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9. August 2012   Börse

SAP auf der Wolke des Erfolgs

sap

Bei der SAP AG (ISIN DE0007164600) läuft das Geschäft rund. Mit neuen Produktfeldern wie Cloud Computing und mobiler Datenübertragung ergänzt der Walldorfer Softwaregigant das Kerngeschäft mit neuen Wachstumstreibern.

Welche Krise bitte schön? Während zahlreiche DAX-Konzerne für das zweite Halbjahr lediglich ein moderates Wachstum erwarten, startet SAP durch. Im operativen Geschäft und an der Börse: Seit Jahresanfang hat die Aktie um gut 25 % zugelegt.

Wachstum an allen Fronten

Das Zahlenwerk im zweiten Quartal spricht für sich. Im Vorjahresvergleich schnellte der Umsatz um 18 % auf 3,9 Mrd. Euro nach oben. Besonders erfreulich daran ist das satte Plus von 26 % auf 1,1 Mrd. Euro bei den Softwarelizenzen. Diese nehmen im operativen Geschäft der Softwarebranche eine Schlüsselrolle ein, denn aus den verkauften Lizenzen ergeben sich künftige Einnahmen mit Services und Wartung. Die operative Marge hielt sich ungeachtet der Ausgaben für Akquisitionen und Neueinstellungen von Mitarbeitern stabil auf dem Niveau von 30 %.

Das auf alle Regionen verteilte Wachstum untermauert die starke Marktposition von SAP. Selbst im krisengebeutelten Europa verbesserten sich die Erlöse um 12 %. Und nach dem erfolgreichen Umbau unter neuer Führung nimmt das Nordamerikageschäft mit Wachstumsraten von 24 % wieder Fahrt auf.

Durchschlagende Finanzkraft

Neben dem starken operativen Geschäft sind die Börsianer auch von den starken Bilanzkennziffern begeistert. Aus dem kontinuierlich hohen operativen Cashflow kann SAP die steigenden Ausgaben für Forschung und Entwicklung finanzieren. Allein im ersten Halbjahr 2012 fielen hier 1,1 Mrd. Euro an – eine Steigerung um 13 % gegenüber dem Vorjahr.

Schließlich lassen die liquiden Mittel von 3,6 Mrd. Euro Spielraum für weitere Akquisitionen. Insgesamt 20 Mrd. Euro hat die Konzernleitung seit 2007 in strategische Zukäufe investiert. Damit erweitert der Konzern seine führende Stellung im Kerngeschäft Betriebssoftware um neue Produktfelder wie Datenanalyse, mobile Kommunikation und Cloud Computing.

Selig auf der Datenwolke

Beim Cloud Computing werden Unternehmensdaten auf einem dezentralen Server und nicht mehr auf einem lokalen PC gespeichert. In diesem Zukunftsmarkt spielt SAP ganz vorne mit. Und das Cloud Business wächst rasant, wie der jüngste Umsatzsprung auf 690 Mio. Euro eindrucksvoll zeigt.

Kein Wunder also, dass die größten zwei Zukäufe seit Ende 2011 diese neue Firmensparte weiter verstärken sollen. Für die beiden US-Firmen SuccessFactors und Ariba legte SAP 3,4 Mrd. bzw. 4,3 Mrd. US-Dollar auf den Tisch. Die HANA-Software ist ein weiterer Gewinntreiber auf dem Vormarsch. Damit lassen sich immense Datenmengen zu Firmen in Bruchteilen von Sekunden auf einer Plattform auswerten, was jede Menge Zeit gegenüber herkömmlichen Programmen spart, die meistens Tage dauern.

Beim Ausblick liegt die Messlatte hoch

Für das Gesamtjahr erwartet das Vorstandsduo Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe bei den Erlösen für Lizenzen und Wartung einen Zuwachs von 10 bis 12 %. Das sind hochgesteckte Ziele angesichts des moderaten Wachstums von 3 %, das der Branchendienst Gartner in diesem Jahr für die gesamte Branche ansetzt. Bis 2015 soll die operative Marge deutlich über 30 % liegen – eine klare Kampfansage an den Erzrivalen Oracle, der seit geraumer Zeit mit Margen jenseits der 40 % glänzt.

Auch bei der Aktienbewertung ist SAP top. Allerdings lässt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 für 2013 bei erwarteten Wachstumsraten zwischen 15 und 20 % noch Spielraum für höhere Kursregionen. Was übrigens auch für Oracle mit dem 2013er-KGV von 11 gilt.

Stefan Riedel, Redaktion AnlegerPlus