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20. März 2018   Markt & Werte

Stühlerücken mit Folgen

Brse

Die Deutsche Börse überprüft regelmäßig ihre Indizes nach den Auswahlkriterien „Freefloat-Marktkapitalisierung“ sowie „Handelsvolumen“. In Folge kommt es immer wieder zu Auswechslungen in den Auswahlbarometern. Wir sind der Frage nachgegangen, was nach dem Austausch mit den Aktien passiert. Das Ergebnis überrascht.

Alle drei Monate wird die deutsche Indexlandschaft aufgewirbelt. Denn exakt in diesem Turnus entscheidet die Deutsche Börse über die Zusammensetzung von DAX & Co. Investoren blicken gebannt auf die Entscheidungen, denn vor allem Fonds respektive ETFs, welche die Indizes exakt nachbilden, müssen diese dann entsprechend umschichten und umgewichten. Das hat in der Regel Einfluss auf die Kurse der entsprechenden Aktien.

Historische Untersuchungen seit der Jahrtausendwende zeigen, dass das Gros der Indexaufsteiger sowohl vor der eigentlichen Entscheidung sowie nochmals, kurz bevor die Änderung umgesetzt wird, mit Kursavancen glänzte. Dagegen entwickelten sich die Absteiger unterdurchschnittlich. Dieser Effekt ist aber eher von kurzfristiger Natur, langfristig setzen sich in der Regel wieder die Fundamentaldaten durch.

Frischer Wind

Im vergangenen Jahr kam es insgesamt zu 17 Auswechslungen. Das Gros der Änderungen fand im SDAX statt. In dem Kleinwertesegment mussten sechs Unternehmen ihren Hut nehmen, im MDAX waren es zwei und im TecDAX fand lediglich eine Auswechslung statt. In der ersten Börsenliga blieb dagegen alles beim Alten. Wir haben die Indexumstellungen genau unter die Lupe genommen und eine interessante Feststellung gemacht: In Summe entwickelten sich die Absteiger nicht schlechter als die Aufsteiger.

Absoluter Spitzenreiter unter den Wechslern war der TecDAX-Rückkehrer AIXTRON. Der Spezialanlagenbauer kehrte exakt vor einem Jahr am 20. März nach einer kurzen Abstinenz von drei Monaten wieder in den Auswahlindex zurück. Die Kursrally ließ nicht lange auf sich warten. Ende April 2017 startete die Aktie einen Aufwärtstrend, welcher dem Titel bis heute ein Plus von mehr als 410 % bescherte. Der Kursanstieg hat aber weniger mit der Indexaufnahme als vielmehr mit der operativen Neuausrichtung zu tun. AIXTRON konzentriert sich insbesondere auf Wachstumsmärkte wie 3D-Sensorik oder die optische Datenübertragung. Mit Erfolg: 2017 legten die Erlöse um 17 % zu, beim Gewinn schaffte man den Turnaround. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand weitere Erlöszuwächse von 20 bis 35 % bezogen auf das fortgeführte Geschäft.

Positive und negative Vorzeichen

Mit einem deutlich geringeren Kursplus abgeschnitten haben die SDAX-Newcomer bet-at-home, Aroundtown und Delivery Hero. Beim erstgenannten Wettspezialisten fiel der Zuwachs von 2,43 % im Vergleich zum Index, der in diesem Zeitraum 23 % avancierte, mickrig aus. Hohe Investitionen in die Markenbekanntheit, welche letztendlich auf den Gewinn lasten, bremsten die Aktie aus.

Aroundtown und Delivery Hero schnitten dagegen seit ihrer Aufnahme Mitte September leicht besser ab als die Benchmark. Dem Essens-Lieferdienst Delivery Hero gelang nur zwei Monate nach dem IPO die Aufnahme in den SDAX. Seitdem bewegt sich der Titel peu à peu nach oben. Das Berliner Start-up, das in mehr als 40 Ländern aktiv ist und mehr als 150.000 Restaurants im Angebot hat, möchte auf operativer Ebene Ende des laufenden Jahres erstmals die Gewinnschwelle knacken, 2019 dann auch aufs Gesamtjahr gesehen. Analysten sind voller Lob für den Börsenjungspund. „Der Lieferdienst ist weltweit breit aufgestellt und profitiert vom langfristigen Trend hin zu Bestellungen und Lieferungen von Essen“, so Barclays-Analyst Andrew Ross. Das derzeitige Konsens-Urteil der Branche lautet auf „Outperform“.

Weniger gut lief es für die Aufsteiger MLP und METRO, beide Aktien notieren seither im Minus. Auch Grand City Property kam nicht vom Fleck, obwohl der Immobilienkonzern innerhalb weniger Monate gleich zwei Indexaufstiege – zuerst in den SDAX, dann in den MDAX – vollzog.

„Absteiger“ bedeutet nicht gleich „absteigen“

Nun zu den Indexabsteigern. Ausgenommen Braas Monier Building und GFK, die beide aufgrund von Übernahmen vom Börsenzettel verschwanden, weisen fünf von sieben Absteigern eine positive Performance auf. Amadeus, WCM und STRATEC Biomedical gelangen sogar prozentual zweistellige Kursgewinne. Auch ZEAL Network und Bilfinger entwickelten sich mit einem Plus von rund 7 % bzw. 10 % besser als der Markt.

Nicht besonders gut verkraften konnte Rational den Abstieg aus dem MDAX. Zwar markierte der Großküchenbauer Anfang Oktober noch ein Allzeithoch bei 596,35 Euro, danach schlug der Titel aber den Rückwärtsgang ein. Da die Geschäfte aber weiterhin florieren, setzte der SDAX-Titel jüngst zur Wende an. Mit einem Umsatzanstieg von 14,5 % 2017 konnte Rational nicht nur die eigenen Erwartungen, sondern auch die der Analysten klar schlagen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte von 167 auf 188 Mio. Euro. Das war im Vergleich zum Umsatzwachstum zwar leicht unterproportional, allerdings wurde eine abnehmende Marge bewusst in Kauf genommen. Die Landsberger investieren derzeit nämlich kräftig in die Infrastruktur, um die hohe Wachstumsdynamik langfristig aufrechthalten zu können.

Quellen: eigene Recherchen, finanzen.net / Stand: 13.3.2018

Christian Ingerl



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