liegt, der ja schließlich ausschlaggebend für die Investmententscheidung war. Und bei sehr liquiden Aktien beispielsweise aus dem DAX, MDAX, SDAX oder TexDAX sollte dies auch so sein. Meistens liegen die Transaktionskurse bei diesen Werten in der Nähe der letzten Echtzeit-Kurse, sofern zwischen Ordererteilung und der letzten Kursfeststellung nicht unvorhergesehene Dinge passieren. Eine unlimitierte Order ist also immer dann sinnvoll, wenn der Anleger ein Wertpapier schnell verkaufen oder kaufen möchte und das Handelsvolumen in der Aktie groß ist. Ist das Handelsvolumen dagegen gering (man spricht häufig auch von marktengen Werten), sollten Anleger immer nur mit Limits agieren. Limit-Orders gibt es allerdings viele, wir stellen einige davon vor.

Limits setzen
Die wohl bekannteste Börsenorder ist das „einfache“ Limit. Der Anleger gibt für seine Transaktion einen festen Wert an, zu dem der Kauf höchstens erfolgen bzw. der Verkauf mindestens durchgeführt werden soll. Bewegen sich die Kurse über dem Kauflimit oder unter dem Verkaufslimit kommt es zu keiner Ausführung der Order. Fällt der Kurs unter das Kauflimit, wird der Kaufauftrag zum nächsten festgestellten Kurs ausgeführt, dieser kann durchaus deutlich unter dem eigentlichen Kauflimit liegen. Analog beim Verkauf: Erst wenn das Verkaufslimit erreicht ist, wird der Verkauf des Wertpapiers getätigt. Idealerweise liegt der nächste Verkaufspreis dann über dem Verkaufslimit. 

Eine spezielle Form des Kauflimits stellt die „Start-Buy-Order“ (auch Stop-Buy-Order) dar. Diese kann immer dann sinnvoll sein, wenn der Anleger die Aktie erst bei einer Kurserholung kaufen möchte oder wenn der Kurs eine bestimmte technische Hürde genommen hat, die neue Käufer anzieht. Der Anleger gibt also in diesem Fall ein Kauflimit an, das über dem aktuellen Kurs liegt. Wird das Limit erreicht, wandelt sich der Kaufauftrag in eine unlimitierte Order um und der Auftrag wird zum nächst möglichen Kurs ausgeführt, der über oder unter dem Start-Buy-Limit liegen kann.

Ein Beispiel: Angenommen die Aktie X steht vor einem technischen Widerstand bei 15,20 Euro. Aktuell notiert die Aktie bei 15 Euro. Der Anleger setzt daher ein Start-Buy-Limit bei 15,20 Euro. Es kommt tatsächlich so, der Kurs durchbricht den Widerstand, das Limit wird ausgelöst. Der nächste Kurs liegt schon bei 15,25 Euro. Zu dem wird der Kaufauftrag des Anlegers dann ausgeführt.

Kursgewinne realisieren mit Stop Loss
Ein der auf der Verkaufsseite wohl am häufigsten eingesetzten Limit-Order-Typen ist der sogenannte „Stop-Loss-Auftrag“ (SL). Mit diesem Limit lassen sich Kursverluste begrenzen oder Kursgewinne realisieren. In unserer Nebenwerterubrik, die wir regelmäßig in der Zeitschrift AnlegerPlus oder unserem Onlinemagazin AnlegerPlus News veröffentlichen, arbeiten wir ganz konsequent mit diesem Limit-Typ.

Angenommen der Anleger investiert neu in eine Aktie zum Kurs von 100 Euro. Seine Anlagestrategie ist es, Verluste konsequent zu begrenzen. Als Verlustgrenze hat er sich 20 % unter dem Einstandswert gesetzt. Folglich setzt er für seine Neuerwerbung einen SL bei 80 Euro. Fällt die Aktie im Lauf der Zeit tatsächlich unter die 80 Euro, wird der SL ausgelöst und die Aktie unlimitiert verkauft. Das kann im ungünstigsten Fall dazu führen, dass der Verkauf sogar noch deutlich unter der SL-Marke über die Bühne geht, beispielsweise weil eine Gewinnwarnung den Kurs nach unten zieht und viele Anleger versuchen, die Aktie zu verkaufen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den Anleger häufig nicht auf der Rechnung haben: SL bedeutet NICHT, dass die Aktie genau zum SL verkauft wird, sondern zum nächsten Kurs, der nach dem SL aufgerufen wird. Dieser Wert kann über dem SL liegen, aber auch darunter!

