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7. März 2018   Investment

Schwellenländeranleihen locken mit hohen Renditen

SchwellenlnderS

Nach jahrelangen Abflüssen können sich Fondsprodukte mit Emerging-Markets-Anleihen nun wieder über Milliarden an neuen Anlegergeldern freuen. Doch wer zu Zinspapieren aus Schwellenländern greift, muss höhere Risiken in Kauf nehmen. Es gibt am Kapitalmarkt eben nichts geschenkt, schon gar nicht eine höhere Rendite.

Für europäische und amerikanische Staatsanleihen gibt es nur niedrige Zinsen. Immerhin können Anleger aber für 10-jährige US-Anleihen inzwischen schon beinahe wieder 3 % an Rendite einstreichen. Und auch die Renditen deutscher Bundesanleihen (10 Jahre) sind auf dem Weg nach oben, allerdings notieren sie derzeit immer noch mit mickrigen 0,63 %.

Trotz des höheren Risikos setzen deshalb immer mehr Renditejäger auf Staatsbonds von Schwellenländern. Solche Papiere glänzen mit hohen Erträgen: Indische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit weisen derzeit beispielsweise eine Rendite von 7,7 % auf. Ähnlich lang laufende Staatsanleihen aus Mexiko schaffen 7,6 %,  russische 7,07 % und zehnjährige chinesische Staatsanleihen 3,9 %.

Die politischen Risiken sind in diesen Ländern höher als in den „erwachsenden“ Industrienationen und die Bonität geringer. Dazu besteht immer die Gefahr, dass Investoren schlagartig die Flucht ergreifen, wenn sich andere rentierliche Anlagen auftun, und ihr Geld abziehen. Dazu besteht immer auch ein Währungsrisiko, wenn die Schwellenländerwährungen abwerten. Und diese Risiken werden eben durch eine höhere Verzinsung der Rentenpapiere bezahlt.

Profiteure der guten Weltkonjunktur

Für Privatanleger ist der bessere Weg, statt in einzelne Länderbonds lieber in gut diversifiziert Anleihenfonds zu investieren. Deren Fondsmanager streuen nicht nur die Risiken, indem sie in unterschiedliche Anleihen aus diversen Schwellenländern investieren. Sie nutzen darüber hinaus Instrumente, um das Fondsvermögen in kritischen Situationen gegen Währungsverluste abzusichern. Mit dieser Strategie erwirtschafteten gute Emerging-Markets-Anleihen-Fonds in den vergangenen drei Jahren rund 9 % Wertsteigerung – pro Jahr.

Anleihen aus Russland, Indien oder Brasilien sind nicht nur wegen der Zinsen attraktiv. Für sie spricht auch das nachhaltige globale Wirtschaftswachstum, das ein positives Umfeld schafft – obwohl die Notenbanken der Industriestaaten mittlerweile nach und nach von ihrer ultralockeren Geldpolitik wieder in Richtung Normalität zurückzukehren scheinen. Die gute Entwicklung der Weltkonjunktur nützt besonders den häufig exportorientierten Schwellenländern. Deshalb rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) damit, dass das Wachstum dort in den nächsten Jahren höher als in Deutschland ausfällt.

Starker US-Dollar gefährlich

Bei dem Rentenangebot aus den Emerging Markets haben die Anleger die Wahl aus Anleihen, die in lokaler Währung notieren, aber auch aus Bonds, die auf so genannte Hartwährungen wie US-Dollar oder Euro lauten. Viele Fondsmanager erwarten jedoch, dass sich der Zinsaufschlag für Anleihen in harten Währungen weiter einengen wird. Zudem dürfte es in einigen Schwellenländern Zinssenkungen geben – zum Beispiel in Brasilien, Mexiko, Kolumbien, Peru, Russland, Südafrika und der Türkei.

Währungsverluste und die Geldpolitik sind im Moment überhaupt die bestimmenden Themen in diesem Sektor. Ein stärkerer US-Dollar könnte sich nachteilig auf die Schwellenländer auswirken. Wie oben beschrieben, könnte das zu Geldabflüssen aus den Schwellenländern führen. Und Gefahren birgt auch der Ausstieg der Industrienationen aus der lockeren Geldpolitik, falls deren Notenbanken die Zinsen zu schnell hochfahren sollten. Dies könnte ebenfalls zu Geldabflüssen aus den Emerging Marktes führen und zudem die Konjunktur belasten.

„Wegen der zunehmenden Wachstumsdynamik und des überschaubaren Inflationsdrucks werden aber die Notenbanken ihre ultraexpansive Geldpolitik nur schrittweise straffen und es auch so kommunizieren“, glaubt Rashique Rahman, Manager des Invesco Emerging Markets Bond Fund.

Fondslösungen

Welche Fonds könnten nun aber für Anleger interessant sein, die für eine höhere Rendite höhere Risiken in Kauf nehmen möchten und sich der Risiken auch bewusst sind. Da wäre beispielsweise der Nordea 1 – Emerging Market Bond Fund (ISIN LU0772926910) zu nennen. Die Manager des Fonds stufen die Schwellenländermärkte insgesamt weniger anfällig ein als früher. Unerwartete Störungen seien zwar nicht auszuschließen, eine geringere Verschuldung und freie Wechselkurse stellen jedoch einen Puffer dar und mildern die Risiken ab. Beim Nordea-Fonds ist rund zwei Drittel des Kapitals in Bonds von Ländern wie Argentinien, Ägypten, Irak, Ungarn und Türkei investiert. Unternehmensbonds machen etwa 28 % aus, der Rest ist Cash.

Besonders interessant finden auch die Manager des M&G Emerging Markets Bond (ISIN GB00B3NMPS60) derzeit Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Wegen der guten Weltkonjunktur haben die Ausfälle bei diesen Papieren zuletzt stark abgenommen. Die Firmenbonds notieren zumeist in US-Dollar, während die Staatsanleihen häufig in der Emittenten-Währung laufen. Sehr gute Chancen sehen die Fondsmanager bei lateinamerikanischen Anleihen, schlechtere bei Papieren aus Asien.

Thomas Müncher



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