29. März 2017   Börse

Neue Chancen in den Emerging Markets

Unbenannt

Eine alte Börsenweisheit lautet: „Es gibt immer einen Bullenmarkt. Sie müssen ihn nur finden“. Auch heute hat dieser alte Börsenspruch noch seine Gültigkeit: Während sich der DAX vor allem im vergangenen Jahr dahin quälte, läuft in den Emerging Markets schon seit über einem Jahr eine gewaltige Rally. Ein Emerging Market verfügt jedoch noch über Nachholpotenzial.

Kürzlich ist der MSCI Emerging Markets Index, der Leitindex für die Börsen der Schwellenländer, auf ein neues 20-Monats-Hoch gestiegen. Seit Anfang 2016 liegt der Kursindex mit rund 22 % im Plus und auch im laufenden Jahr haben die Emerging Markets den besten Jahresstart der großen Anlageregionen erwischt. Der MSCI EM Index stieg 2017 bereits um über 9 %. Der DAX-Kursindex kommt in diesem Beobachtungszeitraum nur auf ein Plus von 4 %, der Performance-DAX gerade mal auf +4,5 %.

Die besten Emerging Markets 2017 sind bisher Argentinien (+30 %), Kasachstan (+28 %) und Bahrain (+22 %). Zugegeben, das sind ultra-spekulative Schwellenländer der dritten und sogar vierten Reihe, die für nachhaltige Investments keine Option sind. Aber es gibt einen Emerging Market, der durchaus auch für konservative Anleger geeignet ist und sogar Nachholpotenzial bietet: Südkorea.

Der südkoreanische Aktienmarkt hat mit einem bisherigen Jahresgewinn von etwa 6 % den MSCI EM Index deutlich underperformt. Schon 2016 hinkte Südkorea der Börsenrally der Emerging Markets hinterher: Während der südkoreanische Index Kospi 200 (für die 200 größten südkoreanischen Aktien, ISIN KRD020020008) nur um rund 4 % stieg, konnte der der MSCI EM Index eine positive Performance von ca. 9 % aufweisen.

Hochentwickelter Emerging Market
Damit bietet der südkoreanische Aktienmarkt noch Nachholpotenzial. Um die Chancen der viertgrößten asiatischen Volkswirtschaft (Nr. 11 weltweit) und der dortigen Börse 2017 ausmachen zu können, muss man zunächst auf die Gründe der Underperformance des südkoreanischen Aktienmarktes im letzten Jahr zurückblicken. Wie so oft an der Börse finden sich Indizien über die künftige Entwicklung nämlich in der Vergangenheit. So auch bei Südkorea, dessen Politik, Wirtschaft und damit auch die dortige Börse 2016 gleich von vier maßgeblichen Faktoren beeinflusst wurde:

1. In dem eigentlich politisch stabilen und friedfertigen Land kam es im vergangenen Jahr zu Massenprotesten gegen die amtierende Präsidentin Park Geun-hye. Hintergrund war ein gewaltiger Korruptionsskandal, der das Vertrauen in Südkoreas Politiker tief erschütterte. Die Folgen dieses Skandals wirken bis heute fort.

2. Für Börsianer noch problematischer war, dass Samsung – mit Abstand das größte und wichtigste Unternehmen in Südkorea – 2016 einen unternehmerischen Super-GAU erlebte. Nach Berichten über explodierende Batterien musste Samsung das als neues Flaggschiff-Produkt vorgesehene Galaxy Note 7 im Oktober komplett vom Markt nehmen. Das Ergebnis: Ein Verlust von fünf Mrd. US-Dollar!

3. Gleichzeitig wurde das asiatische Exportland von einer deutlichen Aufwertung der heimischen Währung Won und den wirtschaftlichen Problemen in China belastet. China ist der größte Absatzmarkt für südkoreanische Produkte, die Folgen für den  Exportsektor waren gravierend. Zahlreiche führende Exportkonzerne senkten im Jahresverlauf 2016 ihre Geschäftsprognosen deutlich. Diese Schocks ließen viele internationale Anleger in andere Emerging Markets ausweichen. 

4. Und dann wäre da noch das Damoklesschwert des unberechenbaren Nachbarn Nordkorea mit dem Diktator Kim Jong-un, das nicht nur über der dortigen Region schwebt. 2016 testete Nordkorea seine erste Wasserstoffbombe erfolgreich und vor wenigen Wochen drohte man den USA mit einem Atomkrieg.

Einer der günstigsten Aktienmärkte in Asien
Kein Wunder also, dass einige internationale Anleger 2016 eher einen Bogen um Südkorea machten. Das eröffnet nun Chancen. Denn trotz der Gewinnrückgänge der großen börsennotierten südkoreanischen Konzerne führte die Underperformance 2016 dazu, dass der südkoreanische Kospi-Index heute neben dem HSCEI-Index in Hongkong (für chinesische H-Aktien) bewertungstechnisch der günstigste Markt in Asien ist!

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Kospi beträgt aktuell gerade mal 12. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) liegt bei 1,0. Diese Werte liegen deutlich unter den Bewertungen des MSCI EM Index. Dessen KGV notiert bei 14 und das KBV bei 1,6. Der amerikanische S&P 500 Index kommt sogar auf ein KGV von 18.

Dabei sind die volkswirtschaftlichen Perspektiven für Südkorea deutlich stabiler als in vielen anderen Emerging Markets. Für 2017 wird mit einem BIP-Wachstum von 2,5 % gerechnet, das sich 2018 auf 2,6 % erhöhen soll. Die erwartete Inflationsrate beträgt niedrige 1,7 %. Zudem wurde die Amtsenthebung der nun ehemaligen Präsidentin Park vom südkoreanischen Verfassungsgericht endgültig bestätigt. Neuwahlen sollen am 9. Mai stattfinden. Damit ist ein großer Bremsklotz aus dem Weg geräumt worden.

Die Börse reagierte auf diese Nachrichten schon dementsprechend positiv. Denn am südkoreanischen Aktienmarkt sind inzwischen sowohl die politischen Unsicherheiten als auch die volkswirtschaftlichen Probleme der Exportunternehmen (und vor allem die Probleme von Samsung) eingepreist. Investoren finden in Südkorea, einem der höchstentwickelten Emerging Markets, einen noch günstig bewerteten Aktienmarkt in einem wirtschaftlich stabilen Land mit guten Wachstumsaussichten vor, in dem die Stimmung langsam wieder ins Positive dreht.

ETF-Auswahl

ETF ISIN Volumen TER p. a. Typ
db x-trackers MSCI Korea LU0292100046 140 Mio. € 0,65 p/th

HSBC MSCI Korea

DE000A1JXC60

12 Mio. € 0,60 p/a

Lyxor MSCI Korea

FR0010361691 78 Mio. € 0,65 s/th

Erläuterung: TER = Gesamtkostenquote │ p = physische, s = synthetisch │ th = thesaurierend, a = ausschüttend
Quellen: boerse-frankfurt.de / finanztreff.de

Daniel Wilhelmi, Finanzjournalist für Emerging Markets