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20. Juni 2014   Kommentar

Warum Reiche immer reicher werden

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Der aktuelle Bestseller „Capital in the Twenty-First Century“ vom 42-jährigen französischen Ökonom Thomas Piketty beschreibt, dass der Kapitalismus dazu führe, dass die Reichen immer reicher werden. Belegen soll dies u. a. eine Grafik, die zeigt, dass das Einkommen der reichsten 10 % in den USA bis zu den Finanzkrisen 1929 und 2008 von zuvor 40 % auf in der Spitze 50 % anstieg. Auch in Deutschland lässt sich eine Ungleichverteilung beobachten. Laut einer Studie des DIW besaß 2012 das reichste Prozent der Bevölkerung ein persönliches Vermögen im Wert von je mindestens 817.000 Euro. Etwa 20 % aller Erwachsenen verfügten dagegen über gar kein Vermögen.


Doch ist es allein die Wirtschaftsordnung, die die Reichen immer reicher werden lässt? Oder ist es auch die Qualität der Vermögensanlage? Eine aktuelle Statistik der Deutschen Bundesbank belegt, dass das Vermögen privater Haushalte (ohne Immobilien und Kunstwerke) im vierten Quartal 2013 um ca. 79 Mrd. Euro auf den historischen Höchstwert von 5,15 Billionen Euro angewachsen ist. 59 % des Vermögensanstiegs (47 Mrd. Euro) ist auf Kursgewinne bei Aktien und Investmentzertifikaten zurückzuführen. Schade nur, dass die wenigsten Deutschen Aktien besitzen. Im letzten Quartal des Jahres 2013 trennten sich die privaten Haushalte per Saldo sogar von Aktien im Wert von 4 Mrd. Euro.


Und dies waren nicht die reicheren Haushalte. Denn laut einer aktuellen Studie des Vermögensverwalters Legg Mason wollen 34 % der deutschen Sparer mit einem Vermögen von mindestens 150.000 Euro ihren Aktienanteil in den kommenden zwölf Monaten erhöhen. Offenbar sind „die Reichen“ bereit, höhere Risiken mit ihren Vermögen einzugehen. Dafür wurden sie aber auch belohnt, auf Jahressicht haben sie laut der Studie eine Rendite von 5,2 % auf ihre Anlagen erzielt. Allein mit Festgeldanlagen wäre dies nicht möglich gewesen. Darum werden also die Reichen immer reicher.
Und für „die reichen Deutschen“ wäre durchaus noch mehr drin gewesen. Denn im internationalen Vergleich, so das Studienergebnis von Legg Mason, ist ihr Anlagestil eher defensiv. Weltweit gesehen macht die Aktienanlage bei vermögenden Sparern 25 % des Vermögens aus, in den USA liegt die Quote bei 41 % und in Deutschland nur bei 19 %.


Also nur Mut. Die Aktienanlage ist kein Privileg der Vermögenden. Doch aufgepasst, Ihr Privatvermögen schafft Begehrlichkeiten und soll künftig auf ein EU-Sparkonto gelockt werden. Die Geschichte muss aber ein andermal erzählt werden.

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus