Wie sinnvoll ist ein Investment in einen Anleihen-ETF?

Bild mit Holzklötzen die das Wort ETFS abbilden

Claus Hecher, Leiter ETF & Indexlösungen (D/A/CH) bei BNP Paribas Asset Management

Auf dem dynamischen ETF-Markt werden Fonds, die Anleihenindizes abbilden, zunehmend nachgefragt. Zahlen aus Europa und der ganzen Welt belegen: Ende Mai 2021 erreichte der Markt für Anleihen-ETFs in diesen Regionen ein Volumen von 325 beziehungsweise 1.501 Mrd. US-Dollar. Die Entwicklung von ESG-Indizes, die ökologische (E = ecological), soziale (S = social) und die Unternehmensführung betreffende (G = governance) Aspekte einbeziehen, wirkt sich auch hier positiv aus.

Inhalt

  1. Der Markt für Anleihen-ETFs
  2. Liquidität bietet zusätzliches Plus
  3. Ein umfassendes Angebot macht ETFs noch attraktiver
  4. ESG liegt bei Anleihen-ETFs im Trend

Der internationale ETF-Markt ist in den letzten zehn Jahren rasant gewachsen – von 1.355 Mrd. US-Dollar 2011 auf 8.950 Mrd. US-Dollar Ende Mai 2021. Dieser Erfolg ist vor allem auf die Abbildung von Aktienindizes zurückzuführen (über drei Viertel des Weltmarktvolumens Ende Mai 2021).

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Der Markt für Anleihen-ETFs

Anleihen-ETFs kamen später auf als Aktien-ETFs: Bereits 1993 wurde der erste ETF auf Aktienindizes in den USA aufgelegt, der erste börsennotierte Anleihen-Indexfonds folgte erst 2002.

Anleihenindizes basieren für gewöhnlich auf einem deutlich größeren Anlageuniversum als Aktienindizes: mehrere Hundert, ja Tausend Komponenten, von denen einige kaum oder überhaupt nicht liquide sind. Hinzu kommt, dass die meisten Anleihen nicht in Echtzeit an der Börse, sondern außerbörslich gehandelt werden. Dieser wichtige Unterschied zu Aktien erklärt die fast zehn Jahre, die zwischen dem ersten Aktien-ETF und dem ersten Anleihen-ETF liegen.

Liquidität bietet zusätzliches Plus

ETFs bieten Anlegern durch ein besonders diversifiziertes Angebot große Flexibilität bei der Portfolioverwaltung, tägliche Handelbarkeit und Liquidität, die durch mehrere Market-Maker sichergestellt wird.

Anleihen-ETFs ermöglichen es somit, vielseitige Anlagestrategien zu nutzen – mit einem Portfolio, das die erforderlichen Eigenschaften in puncto Credit Rating, Duration und Zinssensitivität aufweist. Dadurch erleichtern ETFs die Anlage in ein breites Spektrum an Anleihen, so etwa in Schwellenländer– und Investment-Grade-Unternehmensanleihen oder auch in Hochzinsanleihen von Unternehmen, die zwar schwach bewertet sind, dafür aber höhere Renditechancen bieten, als dies aktuell beispielsweise bei Staats- oder Investment-Grade-Unternehmensanleihen der Fall ist. Gleichzeitig eignen sich solche Anleihen-ETFs dank der Diversifikation der Indizes besonders gut zur Risikokontrolle.

Das wichtigste Kaufkriterium bleibt jedoch die Liquidität. Traditionell helfen Anleihen-ETFs bei schwacher Marktliquidität, die beim Handel großer Volumina für Anleger noch deutlicher wird, wenn sie alternativ Direktkäufe in Erwägung ziehen. Daneben profitieren ETFs von kontinuierlichen Kursen, die durch Market-Maker ständig aktualisiert werden, sowie einer täglichen Ermittlung des Nettoinventarwerts (aufgrund ihres OGAW/UCITS-Status).

