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5. April 2012   Börse

XING bald unter Kontrolle von Burda?

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Das Karrierenetzwerk XING (ISIN DE000XNG8888) weckt Begehrlichkeiten. Großaktionär Burda hat sich weitere Anteile an dem TecDAX-Unternehmen gesichert und steht offenbar kurz vor einer Übernahme.

Burda bestätigte Mitte März 2012, weitere 9,58 % an XING erworben zu haben. Die neuen Anteile sind allerdings im Rahmen eines Risikobeteiligungsvertrages in Form von Optionen erworben worden. Erst wenn der Medienunternehmer diese Optionen „zieht“ und dafür weitere 520.000 Aktien tatsächlich kaufen würde, wäre eine Übernahmeofferte an die restlichen Aktionäre fällig, da man dann die relevante Schwelle von 30 % überschritten hätte. Denn Burda hält bereits 29,7 % der Anteile am Karrierenetzwerk. Eine komplette Übernahme der dann noch ausstehenden Anteile würde bei einem Aktienkurs von XING bei rund 54 Euro rund 172 Mio. Euro kosten.

Netzwerk soll wachsen
XING hat Anfang März 2012 seine Geschäftszahlen vorgelegt und dabei ein weiteres Wachstum signalisiert. Vorstandschef Stefan Groß-Selbeck kündigte an, die „Instrumente für die berufliche Nutzung“ auszubauen und 100 Arbeitsplätze zu schaffen. Dazu sollen kostenpflichtige Suchfunktionen gehören, die es Unternehmen erleichtern, unter den Millionen XING-Mitgliedern den passenden Kandidaten für eine zu besetzende Stelle zu finden: „So erschließen wir neue Erlösquellen“, verkündete der Vorstandschef. Groß-Selbeck sieht auch für die Zukunft noch viel Potenzial, um das Mitgliederwachstum von XING auszubauen. In seinen Augen kann das Unternehmen die Zahl seiner Mitglieder im deutschsprachigen Raum in den kommenden Jahren sogar verdoppeln. Nach Unternehmensangeben nutzen derzeit mehr als 11 Mio. Mitglieder die Internet-Plattform weltweit für Geschäft, Job und Karriere, davon 5 Mio. im deutschsprachigen Raum.

Belastungen im Jahr 2011

2011 ist das Geschäft von XING allerdings deutlich unter Druck geraten. Durch den Rückzug aus Spanien und der Türkei und die Konzentration auf das Kerngeschäft in den deutschsprachigen Ländern entstand ein Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 14,4 Mio. Euro. Dadurch ist XING im vergangenen Jahr in die Verlustzone gerutscht: Netto verbuchte der Konzern ein Minus in Höhe von 4,6 Mio. Euro. Im Jahr 2010 hatte XING noch 7,2 Mio. Euro verdient. Ohne diesen Sondereinfluss hätte das Unternehmen 2011 nach eigenen Angaben einen Gewinn von 9,4 Mio. Euro erzielt, 31 % mehr als 2010.
Der Umsatz von XING kletterte im Jahresvergleich um 22 % auf 66,2 Mio. Euro. Zufrieden ist das Management vor allem mit seinen Geschäften der Personalsuche, dem sogenannten Social Recruiting – hier stiegen die Erlöse um 65 % auf 11,7 Mio. Euro. Bei den Werbeeinnahmen konnte XING sogar um 35 % auf 5,3 Mio. Euro zulegen. Die Erlöse aus den Gebühren zahlender Mitglieder stiegen um 7 % auf 45,6 Mio. Euro.

Umsatzdynamik kommt gut an
Die zunehmende Umsatzdynamik kommt auch bei den Analysten gut an. Ähnlich wie das Unternehmen selbst rechnen viele Experten damit, dass XING bis zum Jahr 2016 eine Umsatzgröße von über 100 Mio. Euro erreichen wird. Allerdings dürfte das Wachstum auch mit erhöhten Kosten verbunden sein. Besonders im ersten Halbjahr 2012 könnten der geplante Personalaufbau und die erweiterten Vertriebsaktivitäten auf die Marge drücken, meint etwa Jochen Reichert von der Bank MM Warburg. Diese Perspektive deutet zunächst auf ein begrenztes Kurspotenzial der Aktie hin. Und tatsächlich schwankt das Papier seit Anfang Februar um die Marke von 50 Euro herum. Am 17. Oktober markierten sie das Jahreshoch bei 66 Euro. Nachdem das Papier noch Anfang November ein ähnliches Niveau erreichte, ging es anschließend rasant abwärts. Ein eventuelles Übernahmeangebot durch den Medienkonzern Burda könnte dem Papier zu weiterem Auftrieb verhelfen.

Stefan Siebert, Redaktion AnlegerPlus