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9. Januar 2015   Börse

Qualitätsaktien im Rückblick

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Nicht immer überzeugte die Kursentwicklung unserer Qualitätsaktien. Doch die langfristigen Perspektiven stimmen weiterhin und so sind die Qualitätstitel der Ausgaben 06/2013 bis 05/2014 für Anleger immer noch interessant.

Von den in den Ausgaben 6/2013 bis 5/2014 AnlegerPlus vorgestellten Qualitätsaktien, enttäuschte eigentlich nur eine Aktie auf der ganzen Linie, die der NORDWEST Handel AG. Wegen ernüchternder Zahlen für das Geschäftsjahr 2013 und einer Dividendenkürzung liegt der Kurs der Aktie aktuell gegenüber dem Kurs bei der Vorstellung mit 16 % im Minus.


Eine überzeugende Kursentwicklung können dagegen Uzin Utz, DMG MORI SEIKI, die Deutsche Post und Aurubis vorweisen, die im jeweiligen Betrachtungszeitraum zweistellig zulegten.
Der Rest unserer Vorstellungen brachte im Vergleich dazu eine eher magere Ausbeute, die aber etwas besser aussieht, wenn man die vereinnahmten Dividenden dazurechnet. Die verwandeln das Kursminus der RTL-Aktie sogar in ein Plus. Und alle Titel, egal ob gestiegen oder nicht, sind mit Blick auf die fundamentale Bewertung weiter kaufenswert.  

Weiter strammes Wachstum
Steil nach oben ging es mit dem Bauchemieunternehmen Uzin Utz, dessen Aktie seit der Vorstellung im Heft 6/2013 um über 30 % gestiegen ist. Kein Wunder, denn das Wachstum ist ungebrochen: Im ersten Halbjahr 2014 stieg der Umsatz um 8,4 % und der Vorsteuergewinn sogar um 16,9 %. Wir sahen den Systemanbieter für die Verklebung und Befestigung von Bodenbelägen ja unter anderem als Profiteur des neuen Immobilienbooms in Deutschland. Und der hält weiterhin an: Die Wohnungspreise in den Metropolen steigen immer weiter, und endlich wird wieder mehr neuer Wohnraum geschaffen: Die Neubaugenehmigungen sind im ersten Halbjahr um 10 % gestiegen, dieser Trend dürfte weitergehen.


Aber auch international möchte Uzin Utz weiter expandieren: In den USA wird gerade ein Werk gebaut, das ab April 2015 Spachtelmasse für den amerikanischen Markt produzieren soll. Obwohl inzwischen das Kursniveau von Mitte 2007 wieder erreicht ist, ist die Aktie immer noch preiswert: Das KGV für kommendes Jahr liegt nur bei 12, die prognostizierte Dividendenrendite bei 3,3 %. Da kann man wohl weiterhin zugreifen und bis zum alten Allzeithoch bei knapp 35 Euro ist ja noch reichlich Luft.  

Russland-Angst übertrieben
Als wir den Maschinenbauer GILDEMEISTER im Heft 7/2013 vorstellten, sahen wir vor allem durch die wachsende Zusammenarbeit und Kapitalverflechtung mit der japanischen MORI SEIKI gute Zukunftschancen für das Unternehmen. Mittlerweile sind die beiden Firmen so eng miteinander verbunden, dass GILDEMEISTER sich in „DMG MORI SEIKI“ umbenannte.
Die Aktie konnte sich im ersten Halbjahr mit einem Anstieg auf über 26 Euro sehr gut entwickeln. Doch die Ukraine-Krise schickte sie dann wieder auf Talfahrt, weil an der Börse die Angst umging, die Sanktionen gegen Russland könnten das dortige Geschäft komplett zusammenbrechen lassen.


Dennoch steht seit unserer Vorstellung der Aktie immer noch ein Kursplus von fast 23 %. Und aktuell ist von der Russland-Krise nichts zu spüren: In den ersten neun Monaten legte der Umsatz um 6 % zu und der Nettogewinn sogar um 34 %. Dennoch warnt inzwischen auch das Management davor, dass die Geschäfte durch die Konflikte in der Ukraine und dem Nahen Osten schwieriger werden könnten. Dafür ist das KGV für 2015 jetzt wieder auf preiswerte 13 gesunken, auf diesem Niveau ist der Werkzeugmaschinenbauer für Anleger weiterhin interessant.

