HAWBannerAnlegerplus03

28. Oktober 2016   Börse

Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Shop Apotheke

Die SHOP APOTHEKE EUROPE N.V. (ISIN NL0012044747), ein niederländischer Versandhändler mit deutschen Wurzeln, hat am 13. Oktober ein gelungenes Börsendebüt im Prime Standard der Frankfurter Börse geschafft. Die SHOP APOTHEKE ist ein Pionier im Versandhandel mit Medikamenten und laut eigenen Aussagen damit führend in Kontinentaleuropa. Angeboten werden im Online-Sortiment verschreibungsfreie Medikamenten und apothekenpflichtige Kosmetika.

Gegründet wurde die SHOP APOTHEKE 2001 von der Kölner Apothekerfamilie Weber. Hinter dem Unternehmen standen bisher das Management und private Investoren. Der stellvertretende CEO Stephan Weber ist von Beginn an im Führungsteam des Versandhändlers. Im Vorstand unterstützt wird er dabei u. a. von Dr. Ulrich Wandel (CFO), der zuvor in leitender Position bei Fresenius und Hoechst tätig war, und dem CEO Michael Köhler, der über 20 Jahre Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie verfügt.

Börsengang soll Wachstum sichern
Mit dem Börsengang sollen ganz klassisch die Mittel für die weitere Wachstumsfinanzierung eingeworben werden. In der Börsenzeitung wird der CFO Dr. Wandel wie folgt zitiert: „Mit den Mitteln aus dem Börsengang schaffen wir es, auf Konzernebene mittelfristig operativ in die schwarzen Zahlen zu kommen und zugleich das Ziel der Marktführerschaft in den relevanten kontinentaleuropäischen Märkten zu erreichen.“

2015 lag der Umsatz der Online-Apotheke bei 125,6 Mio. Euro. Wandel geht aber davon aus, in den nächsten Jahren durchschnittlich um 50 % zu wachsen. In Deutschland, wo die Marktdurchdringung schon recht hoch ist, dürften dieses Wachstum zwar nicht erreicht werden, dafür sieht der CFO in anderen Europäischen Ländern mehr Potenzial. Denn in Kontinentaleuropa liegt der Online-Anteil im Geschäft mit verschreibungsfreien Medikamenten und apothekenpflichtigen Kosmetika gerade einmal bei 2 %, während er in Deutschland bei 13,5 % liegt.

Trotz der Aussichten, mit einem Börsengang neue Volumenmärkte erobern zu können, lag der Ausgabepreis der Shop-Apotheken-Aktien mit 28 Euro am unteren Rand der Preisspanne, die zuvor auf 28 bis 35 Euro festgelegt wurde. In etwa auf diesem Niveau notieren die Aktien auch im Moment und bei einer Gesamtzahl von 9,1 Mio. Aktien ist das Unternehmen an der Börse derzeit ca. 254 Mio. Euro wert.

Die zugeteilten Aktien beim Börsengang resultierten neben 3,6 Mio. neuer Aktien aus einer Kapitalerhöhung aus weiteren 535.700 Aktien aus dem Besitz des Vorstands und befreundeter Investoren, die im Rahmen einer Mehrzuteilung (Greenshoe) platziert wurden. Vorstandschef Michael Köhler, der bisher 29,7 % der Aktien hielt, kommt nach dem Börsengang jetzt nur noch auf einen Anteil von 15,8 %. Insgesamt hat das Unternehmen Aktien im Wert 115 Mio. Euro an die Börse gebracht. Sie gingen zu 99 % an institutionelle Investoren aus Europa und den USA und nur zu 1 % an Privatanleger.

Online-Angebote seit 2004
Wie oben schon erwähnt, gehörte der heutige Marketingchef Stephan Weber 2001 zu den Gründern der SHOP APOTHEKE. Drei Jahre später stieg er in den Versandhandel mit Medikamenten ein. 2010 verkaufte er die Online-Apotheke an die niederländische Europa Apotheek aus Venlo, die damals dem US-Konzern Medco gehörte.

Zwei Jahre später stieg Medco wieder aus, 2015 wurde die SHOP APOTHEKE aus der Europa Apotheek ausgegliedert. Das Unternehmen konzentriert sich seitdem nur noch auf nicht rezeptpflichtige Arzneimittel sowie auf Pflegeprodukte, die nur in Apotheken verkauft werden dürfen. „Unsere Zielgruppe ist die Familie“, beschreibt CFO Wandel das Geschäftsmodell. Hingegen ist der Versand von Medikamenten auf Rezept Sache der Schwesterfirma Europa Apotheek Venlo, die im Wesentlichen den gleichen Eigentümern gehört.

Der Versandhändler mit rund 320 Mitarbeitern bietet sein Produktspektrum nicht nur in Deutschland an, es gibt dieses mittlerweile auch in Österreich, Frankreich und Belgien. Mit der jüngsten Übernahme einer belgischen Online-Apotheke soll der Sprung nach Italien und Spanien gelingen. Die Firma hat nach eigenen Angaben 1,5 Mio. Kunden. Der Umsatz stieg 2015 um fast 50 % auf 125,6 Mio. Euro. Allerdings erhöhten sich in der Folge auch die Verluste von fünf Millionen Euro auf über zehn Millionen Euro.

Fazit
Durch das IPO fließen der SHOP APOTHEKE 100 Mio. Euro an frischen Geldern zu: Damit will das Management weitere Märkte in Europa erschließen (20 Mio. Euro) und die Logistik ausbauen (50 Mio. Euro). Ein Schwerpunkt ist dabei Südeuropa. „Um das zügig tun zu können, gehen wir an die Börse“, sagt Finanzvorstand Ulrich Wandel. Zudem ist geplant, die Kapazitäten in der Logistik zu erweitern und zu automatisieren. Außerdem sollen Gesellschafterdarlehen zurückgezahlt werden (27. Mio. Euro).

Der Online-Handel ist ein Boom-Geschäft mit zweistelligen Wachstumsraten. Der deutsche Gesamtmarkt für Versandapotheken wird auf einen jährlichen Umsatz von 1 bis 1,5 Mrd. Euro und ein Erlöswachstum von 10 % geschätzt. Die SHOP APOTHEKE konnte 2015 ihre Umsätze um 50 % steigern, hat wegen teurer TV-Werbung und Preisrabatte jedoch seine Verluste auch stark ausgeweitet.
Um dieses Wachstum beibehalten und die Markführerschaft in weiteren Ländern sichern zu können, dürften auch in den kommenden Jahren hohe und kostspielige Werbeaufwendungen notwendig werden. Von dem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), welches die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente aufgehoben hat, profitiert man übrigens nicht, da man in diesem Segment nicht aktiv ist.

Die derzeitige Bewertung von 254 Mio. Euro erscheint durchaus ambitioniert, wenn man bedenkt, dass es eine breite Peergroup, in der beispielsweise auch Zalando enthalten ist, auf ein Umsatz-Multiple von 1,27 bringt. Die Bewertung würde sich relativieren, wenn die angestrebten Wachstumsraten tatsächlich erreicht werden können. Davon scheinen einige Analysten auszugehen, die der SHOP APOTHEKE Bewertungen zwischen 339 und 414 Millionen Euro zugestehen. Allerdings: Mitte September wurde der deutsche Wettbewerber Vitalsana (Umsatzprognose 2016: 30 Mio. Euro) vom Kölner Medienhaus Ströer übernommen. Der Kaufpreis betrug lediglich 4,5 Mio. Euro. Doch genauere Details zu dem Kauf sind nicht bekannt und es handelt sich dabei auch um einen „Nachlass“ aus der Schleckerinsolvenz.

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen