22. Februar 2017   Börse

Niedrigen Zinsen und Inflation ein Schnippchen schlagen

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Sparer haben es nicht leicht. Im Januar stieg die Inflation in Deutschland auf 1,9 % – der höchste Wert seit dreieinhalb Jahren. Da es auf dem Sparbuch fast keine Zinsen mehr gibt, verliert das Geld dort real sogar an Wert. Welche Alternativen gibt es, einen Betrag von 20.000 Euro auf längere Sicht relativ sicher anzulegen und dabei trotzdem eine ordentliche Rendite zu erzielen?

20.000 Euro anlegen, aber wie? Ein Viertel des Betrags, also 5.000 Euro, könnte man z. B. auf einem Tages- oder Festgeldkonto parken. Mal unterstellt, dass im Pleitefall der Bank die Einlagensicherung greift (brancheneigene wie gesetzliche), ist diese Anlageform risikolos. Nominal (also ohne Einrechnung der Inflation) bleibt das Geld erhalten bzw. erhält man je nach Regelung beispielsweise vierteljährlich oder einmal pro Jahr die Zinsen auf den Sparbetrag gutgeschrieben. Man geht also, anders als bei Aktien oder Investmentfonds, kein Kursrisiko ein.

Festgeld: Kurze Fristen wählen
Das Tagesgeldkonto bietet gegenüber anderen Anlageformen noch einen weiteren Vorteil: Man kann im Bedarfsfall jederzeit auf das Geld zugreifen, zum Beispiel wenn unvorhergesehene Reparaturen die Haushaltskasse belasten. Bei der Consorsbank bekommen Neukunden derzeit auf das Tagesgeld noch 1,0 % Zinsen pro Jahr. Die Zinsgarantie gilt aber nur für sechs Monate. Wer flexibel genug ist und den bürokratischen Aufwand nicht scheut, kann sich durch Tagesgeld Hopping, also dem Wechsel der Bank, immer die besten Konditionen sichern.

Früher war es so, dass Festgeld eine höhere Verzinsung abgeworfen hat als Tagesgeld. Die Differenz war praktisch die Entlohnung dafür, dass man der Bank das Geld vertraglich vereinbart über einen längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt hat. Im Moment gibt es diesen Aufschlag aber nicht. Weil die Banken über die Zentralbank an billiges Geld kommen, sind sie nicht auf Spareinlagen der Bankkunden angewiesen. Die Folge, die besten Festgeldangebote mit einjähriger Bindung bewegen sich im Bereich der Tagesgeldverzinsung. Im Sinne der Flexibilität ist daher das Tagesgeld derzeit die erste Wahl.

Doch mit steigenden Zinsen kann sich das Blatt wieder wenden. Dann können sich Sparer auch wieder die Festgeldkonditionen näher ansehen. Gerade wenn das Zinsniveau im Steigen begriffen ist, sollte man aber keine Festgeldverträge mit zu langen Laufzeiten abschließen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass einem die Zinsen regelrecht davonlaufen. Egal ob Festgeld oder Tagesgeld, man sollte darauf achten, dass man das Ersparte nur in Ländern anlegt, in denen die europäische Einlagensicherung greift (100.000 Euro pro Kunde und Bank).

Vor allem ausländische Banken locken gegenüber vergleichbaren Angeboten immer wieder mit einer attraktiven Verzinsung. Doch geht das Land oder die Bank pleite bzw. wird unter ein Moratorium gestellt, wie beispielsweise die Isländische Kaupthing Bank im Jahr 2008, dann wird es problematisch. Aus dieser und ähnlichen Erfahrungen heraus rät die Redaktion von AnlegerPlus sicherheitsorientierten Anlegern, ihr Geld grundsätzlich nur bei Banken anzulegen, die hinsichtlich der gesetzlichen Einlagensicherung deutschem Recht unterliegen.

Über die Internetseite biallo.de können sich Sparer einen ausführlichen Überblick über die unterschiedlichen Tagesgeld- und Festgeldangebote verschaffen und diese miteinander vergleichen. Zudem ist dort immer auch ersichtlich, welcher Einlagensicherung ein Angebot zuzuordnen ist.

Offene Immobilienfonds: Streuung sinnvoll
Eine höhere Rendite erzielen oftmals Investmentfonds. Weil deren Kurse schwanken, können zwischenzeitlich allerdings auch Verluste anfallen. Wer langfristig investiert, kann diese aussitzen. Wer aber im Bedarfsfall auf das Geld angewiesen ist und den Fonds verkaufen muss, geht das Risiko ein, dass diese Verluste auch realisiert werden.

Als relativ sichere Geldanlege (siehe hierzu die Ausführungen weiter unten zur Schließung von offenen Immofonds) sind offene Immobilienfonds einzustufen, weshalb Anleger dort ebenfalls 5.000 Euro einzahlen können. Diese Fonds sammeln das Geld vieler Anleger und erwerben damit Immobilien: Wohnungen, Bürohäuser oder Läden. Erträge erzielen sie durch Mieteinnahmen und monetisierten Wertsteigerungen beim Verkauf. Vorteil: Schon mit einem kleinen Fondsanteil können Anleger so eine Streuung über verschiedene Objekte, Nutzungsarten und Standorte erreichen. Zwar ist die Rendite offener Immobilienfonds mit durchschnittlich 3 % pro Jahr nicht so hoch, dafür fallen aber die Kursschwankungen eher moderat aus.

