28. April 2017   Börse

Tesla – ist die rasante „Kurs-Fahrt“ berechtigt?

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Dass der US-amerikanische E-Autobauer Tesla (ISIN US88160R1014) in punkto Marktkapitalisierung an Ford vorbeigezogen ist und zeitweilig sogar teurer als General Motors (GM) war, lässt die Aktie derzeit als eine der aggressivsten Wetten auf eine goldene Zukunft erscheinen, bei der Anleger bestehende Risiken konsequent außer Acht lassen.

 

Überdeutlich wird die extrem hohe Börsenbewertung des amerikanischen Elektroautobauers Tesla, die selbst der charismatische Firmenchef Elon Musk unlängst auf Twitter einräumte, wenn man sich die fundamentalen Zahlen des Unternehmens vor Augen führt.

 

Unrentabler Zwerg

2016 lieferte Tesla 76.230 PKWS aus. Erscheint das schon vergleichsweise gering, ist umso erstaunlicher, dass man damit nicht einmal die angekündigten 80.000 Autos vom Band laufen lassen konnte, die ursprünglich anvisiert waren. Den Umsatz steigerten die Kalifornier im Jahresvergleich dennoch bemerkenswert deutlich von 4,05 Mrd. US-Dollar auf rund 7,0 Mrd. US-Dollar. Trotzdem musste der Konzern, der seit seiner Gründung 2003 noch nie Gewinne erwirtschaftet hat, einen Fehlbetrag von 773 Mio. US-Dollar ausweisen.

 

Zum Vergleich: Der US-amerikanische Automobilkonzern GM verkaufte im vergangenen Jahr weltweit rund 6,25 Mio. Fahrzeuge und setzte mit 166,4 Mrd. US-Dollar fast 24-Mal so viel wie Tesla um. Der Gewinn der Detroiter aus diesem Umsatz belief sich auf stattliche 9,3 Mrd. US-Dollar. Aber auch Ford liegt mit 6,65 Mio. veräußerten Einheiten sowie Erlösen von 151,8 Mrd. US-Dollar und einem Nachsteuerertrag von 4,6 Mrd. US-Dollar meilenweit vor dem Elektroauto-Pionier mit Hauptsitz in Palo Alto.

 


Aktualisierung: Quartalszahlen

Mehr Umsatz aber auch mehr Verlust, so lassen sich die Zahlen von Tesla zum ersten Quartal 2017 zusammenfassen. Und Tesla-Chef Elon Musk hat weitere Details zum Model Y bekanntgegeben.

Das Model 3, heute noch Hoffnungsträger des Konzerns, soll demnächst erst in Produktion gehen, und schon präsentierte Musk Details zum nächsten Vorhaben, dem Model Y: ein Softroader oder Crossover, der nicht auf dem Model 3 basieren und Ende 2019 oder 2020 an den Start gehen soll. Ausgestattet werden soll das Model Y mit einem neuen Akku, der weniger Kabel benötigt (ca. 100 Meter) als die bisherigen Modelle (Modell S: ca. 3 km, Modell 3: ca. 1,5 km), was die Produktion vereinfachen würde.

 

Zu den Zahlen: Tesla konnte im ersten Quartal 2017 25.051 Autos ausliefern und hat damit die Produktion gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um 64 % steigern. Der Umsatz lag bei 2,69 Mrd. US-Dollar (+50 %). Steigerungen wo man hinblickt, leider auch beim Verlust. Dieser lag bei 330 Mio. US-Dollar (Q1 2016: 282 Mio. US-Dollar). Die Steigerung des Verlustes führt Tesla auf die Einführung des Models 3 zurück.

 

Auf die Aktie runter gebrochen ergibt sich bereinigt ein Verlust von 1,33 US-Dollar. Und auf die hergestellten Autos umgelegt ergibt sich rechnerisch ein Verlust von 13.000 US-Dollar pro hergestelltem Auto. Zahlen zum 2. Halbjahr hat das Unternehmen noch nicht prognostiziert, da in diesen Abschnitt der Produktionsstart des Modells 3 fällt. Erste Prognosen will man nach dem Modellstart im Juli bekanntgeben. Dem Aktienkurs setzen die Quartalszahlen etwas zu. Nach Veröffentlichung verlor der Kurs bis 4.5. rund 10 % an Wert. (Redaktion AnlegerPlus, 4.5.2017)

 

 


 

Model 3 als Hoffnungsträger

Aber wie kann es sein, dass der Markt dem vergleichsweise unrentablen Zwerg diesen fast schon absurd anmutenden Börsenwert von rund 51 Mrd. US-Dollar zubilligt? Der über den Erwartungen gelegene Rekordabsatz von 25.000 Fahrzeugen im Auftaktquartal dieses Jahres, wodurch Tesla unter anderem neuer Marktführer bei Elektroautos in Deutschland wurde und den bisherigen E-Mobilitäts-Primus Renault ablöste, vermag die Gesamtkapitalisierung der Kalifornier genauso wenig zu rechtfertigen wie die Pläne, künftig auch LKW und Busse mit Elektroantrieb zu produzieren, auch wenn der erste Truck bereits im September vorgestellt werden soll.

 

Vielmehr dürften die Hoffnungen der Anleger primär auf dem Model 3 liegen. Mit einem Verkaufspreis in den USA von gerade einmal 35.000 US-Dollar ist der Wagen zweifellos massenmarkttauglich. Insofern ist die vollmündige Ankündigung von Elon Musk, 2018 insgesamt rund eine halbe Million PKW zu fertigen, zwar ambitioniert aber keineswegs völlig unrealistisch, zumal für das Modell 3 schon 400.000 Vorbestellungen vorliegen sollen. Optimisten gehen daher davon aus, dass Tesla im kommenden Jahr erstmals Gewinne erwirtschafteten kann. Allerdings ist das durchschnittlich geschätzte KGV für 2018 mit gut 257 astronomisch hoch – vor allem, wenn man berücksichtigt, dass dem Konzern zunehmender Konkurrenzdruck aus Europa und Asien droht.

Und wissen sollte man auch, dass die Gewinnmargen der Autobauer traditionell nicht die üppigsten sind. Denn die variablen Kosten sind, auf Grund der vielen für ein  Fahrzeug benötigten Einzelteile, relativ hoch, während z. B. bei Betreibern von Internet-Suchmaschinen, Online-Marktplätzen oder sozialen Netzwerken pro Nutzer kaum zusätzliche Kosten anfallen, wenn die Infrastruktur erst einmal steht.

 

Wenn man sich also die Zahlen und Fakten vor Augen führt und man dazu noch die fragwürdigen Solarexperimente (SolarCity, Solar-Dachziegel) hinterfragt, erscheint die Tesla-Aktie auf dem gegenwärtigen Kursniveau maßlos überteuert und somit als Standardinvestment völlig ungeeignet. Wer allerdings sehr spekulativ orientiert ist, der E-Mobilität nun einen schnellen Durchbruch zutraut und mit dem Kauf des Papiers liebäugelt, sollte nur Geld investieren, auf das er schlimmstenfalls verzichten kann. Darüber hinaus müssen Investoren in die Tesla-Aktie bereit sein, zwischenzeitliche (heftige) Korrekturen auszusitzen. Wer hingegen eine solide Kapitalanlage sucht und damit ruhig schlafen möchte, dem dürfte geraten sein, die Tesla-Aktie zu den momentanen Notierungen zu meiden, wie der Teufel das Weihwasser.

Marc Nitzsche, Redaktion AnlegerPlus