HAWBannerAnlegerplus03
MiniAboAP120x600pxstandbildverlag

12. April 2012   Börse

Sky Deutschland hängt am Tropf des Großaktionärs

Sky-online.jpg

In diesem Jahr hatte die Sky Deutschland AG (ISIN DE000SKYD000) bereits für den 3. April zur Hauptversammlung geladen. Vermutlich wollte sich der Vorstand schnell umfangreiche Kapitalmaßnahmen genehmigen lassen – wieder einmal.

Seit Jahren produziert der Pay-TV-Sender nur Verluste. Die Umfirmierung von Premiere zu Sky brachte da keine Besserung. Das Geschäftsjahr 2011 schloss mit einem Fehlbetrag von -278 Mio. Euro (Vj. -408 Mio.), obwohl nach der vor drei Jahren veröffentlichten Planung erstmals ein Gewinn hätte erzielt werden sollen. Bereits das EBITDA, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, war mit -156 Mio. Euro (Vj. -269 Mio.) deutlich negativ. Der neuen Prognose nach erwartet der Vorstand auf dieser Ebene nun im Jahr 2013 ein positives Ergebnis – wann ein Nettogewinn erwirtschaftet wird, steht jedoch in den Sternen.

Es gibt auch Erfolge
Immerhin gibt es Lichtblicke. Die Zahl der Abonnenten überschritt Ende 2011 die Schwelle von 3 Mio. und die Kündigungsquote sank mit 11 % auf ein Rekordtief. Das umfangreiche Senderangebot, das um immer mehr HD-Angebote ergänzt wird, kommt offenbar gut an. Der Umsatzzuwachs von 17 % auf 1,14 Mrd. Euro reichte indes nur aus, um den Verlust zu verringern. Mehrfach kam in der Diskussion die Frage auf, wie viele Kunden noch benötigt werden, um endlich den Break-even zu erreichen. Vorstandsmitglied Holger Enßlin erklärte hierzu, dass sich dieser Wert aus dem Verhältnis von Kundenzahl, Kündigungsquote und dem durchschnittlichen Umsatz je Kunde ergibt. Eine konkretere Antwort blieb er schuldig – so muss er sich im kommenden Jahr auch nicht an dieser Aussage messen lassen.

Immer neue Kapitalmaßnahmen

Es wird auf jeden Fall höchste Zeit, dass Gewinne geschrieben werden. Sky Deutschland überlebt schon seit Jahren nur durch die Zuwendungen von Großaktionär Rupert Murdoch, der über die News Corporation regelmäßig enorme Beträge ins Unternehmen pumpt. Ohne diese Unterstützung wäre Sky unter der Nettoverschuldung von immensen 525 Mio. Euro wohl schon zusammengebrochen; die Eigenkapitalquote beträgt nur magere 8 %. Zur Stabilisierung sind in diesem Jahr weitere Kapitalmaßnahmen im Umfang von 300 Mio. Euro geplant. Eine Kapitalerhöhung wurde bereits im Februar platziert und eine weitere ist für September geplant. Zudem schaffte die HV ein neues genehmigtes Kapital und ermächtigte den Vorstand zur Ausgabe von Wandel- und Optionsschuldverschreibungen. Die SdK sieht die andauernden Kapitalmaßnahmen kritisch. Die Aktien der Aktionäre, die nicht ständig Geld nachschießen wollen, werden so immer weiter verwässert. Derzeit lässt sich aber nur so das Überleben sichern.

Bundesliga in Gefahr

Als ob die Lage nicht schwierig genug wäre, besteht nun noch die Gefahr, dass die Bundesligarechte verloren gehen. Mit der Deutschen Telekom hat sich ein starker Gegner ins Bieterverfahren eingeklinkt. Dies wäre ein schwerer Schlag, nachdem viele Kunden nur wegen des umfassenden Sportangebots ein Abonnement abgeschlossen haben – man denke nur an die vielen Sportsbars. Daniel Bauer von der SdK fand die Einmischung des einstigen Staatskonzerns sehr bedenklich – und tatsächlich lässt der Vorstand derzeit prüfen, ob dieses Vordringen rechtens sein kann. Gleichwohl besteht die Gefahr, dass die Bundesliga verloren geht, was sicher nachteilig für die Abonnentenzahl wäre – und die Gesellschaft wieder weiter von der Gewinnschwelle entfernen würde. Die Angst, dass dies passiert, hat in den letzten Wochen schon kräftig auf den Aktienkurs gedrückt. Doch auch auf dem niedrigeren Niveau ist das MDAX-Papier in Anbetracht der Unwägbarkeiten ein gewagtes Investment.

Matthias Wahler, Redaktion AnlegerPlus