Gewinnversprechen bleibt
Die Talanx AG, unsere Qualitätsaktie aus Heft 8/2013, konnte in diesem Jahr Kurse von fast 28 Euro erreichen, immerhin ein neues Rekordhoch für das erst seit Ende 2012 börsennotierte Unternehmen. Allerdings hat sich der Titel im zweiten Halbjahr wieder auf rund 25 Euro verbilligt und damit seit unserer Empfehlung nur bescheidene 2,24 % zugelegt. Immerhin wurde im Mai 2014 aber eine üppige Dividende in Höhe von 1,20 Euro je Aktie an die Aktionäre ausgeschüttet und die hohe Dividendenrendite von rund 5 % bleibt weiterhin ein Kaufargument.
In diesem Jahr drücken unerwartet hohe Großschäden in der Industrieversicherung auf den Gewinn, auch das Prämienwachstum, das im letzten Jahr bei 5 % lag, pausierte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres. Dennoch will der Konzern sowohl dieses als auch nächstes Jahr auf jeden Fall wieder mindestens 700 Mio. Euro nach Steuern verdienen. Das KGV wäre damit weiterhin einstellig, zudem notiert Talanx nach wie vor 12 % unter dem Buchwert, also dem auf die Aktionäre entfallenen Eigenkapital.


Die niedrigen Zinsen, die die Anlage der Prämien am Kapitalmarkt immer schwerer machen, sind natürlich weiterhin ein Belastungsfaktor und stehen deutlichen Kurssteigerungen von Versicherungsaktien entgegen. Zumindest hat Talanx jedoch kurs- und bewertungsmäßig noch Nachholbedarf gegenüber dem Branchenführer Allianz.

Neuer Weihnachtsrekord erwartet
Ungebremstes Wachstum im Onlinehandel und das bevorstehende Weihnachtsgeschäft – das sahen wir in Heft 9/2013 als gute Gründe, ein Auge auf die Aktie der Deutschen Post DHL AG zu werfen. Aber auch hier ein ähnliches Bild wie bei den anderen Qualitätsaktien: Im ersten Halbjahr 2014 konnte die „Aktie gelb“ zunächst deutlich ansteigen und ein neues Allzeithoch seit dem Börsengang im Jahr 2000 erreichen. Doch im zweiten Halbjahr verpufften diese Gewinne wieder.


Dabei dürfte es in der diesjährigen Weihnachtssaison einen erneuten Paketrekord geben und für den Gesamtkonzern wird für dieses und nächstes Jahr ebenfalls mit jeweils neuen Rekordzahlen gerechnet. Ab 1.1.2015 darf der Konzern zudem das Briefporto erhöhen. Und im kommenden Frühjahr will er darüber entscheiden, ob er seine hohen Barmittel in Höhe von 2,1 Mrd. Euro für einen Aktienrückkauf oder gar eine Sonderdividende einsetzt.
Angesichts all dessen ist die Aktie mit einem 2015er-KGV von 15 und 3,4 % erwarteter Dividendenrendite (ohne Sonderdividende) nach wie vor nicht zu teuer und weiter interessant.

Weiter hohe Dividenden
Der Kurs der Aktie des TV-Senders RTL Group ist seit unserer Vorstellung im Heft 10/2013 um knapp 4 % zurückgegangen. Allerdings muss man hierbei berücksichtigen, dass es seitdem insgesamt 6,50 Euro an Dividenden gab. Beides zusammengezählt steht die Aktie leicht im Plus. Vom Hoch Anfang 2014 bei fast 100 Euro hat sie sich allerdings wieder spürbar verbilligt, und das nicht nur wegen des Dividendenabschlags.
Die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr ist nämlich nicht so ganz berauschend: Nach neun Monaten sank der Umsatz um 1,6 % und der Nettogewinn sogar um fast 40 %. Das Unternehmen sieht sich einerseits als Opfer der Wechselkursturbulenzen, andererseits habe eine neue Werbesteuer in Ungarn das dortige Geschäft belastet, heißt es. Zudem drücke die schwache Konjunktur in Frankreich auf das Werbeaufkommen. RTL Deutschland hat wegen der Qualifikationsspiele für die Fußball-EM dagegen neue Rekordzahlen eingefahren. Und der kontinuierliche Ausbau der digitalen Angebote sowie der Zukauf einer amerikanischen Produktionsfirma sollen den Gesamtkonzern wieder auf Wachstumskurs bringen.