Nun gut, dass war die weniger schöne Einsatzoption für den SL. Sehen wir es mal positiver. Die oben erwähnte Aktie steigt im Laufe der Zeit auf 200 Euro. Der Anleger hat seinen Einsatz verdoppelt. Um seinen Gewinn abzusichern ohne gleichzeitig auf einen weiteren Kursanstieg verzichten zu müssen, setzt er einen SL. Er analysiert die Kursentwicklung und sieht, dass die Aktie trotz Kursanstieg recht volatil war und auf Kurssteigerungen immer wieder mit Konsolidierungsphasen antwortete, die durchaus im einen oder anderen Fall zwischenzeitlich 15 % Kursverluste bedeuten konnten. Er setzt also den SL 20 % unter dem aktuellen Kurs bei 160 Euro. Fällt der Kurs darunter, wird die Aktie zum nächsten Kurs – immer noch mit Gewinn – verkauft, bleibt der Kurs über der Schwelle partizipiert der Anleger an weiteren Kursgewinnen, sollte die Aktie über die 200 Euro hinaus steigen.

Limits anpassen
Angenommen der Kurs steigt tatsächlich auf beispielsweise 250 Euro. Der Anleger sollte nun sein SL ebenfalls entsprechend anpassen und nach oben setzen. Das kann er entweder manuell machen, indem er den alten SL-Auftrag löscht und einen neuen Auftrag eingibt (in der Ordermaske kann auch immer angegeben werden, wie lange ein Limitauftrag gültig sein soll). Oder aber der Anleger setzt einen sogenannten dynamischen Stop Loss, auch Trailing Stop genannt. Jetzt wird es etwas komplizierter, das spätere Beispiel sollte es aber anschaulich erklären.

Beim dynamischen Stop Loss wird der SL bei steigenden Kursen automatisch nach oben nachgezogen. Dabei bleibt der absolute Abstand (oder idealerweise der relative Abstand, wenn die Ordermaske der Depotbank diese Optionen zulässt) zwischen dem SL und dem Kurs bei der Erteilung der Limitorder immer gleich. Fällt zu irgendeinem Zeitpunkt der Aktienkurs unter diesen Abstand wird der SL in einen unlimitierten Verkaufsauftrag umgewandelt. Was das heißt, haben wir weiter oben schon des Öfteren kennengelernt.

Aber nun zur besseren Veranschaulichung ein Beispiel. Bleiben wir bei unserer erfolgreichen Aktie von eben. Die Aktie steht bei 200 Euro und statt eines SL setzt der Anleger einen dynamischen SL bei 160 Euro. Der absolute Abstand beträgt also 40 Euro. Steigt die Aktie nun auf 250 Euro wird der dynamische SL automatisch auf 210 Euro nachgezogen (ACHTUNG: das gilt nur, wenn der SL-Auftrag noch gültig ist. Anleger sollten daher regelmäßig prüfen, bis wann die erteilten Limitaufträge Gültigkeit besitzen!). Fällt die Aktie danach auf 230 Euro bleibt der SL bei 210 Euro. Fällt die Aktie auf 210 Euro oder darunter, wird die Aktie unlimitiert, bestens verkauft. Erreicht die Aktie stattdessen aber ein neues Hoch über 250 Euro, wird der dynamische SL wieder nach oben angepasst.

Vorsicht bei Teilausführungen
Wie bei unlimitierten Aufträgen kann es auch bei Limitaufträgen im Falle des Kaufs oder Verkaufs zu Teilausführungen kommen. Besonders groß ist die Wahrscheinlichkeit beim börslichen Handelsplatz Xetra der Frankfurter Wertpapierbörse.  „Das ist jedoch manchmal mit höheren Kosten verbunden“, warnt Thomas Portig, Portfoliomanager der Vermögensverwaltung Sand und Schott. Und zwar immer dann, wenn die Depotbank dem Anleger die Transaktionskosten für jeden Teilauftrag in Rechnung stellt. Auch Orderzusätze wie "Fill or Kill" (FOK) oder „Immediate or Cancel“ (IOC) bieten keine Garantie für die Abwicklung des Auftrags in einer einzigen Transaktion. Wer für Teilausführungen zu viele Gebühren zahlt, kann nur zu einem Broker mit besseren Konditionen wechseln. Oder er wählt einen anderen Börsenplatz. Denn im Handel der Regionalbörsen sind Teilausführungen oft weniger wahrscheinlich als auf Xetra.

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus