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7. April 2017   Investment

Topfit fürs Alter

Sanofi

Das zunehmende Durchschnittsalter der Weltbevölkerung ist ein Megatrend, von dem Pharmakonzerne profitieren – auch in Europa. Außerdem treiben diese Unternehmen ihr Wachstum durch Zukäufe voran. Last but not least locken deren Aktien mit attraktiven Dividendenrenditen.

Weltweit sinkt die Geburtenrate, aber die Lebenserwartung der Menschen steigt. Der Anteil der über 65-jährigen Personen an der Weltbevölkerung wird von 8,5 % im Jahr 2015 bis 2030 voraussichtlich auf rund 13 % steigen. Diese Entwicklung sollte den Pharmakonzernen in die Karten spielen. Denn Senioren leiden wesentlich häufiger unter Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Osteoporose. Und auch Krebserkrankungen oder Parkinson werden bei alten Menschen häufiger diagnostiziert als bei jungen Menschen.

Von Übernahmen, Verkäufen & Revolutionen
Mit einem gut diversifizierten Produktportfolio glänzt der Pharmariese Sanofi, der im Februar 2011 für rund 20 Mrd. US-Dollar Genzyme übernommen hat. Der US-Biotechnikkonzern erwirtschaftet zurzeit 15 % des Umsatzes von Sanofi. Deutlich kleiner ist ein anderes amerikanisches Unternehmen, das gut zu Sanofi passen würde: Es heißt TESARO und hat zuletzt ein Medikament (Niraparib, Handelsname: Zejula) zur Behandlung von Eierstockkrebs auf den Markt gebracht. Ob Tesaro von Sanofi gekauft wird, steht in den Sternen. Unabhängig davon gehen Analysten davon aus, dass das französische Pharmaunternehmen in den kommenden Monaten eine Übernahme verkünden wird.
Interessant sind aus Anlegersicht zudem der geplante Verkauf des Generika-Geschäfts in Europa und die Dividendenrendite von 3,5 %. Auch charttechnisch ist alles im grünen Bereich, da dem Kurs im Februar 2017 der Sprung über einen Widerstand bei 80,00 Euro gelungen ist.

Das Chartbild der Aktie von Novo Nordisk macht dagegen einen weniger guten Eindruck. Dennoch sollten Anleger einen Blick auf den Pharmatitel werfen. Schließlich ist das dänische Unternehmen mit einem Anteil von mehr als 30 % Weltmarktführer bei Diabetes-Medikamenten und überzeugt mit guten Wachstumsperspektiven, weil laut einer Schätzung der International Diabetes Federation die Anzahl der weltweit an Diabetes erkrankten Patienten von 415 Mio. im Jahr 2015 auf 642 Mio. im Jahr 2040 steigen wird.
Ein Manko ist jedoch der hohe Preisdruck bei Insulin-Produkten, der zur Folge hatte, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr zweimal die Umsatz- und Gewinnprognosen nach unten revidieren musste. Dies ist jedoch Schnee von gestern. Relevant ist hingegen, dass Novo Nordisk 2018 die Phase-3-Studiendaten eines Medikaments veröffentlichen wird, das den Diabetes-Markt revolutionieren könnte, wenn es lanciert wird. Es handelt sich dabei um ein Insulin-Produkt, das nicht gespritzt wird, sondern als Tablette eingenommen wird. Vor diesem Hintergrund erwartet das Management von BB Biotech, dass Novo Nordisk in die Erfolgsspur zurückkehren wird, und hat deshalb die Beteilung an dem Diabetes-Spezialisten zuletzt aufgestockt.

Innovativer Pharmatitel

Mit einer im Branchenvergleich überdurchschnittlichen Innovationskraft punktet Roche. Das Schweizer Traditionsunternehmen hat in den USA von der Food and Drug Administration (FDA) bereits für 14 in der Entwicklung befindliche Medikamente den Status „Breakthrough Therapy Designation“ erhalten. Bei diesem Status akzeptiert die US-Behörde für Lebensmittel und Medikamente verkürzte klinische Studien und ermöglicht einen schnelleren Zulassungsprozess.
Unter anderem hatte die FDA im Februar 2016 für das von Roche entwickelte Multiple-Sklerose-Medikament Ocrevus den Status „Therapiedurchbruch“ erteilt, und jüngst hat der Pharmakonzern die US-Marktzulassung für dieses Medikament erhalten. Erfreulicherweise wurde Ocrevus sowohl zur Behandlung der primär progredienten Multiplen Sklerose (eine schwere, bislang nicht therapierbare Form der Nervenerkrankung) als auch zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose zugelassen. In Europa könnte Roche übrigens im dritten Quartal 2017 die Zulassung für Ocrevus erhalten.

In China wurde jüngst das Lungenkrebsmittel Tagrisso von AstraZeneca zugelassen. Des Weiteren veröffentliche das Pharmaunternehmen hervorragende Phase-3-Studiendaten zu dem Eierstockkrebs-Medikament Lynparza. Positiv zu werten ist auch ein Lizenzdeal mit TerSera Therapeutics. Dieses Unternehmen sicherte sich im Februar die Rechte an dem Prostatakrebs-Medikament Zoladex in den USA und Kanada. AstraZeneca erhält hierfür 250 Mio. US-Dollar und umsatzabhängige Zahlungen.

Ein Pharmawerte-ETF
Anleger, die breit gestreut in europäische Pharmatitel investieren möchten, können dies über einen von iShares emittierten ETF (ISIN DE000A0Q4R36) auf den STOXX EUROPE 600 Health Care tun. In diesem Index sind die Aktien von Novartis, Roche, Sanofi, GlaxoSmithKline und AstraZeneca die fünf größten Positionen. Die jährliche Gesamtkostenquote dieses ausschüttenden ETFs beträgt 0,46 %.


Hinweis: Eine an der Veröffentlichung des Beitrags beteiligte Person hält Aktien an Novo Nordisk.

Vier europäische Pharmatitel im Überblick

Unternehmen ISIN Kurs Börsenwert EPS 2017e KGV 2017e Div.-Rendite
Sanofi FR0000120578 85,29 109,1 Mrd. 5,6 15,8 3,6 %
Novo Nordisk DK0060534915 33,43 83,4 Mrd. 2,1 15,6 3,2 %
Roche CH0012032048 240,35 206,2 Mrd. 14,5 16,5 3,4 %
AstraZeneca GB0009895292 58,87 72,7 Mrd. 3,5 16,4 4,5 %

Anmerkung: EPS = Gewinn je Aktie │ KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis │ alle Angaben in Euro

Quelle: onvista.de │ Stand: 4.4.2017

Martin Münzenmayer, Redaktion AnlegerPlus