Vor allem aber bleibt das Medienunternehmen eine zuverlässige Cash-Cow: Trotz des Gewinnrückgangs in den ersten neun Monaten wurde immer noch fast eine halbe Mrd. Euro Nettocash aus dem operativen Geschäft verdient. Hohe Dividenden sollte es deshalb weiter geben, wenn auch nicht mehr so üppig wie in der Vergangenheit, da der Barmittelüberschuss inzwischen ausgezahlt ist. Doch angesichts der für 2015 erwarteten Dividendenrendite von 6,5 % ist die Aktie immer noch kaufenswert.  
 
Kein Grund zur Sorge
Auch die Aktie der Sektkellerei Schloss Wachenheim AG hat ihre Gewinne seit unserer Vorstellung im Heft 1/2014 fast vollständig wieder abgegeben: Die Aktie konnte im Sommer 2014 kurzzeitig bis auf 15 Euro klettern, hat sich nun aber wieder auf knapp 13 Euro ermäßigt. Die Ursache: die enttäuschenden Geschäftszahlen: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2014/2015 sanken die Umsätze um 6,6 % auf 69,2 Mio. Euro und das Vorsteuerergebnis brach sogar um zwei Drittel auf 1,89 Mio. Euro ein. Als Grund nennt die Konzernführung die schwachen Weinpreise, die auch auf die Sektpreise durchschlugen. Und speziell auf dem deutschen Markt enttäuschte die Nachfrage wegen des verregneten Sommers.


Allerdings so schlimm, wie auf den ersten Blick, waren die Quartalszahlen nicht: Die Absatzmenge ist nämlich um 2,5 % auf 49,9 Mio. Flaschen gestiegen und der operative Cashflow legte sogar um 22 % auf 6,6 Mio. Euro deutlich zu. Und die saisonale Hochzeit für den Sektkonsum kommt ja erst noch: Das Weihnachts- und Silvestergeschäft, das nach Meinung des Managements dieses Jahr wieder gewohnt robust verlaufen sollte. Daher erwartet der Schaumweinhersteller trotz des schwachen Jahresauftakts, dass am Ende das operative Ertragsniveau des Vorjahres gehalten werden kann. Damit ist die Aktie mit einem einstelligen KGV und einem Kurs von 37 % unter Buchwert weiterhin konkurrenzlos billig.  

Gekürzte Dividende
Eine herbe Enttäuschung ist die Kursentwicklung bei der NORDWEST Handel AG, unserer Qualitätsaktie aus Heft 2/2014: Seit damals hat die Aktie 16 % an Wert verloren. Die zwischenzeitlich ausgezahlte Dividende von 0,50 Euro ist da nur ein schwacher Trost für die Aktionäre. Sie trägt sogar eine Mitschuld an den Kursverlusten: Im Vorjahr lag die Ausschüttung nämlich noch bei 0,65 Euro je Aktie, aber wegen eines unerwartet starken Gewinnrückgangs im Geschäftsjahr 2013 kürzte die Einkaufsgenossenschaft kurzerhand ihre Gewinnbeteiligung, was an der Börse nicht gut ankam.


Konkret sank der Nettogewinn von 4,4 auf 4,0 Mio. Euro bei einem Rückgang des Geschäftsvolumens von 2,1 auf 1,9 Mrd. Euro. Die Begründung des Unternehmens dafür lautete, dass die Erholung im zweiten Halbjahr nicht die negativen Effekte des langen Winters zum Jahresanfang hätte wettmachen können.


2014 sollte aber wieder besser werden: Das Geschäftsvolumen legte in den ersten neun Monaten kräftig um 7 % zu und das Vorsteuerergebnis immerhin um etwas mehr als 2 %. Allerdings ist der Gesamtjahresausblick noch ziemlich wage: Der Konzernüberschuss werde bei 4,0 bis 4,6 Mio. Euro liegen, das Ergebnis je Aktie bei 1,25 bis 1,44 Euro, erklärt das Management.
Doch selbst am unteren Ende der Erwartungen wäre die Aktie mit einem KGV von 13 weiter günstig. Und selbst wenn die Dividende wieder nur bei 0,50 Euro läge, wären es immer noch über 3 % Dividendenrendite. Durch den Kursrückgang ist die Aktie auch wieder unter Buchwert zu haben, der bei 15,90 Euro liegt. Zusammen mit 17,5 Mio. Euro Nettoliquidität ist der Titel damit alleine wegen des Substanzwertes weiter interessant.

Es läuft wieder
Bei der Aktie von Aurubis waren im laufenden Jahr gute Nerven und Geduld gefragt: Unsere Empfehlung aus Heft 3/2014 ging im Jahresverlauf zuerst auf Talfahrt und touchierte die Marke von 35 Euro – der tiefste Stand seit Mitte 2012. Doch im Oktober startete eine eindrucksvolle Jahresendrally, die den Wert auf ein neues Jahreshoch brachte und seit unserer Vorstellung ein Kursplus von 18 %.


Was waren die Gründe für die Rallye? Einerseits konnte der Konzern vermelden, dass die Stilllegung des Werkes in Hamburg zu Wartungszwecken nun aufgehoben ist und wieder mit voller Kraft produziert wird. Andererseits hat sich der Kupferpreis in der zweiten Jahreshälfte stabilisiert und bei knapp 7.000 Dollar pro Tonne eingependelt. Bleibt es dabei, dürfte alleine die Wiederaufnahme der Produktion in Hamburg für einen Wachstumsschub im nächsten Jahr sorgen.


Die Analysten erwarten für das Geschäftsjahr 2014/2015 daher auch wieder einen Gewinn von 3,87 Euro je Aktie. Damit wäre die Aktie trotz Jahresendrally nur mit einem KGV von 12 bewertet, dazu kämen knapp 3 % Dividendenrendite. Vor allem wenn der Kupferpreis wieder anziehen sollte, bleibt Europas größter Kupferproduzent damit weiter kaufenswert.

Auftragsberg wächst
Auch beim Flugzeugbauer Airbus ist die Jahresendrally in vollem Gang, denn nachdem der Titel im August in Richtung 40 Euro abgerutscht war, nimmt er jetzt wieder die 50-Euro-Marke ins Visier. Allerdings lag die Aktie da schon zum Zeitpunkt unserer Vorstellung in Heft 4/2014, sodass es für Anleger außer der Dividende seitdem nichts zu verdienen gab.


Aber Geduld sollte sich weiter auszahlen, denn an der hervorragenden Geschäftslage hat sich nichts geändert: Das laufende Geschäftsjahr dürfte neue Rekordzahlen bringen und der gigantische Auftragsbestand garantiert auch das weitere Wachstum in den Folgejahren. In den ersten neun Monaten stieg der Wert der Bestellungen sogar weiter von 681 Mrd. Euro zum Jahresende auf inzwischen 765 Mrd. Euro. Das ist das dreifache Bruttoinlandsprodukt von Dänemark! Da ist das KGV von 15, was derzeit für 2015 prognostiziert wird, nach wie vor alles andere als eine hohe Bewertung. Vor allem, wenn die Devisenmarktexperten Recht behalten, die den Euro in den kommenden Jahren wieder Richtung 1:1-Parität zum US-Dollar abdriften sehen. Denn Airbus ist eines der europäischen Unternehmen, die am stärksten von einem schwachen Euro profitieren würden. Und aktuell rechnet der Konzern bei seiner Planung mit einem Wechselkurs von 1,35. Dabei hat sich der Euro bereits auf 1,25 verbilligt.

Hinweis der Redaktion zu Airbus:

Nach Redaktionsschluss haben Nachrichten zu Airbus die Börse geschockt: Die Erstauslieferung des Langstreckenfliegers A350 wird sich verzögern, 2016 wird das (bereinigte) operative Ergebnis stagnieren und mangels Bestellungen sowie einem möglichen Modernisierungsbedarf denkt der Konzern darüber nach, die Produktion des A380 2018 einzustellen. Die Berichterstattung in diesem Beitrag ist damit vorerst überholt. Wir werden die Aktie in einer der ersten Ausgaben AnlegerPlus News 2015 neu bewerten.


Günstigere Einstiegskurse genutzt?
In Ausgabe 06/2014 stellten wir den Biotech-Zulieferer Sartorius vor, der mit einem zuverlässigen Wachstumstrend überzeugte. Den hat die Firma mit einem Umsatz- und Gewinnplus von 8 % nach neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres erneut bestätigt. Wegen der ambitionierten Bewertung der Aktie mit einem KGV von über 20 rieten wir bei der Vorstellung in unserer Zeitschrift, Kurskorrekturen für den Einstieg zu nutzen. Und die kamen auch, als der DAX im Oktober kurzzeitig unter 9.000 Punkte rauschte und die Vorzugsaktie von Sartorius bis auf 76,38 Euro fiel. Heute steht sie schon wieder bei 96 Euro und damit sogar über den Kursen zum Zeitpunkt unserer Vorstellung und ist wieder recht hoch bewertet. Für einen Neueinstieg gilt es also, wieder auf eine Kurskorrektur zu hoffen.

Stefan Müller, Redaktion AnlegerPlus

 

Dieser Beitrag erschien in unserer Sonderausgabe AnlegerLand, der Redaktionsschluss war der 4.12.2014.

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