Allerdings ist das Interesse an Immobilienfonds zuletzt so stark gestiegen, dass einige Fonds keine neuen Gelder mehr annehmen. Die Alternative: Immobilien ETFs, wobei diese eigentlich nicht mit offenen Immobilienfonds vergleichbar sind, sondern eher ein aktienähnliches Risikos aufweisen. Wem das bewusst ist, findet im  Lyxor ETF FTSE E/N Global Developed (ISIN FR0010833574) einen global anlegenden Index-Immobilienfonds. Vorwiegend in Europa investiert der db X-Trackers FTSE E/N Dev. Eur. ETF (ISIN LU0489337690). Anleger müssen außerdem beachten, dass Anteile an aktiv gemanagten offenen Immobilienfonds nicht täglich verkauft werden können. Hier gibt es eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren und eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten.

Diese Einschränkung ist praktisch ein Überbleibsel aus der Banken- und Finanzkrise 2008/2009 und zur Sicherung der Anlegergelder gedacht. Damals, in Zeiten der Finanzkrise, gerieten nämlich einige offene Immobilienfonds in eine Schieflage, nachdem Anleger versuchten, ihre Gelder aus den Fonds abzuziehen. Da die Fonds nicht über genügend freie Liquiditätsreserven verfügten, mussten sie geschlossen werden, um Immobilien kontrolliert verkaufen zu können. Mit den Geldern sollten dann die Anleger ausbezahlt werden. Doch zu den damaligen Zeiten waren die Immobilien häufig nicht zu den bilanzierten Werten zu veräußern. Für die Anleger ein mittleres Desaster, denn einerseits kamen sie nicht an ihr Geld heran und andererseits verloren ihre Fondsanteile durch die niedrigeren Verkaufspreise an Wert.

Aktienfonds: mehr Rendite, höheres Risiko

Anleger, die höhere Renditen erzielen möchten, kommen an der Anlageform Aktie, entweder in Form von Einzelinvestments oder im Fondsmantel, nicht vorbei. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) errechnete, dass die jährliche Rendite von Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Deutschland in den vergangenen 40 Jahren im Durchschnitt vor Kosten bei knapp 7 % lag. Nachteil: Gehen die Börsen auf Talfahrt, können auch mal mehrere Jahre lang Verluste anfallen. Diese gleichen sich aber bei langen Anlagezeiträumen erfahrungsgemäß wieder aus. Wer langfristig, also mit einem Zeithorizont von 15 Jahren investiert, der kann mit einer positiven Rendite rechnen. Das Verbraucherportal Finanztip hat dazu folgendes ermittelt: Wer im Zeitraum von 1975 bis heute beliebige 15 Jahre in den MSCI World investiert hat, hat im Schnitt 7,7 % jährliche Rendite eingefahren und nie einen Verlust.

Eines ist aber wichtig: „Wer auf Aktien setzt, sollte Schwächephasen an der Börse aussitzen können und die Sparsumme nicht zu einem bestimmten Termin brauchen“, rät Tom Friess vom VZ Vermögenszentrum. Außerdem sollte der Anleger sein Geld über möglichst viele Wertpapiere streuen. Um das Risiko zu begrenzen, sind für Anleger, die nicht die notwendige Zeit für Analysen und Recherchen aufbringen können, deshalb Fonds häufig die bessere Wahl. Während bei einem Einzeltitel Kursrückgänge drohen, wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, verteilt sich das Risiko bei einem Fonds auf viele Aktien.

Die restlichen 10.000 Euro könnten Anleger deshalb zu 70 % in internationale Aktienfonds investieren und für den extra Rendite-Kick kann man den verbleibenden Teil in einen ausgesuchten Einzelwert stecken. Wichtig: Bei Investmentfonds muss man immer die Kosten im Blick behalten, sonst bleibt von der erzielten Rendite zu wenig für den Sparer übrig. Über die Jahre summieren sich auch kleine Kostenunterschiede zu einem größeren Minus an Anlagekapital.

Zu achten ist einmal auf die jährlichen Verwaltungskosten und darauf, ob z. B. Performancegebühren fällig werden. Über die Kostenquote, auch TER genannt, können Anleger die Fonds miteinander vergleichen. Ausgabeaufschläge, die häufig beim Erwerb über eine Bank anfallen, schmälern ebenfalls die Rendite des Anlegers. Wer die Fonds über die Börse kauft, spart sich diese Aufschläge.

Niedriger sind die laufenden Kosten (TER) bei Exchange Traded Funds (ETFs), die einfach nur einen Aktienindex nachbilden. Dadurch entfällt die Gebühr für einen Fondsmanager. Während für Aktienfonds jährliche Gebühren von rund 1,5 bis 1,75 % erhoben werden, kosten Indexfonds im Durchschnitt nur 0,1 bis 0,5 %.  „Sinnvoll wäre, die Anlagesumme auf drei Länderfonds für die USA, Europa und Deutschland aufzuteilen“, rät Friess. Das können zum Beispiel der ETFs iShares Core S&P 500 (ISIN IE00B5BMR087), der Comstage Euro Stoxx 50 (ISIN LU0378434079 oder der db-trackers DAX (ISIN LU 0274211480) sein.

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus