Aktienrückkauf einfach erklärt: Das sollten Sie wissen

Aktienrückkauf

Es kommt immer häufiger vor: Börsennotierte Unternehmen kaufen ihre eigenen Aktien. Allein in den letzten Monaten haben zahlreiche namhafte Konzerne aus verschiedensten Branchen einen Aktienrückkauf verkündet. Dazu gehören beispielsweise BioNTech, Shell, Lindt & Sprüngli oder TeamViewer.

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Mögliche Gründe für ein Aktienrückkaufprogramm
  3. Der Ablauf von einem Aktienrückkaufprogramm
  4. Vorteile
  5. Nachteile
  6. Auswirkungen auf die Bilanz
  7. So wirkt sich ein Aktienrückkauf auf den Kurs aus
  8. Was bedeutet ein Aktienrückkauf für Aktionäre?
  9. Aktienrückkauf vs. Dividende: Was ist besser?
  10. Fazit
  11. Aktienrückkauf FAQ

Einleitung

Häufig fließen hohe Summen in Aktienrückkäufe, teilweise geht es in die Milliarden. Nicht nur Anlegerschützer fragen sich, ob die Unternehmen das Geld nicht sinnvoller ausgeben könnten, für Investitionen oder Dividenden. “Aktienrückkäufe können eine gute Option der Aktionärsvergütung darstellen”, sagt Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. Allerdings müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein: “Das ist aus unserer Sicht nur dann der Fall, wenn die Gesellschaft in den vorausgegangenen Jahren bereits angemessene Dividenden an seine Aktionäre gezahlt hat und über eine solide Bilanzstruktur verfügt. Aktienrückkäufe als Ersatz für eine solide Dividendenpolitik lehnen wir genauso ab wie kreditfinanzierte Aktienrückkäufe. Letztere mögen in einer Welt ohne Zinsen interessant sein, dürften aber auf lange Sicht ein hohes finanzielles Risiko für die Gesellschaft mit sich bringen.”

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Mögliche Gründe für ein Aktienrückkaufprogramm

Mit einem Aktienrückkaufprogramm können Unternehmen verschiedene Ziele verfolgen. Die damit einhergehende Verkleinerung des Streubesitzes erschwert (feindliche) Übernahmeversuche. Gleichzeitig können eigene Aktien als Akquisitionswährung für Übernahmen anderer Unternehmen eingesetzt werden. Außerdem können die vom Unternehmen erworbenen Aktien beispielsweise den Mitarbeitern zugutekommen – im Rahmen eines Mitarbeiterbeteiligungs- oder Vorstandsvergütungsprogramms.

Unter diesen Gesichtspunkten hat so ein Programm durchaus seine Berechtigung. Das gilt jedoch aus Anlegersicht eher nicht, wenn es so wirkt, als ob das Unternehmen sonst nicht wüsste, wohin mit seinem Geld. Dann erscheint es sinnvoller, die Dividende direkt zu erhöhen oder – in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie diesen – etwas mehr Liquidität im Unternehmen zu belassen. Im Krisenfall kann es dann schnell gebraucht werden.

Der Ablauf von einem Aktienrückkaufprogramm

Grundlage für ein Aktienrückkaufprogramm ist ein entsprechender Beschluss der Hauptversammlung. Dabei wird auch der Umfang des Programms festgelegt, der maximal 10 % des Grundkapitals über einen Zeitraum von höchstens fünf Jahren umfassen darf. Der Rückkauf erfolgt in der Regel in verschiedenen Tranchen direkt an der Börse.

Vorteile

Aktienrückkäufe haben für Unternehmen und Aktionäre durchaus Vorteile. Der Gewinn je Aktie steigt, selbst wenn die Gesamtprofitabilität stagniert. Dadurch winkt gleichzeitig eine höhere Dividende je Aktie. Das Wertpapier wird also attraktiver, was Kurssteigerungen erhoffen lässt. Am Kapitalmarkt werden Aktienrückkäufe daher häufig positiv gewertet, da das Unternehmen dadurch signalisiert, dass es Vertrauen in die eigene Zukunft hat.

Nachteile

Der Zweck eines Rückkaufprogramms besteht darin, die Aktie durch Verknappung des Angebots attraktiver zu machen. Da kommt schnell der Verdacht auf, dass das Unternehmen keinen strategischen Plan hat, wie es sein Geld sonst investieren sollte. Und selbst dann besteht noch die Möglichkeit, das Geld über eine höhere Dividende den Aktionären direkt zukommen zu lassen. Außerdem kann es sinnvoll sein, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie diesen etwas mehr Liquidität im Unternehmen zu belassen. Im Krisenfall kann es dann schnell gebraucht werden.

Auswirkungen auf die Bilanz

Ein Aktienrückkauf führt in der Regel zu einer Bilanzverkürzung, wenn die zurückgekauften Aktien aus der Kasse bezahlt und anschließend vernichtet werden. Auf der Aktivseite nehmen die liquiden Mittel ab, auf der Passivseite sinkt das Eigenkapital. Dadurch sinkt die Eigenkapitalquote. Wird der Aktienrückkauf mit Krediten finanziert, bleibt die Bilanzsumme gleich. Die Eigenkapitalquote sinkt noch stärker, da nicht nur das Eigenkapital zurückgeht, sondern gleichzeitig das Fremdkapital steigt.

So wirkt sich ein Aktienrückkauf auf den Kurs aus

Nach einem Aktienrückkauf verteilt sich der Marktwert des Unternehmens auf weniger Anteile. Damit ist die einzelne Aktie mehr wert und der Kurs sollte steigen. Das passiert auch häufig, jedoch längst nicht immer. Wie die Börse tatsächlich reagiert, lässt sich eben nicht vorhersehen.

Was bedeutet ein Aktienrückkauf für Aktionäre?

Für Aktionäre besteht bei einem Aktienrückkauf kein Handlungsbedarf. Rein rechnerisch steigt ihr Anteil am Unternehmen. Das kann wie beschrieben Kurssteigerungen und höhere Dividenden zur Folge haben.

Aktienrückkauf vs. Dividende: Was ist besser?

Dividenden wandern direkt aufs Konto des Aktionärs und werden direkt besteuert. Bei ausländischen Aktien fällt dabei häufig noch eine Quellensteuer an. Die bei einem Aktienrückkauf zu erwartenden (aber nicht garantierten) Kurssteigerungen sind dagegen nicht direkt steuerlich wirksam, sondern erst beim Verkauf der Aktien.

Fazit

Ob ein Rückkaufprogramm sinnvoll ist, hängt allerdings zudem von der Ausgangssituation des Unternehmens ab. Es sollte ausreichend Liquidität vorhanden sein, die im Idealfall zusätzlich für Dividenden reicht, und das Unternehmen sollte nachhaltig profitabel sein. Kreditfinanzierte Rückkäufe – durchaus keine Seltenheit – werden meist sehr kritisch gesehen.

Aktienrückkauf FAQ

Was sind Aktienrückkäufe?

Bei einem Aktienrückkauf kauft ein Unternehmen seine eigenen Aktien zurück.

Warum kaufen Unternehmen Aktien zurück?

Mit einem Aktienrückkaufprogramm können Unternehmen verschiedene Ziele verfolgen. So kann z.B. die damit einhergehende Verkleinerung des Streubesitzes (feindliche) Übernahmeversuche erschweren.

Was bringt ein Aktienrückkauf?

Aktienrückkäufe haben für Unternehmen und Aktionäre durchaus Vorteile. So steigt z.B. der Gewinn je Aktie, selbst wenn die Gesamtprofitabilität stagniert.

Ist ein Aktienrückkauf gut oder schlecht?

Tendenziell kann sich ein Aktienrückkauf positiv auf den Kurs einer Aktie auswirken. Außerdem winkt durch ein Rückkaufprogramm zusätzlich durch einen Anstieg des Gewinns je Aktie oftmals eine höhere Dividende.

Was sind die Nachteile bei einem Aktienrückkauf?

Je nach Situation des jeweiligen Unternehmens kann ein Aktienrückkauf mehr oder weniger sinnvoll für ein Unternehmen und die zugrundeliegende Bilanz sein. So werden z.B. kreditfinanzierte Rückkäufe von Experten meist kritisch gesehen.

Was bedeutet ein Aktienrückkauf für Aktionäre?

Aktionäre müssen nichts tun. Kurs und Dividenden könnten sich durch den Rückkauf erhöhen.

Was passiert nach einem Aktienrückkauf mit den Aktien?

Die Aktien werden in der Regel vernichtet. Dadurch sinken das Eigenkapital und die Eigenkapitalquote des Unternehmens.

Foto: © Pixabay

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