Im Februar und März 2020 machte Covid-19 die Märkte außergewöhnlich volatil. Während einige Marktteilnehmer eine Liquiditätskrise fürchteten (d. h. Unfähigkeit, hohe Verkaufsvolumina in kurzer Zeit aufzunehmen), bewiesen Anleihen-ETFs ihre ausgezeichnete Widerstandsfähigkeit. Auch in dieser schwierigen Zeit konnten Anleger diese Anlageinstrumente weiter handeln. Besser noch: Sie nutzten Anleihen-ETFs mehr als sonst, um ihre Portfolios neu zu positionieren und ihre Allokationen zu überprüfen. Und das, obwohl zahlreiche Anleihen mangels Kauf- oder sogar Verkaufspreisen nicht mehr gehandelt werden konnten.

So konnten ETFs aufgrund ihrer Liquidität und Flexibilität in Krisenzeiten überzeugen. Deshalb nutzen sie Anleger und Fondsmanager regelmäßig, um Engagements aufzubauen, die Indexstrategien geschickt mit der Suche nach Alpha, etwa über aktiv verwaltete Fonds, kombinieren.

Ein umfassendes Angebot macht ETFs noch attraktiver

Der weltweite Anleihenmarkt ist fast dreimal so groß wie der Aktienmarkt. Damit war die Entstehung von Anleihen-ETFs nur natürlich. Ihr Potenzial kam während der Pandemie besonders zum Tragen, unterstützt von einem wachsenden Angebot, sodass mittlerweile erhebliche Volumina gehandelt werden.

In Europa gehörten zum Angebot im Bereich Anleihenindizes Ende Mai 2021 knapp 450 ETFs, wobei sich das verwaltete Vermögen hauptsächlich auf Unternehmensanleihen (30 %), Staatsanleihen (28 %) und Schwellenländeranleihen (14 %) verteilte. Monat für Monat wird das ETF-Angebot ausgebaut, allen voran bei High-Yield- und inflationsgeschützten Anleihen.

ETF-Markt: Entwicklung seit 2006

Der ETF-Markt boomt. Seit 2006 hat sich die Zahl der weltweit verwalteten ETFs mehr als verzehnfacht.

Entwicklung des ETF-Marktes von 2006 bis 2020
Quellen: Thomson Reuters, Lipper, Bloomberg, ETFGI, Statista

Für Anleihen-ETFs sprechen auch Kosten und einfache Handelbarkeit: Ihr Kauf ist im Allgemeinen günstiger als der einer vergleichbaren Auswahl von Einzelanleihen, erst recht in Zeiten von Marktstress.

Weltweit übertreffen die Volumina von Unternehmensanleihen-ETFs inzwischen diejenigen von Staatsanleihen-ETFs.

Da die Anleger auf der Suche nach höheren Renditen sind, als traditionelle Unternehmensanleihen-ETFs bieten können, verzeichneten ETFs auf Schwellenländeranleihen mit 3,8 Mrd. US-Dollar seit Anfang 2021 die höchsten Nettozuflüsse.

ESG liegt bei Anleihen-ETFs im Trend

Ebenso wie bei Aktien-ETFs sind soziale und ökologische Kriterien bei Anleihen-Investments zunehmend wichtig für Anleger. Daher werden zunehmend nachhaltigen Unternehmensanleihen-ETFs (ESG/SRI) aufgelegt (SRI = Socially responsible investing/sozial verantwortliches Investieren), die auch nicht finanzielle Aspekte berücksichtigen. Aus diesem Grund haben wir bei BNP Paribas Asset Management unser Angebot an Anleihen-ETFs in den letzten beiden Jahren ausgebaut und dabei den Schwerpunkt insbesondere auf SRI-Unternehmensanleihenindizes (unterschiedliche Laufzeiten und High Yield) sowie auf ESG-Indizes staatlicher Emittenten aus der Eurozone und Schwellenländern gelegt.

Dieses Segment entwickelt sich rasant, und das Angebot an ESG-Anleihen-ETFs dürfte sich in den nächsten Jahren weiter vergrößern. So entstehen auf diesem Wachstumsmarkt für Anleger neue Chancen, ihr Portfolio zu diversifizieren.

Bild: © Dzmitry Skazau – istockphoto.com

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