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19. April 2012   Wirtschaft

Target-Explosion

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Laut aktuellen Berechnungen des ifo Instituts explodieren die Target-Kredite im Euroraum geradezu. Im ersten Quartal 2012 haben sich die italienische und spanische Notenbank jeweils ordentlich über Target-Kredite finanziert.

Das Münchner ifo Institut hat für das erste Quartal 2012 aktuelle Berechnungen der Target-Kredite vorgelegt. Demnach bezog die italienische Notenbank in den ersten drei Monaten dieses Jahres Target-Kredite in Höhe von insgesamt 79 Mrd. Euro. 76 Mrd. Euro dieser Summe hat Italiens Notenbank im März erhalten. Die spanische Notenbank hat im ersten Quartal 77 Mrd. Euro an Target-Krediten über das Eurosystem bezogen, davon 41 Mrd. Euro im März.

Das ifo Institut gibt an, dass Italiens und Spaniens Notenbanken seit Juli 2011 Target-Kredite von insgesamt 483 Mrd. Euro erhalten haben. So wurden die Volkswirtschaften mit billigen Krediten versorgt. Diese Summe entspricht fast der, die noch zusätzlich als ESM-Hilfe von den Parlamenten gebilligt werden soll – wenn der EFSF und ESM zusammengelegt werden.

Die Benachteiligten
Aus Sicht des ifo Instituts leiden vor allem die Sparer der noch soliden Länder Europas unter den hohen Target-Krediten. Denn ihre Vermögensanlage wird durch die Target-Kredite quasi zur EZB umgelenkt. Die Ersparnisse der soliden Länder sind normalerweise durch marktgängige Wertpapiere der Sparkassen, Banken und Lebensversicherer gedeckt. Diese wurden nun aber in Forderungen der eigenen Notenbanken umgewandelt, die selbst wiederum nur durch Forderungen gegen die EZB gedeckt sind. Damit sind sie indirekt durch die Notenbanken Italiens und Spaniens gedeckt, da diese die Target-Kredite in Anspruch genommen haben. Die Kredite entsprechen also bloßen Forderungen gegenüber den Notenbanken der Schuldnerländer Italien und Spanien, die nicht fällig gestellt werden können und zurzeit nur mit 1 % verzinst werden. Und das alles ist ohne Wissen oder Zustimmung der betroffenen Sparer abgelaufen.

Laut dem ifo Institut sind auf diese Weise in Deutschland pro Erwerbstätigen Ersparnisse von 15.000 Euro in Target-Forderungen umgewandelt worden. In den Niederlanden sind es 17.000 Euro und in Finnland schon 21.000 Euro pro Erwerbstätigen. Das ifo Institut fordert, dass solche enormen Kreditsummen zukünftig durch das Parlament bewilligt werden müssen. Es dürfe nicht sein, dass sie einfach durch das EZB-System und den EZB-Rat zur Verfügung gestellt werden.

Detailliertere Informationen zum Target-System und den Hintergründen der Target-Kredite erhalten Sie in unseren Artikeln vom 16. und 19. März.

Stephanie Wente, Redaktion AnlegerPlus