Anleihen-Rendite erklärt: die Besonderheiten inkl. Rechenbeispiel

Anleihen-Rendite

Im zweiten Teil dieser kurzen Renditeserie (Teil 1 handelte über die Aktienrendite) geht es diesmal um Anleihe-Renditen und die Frage, was es mit den Überrenditen von Aktien auf sich hat. In diesem Artikel erklären wir Ihnen mit Hilfe eines Rechenbeispiels was sich hinter dem Begriff Anleihen-Rendite verbirgt.

Einige Renditebegriffe wurden im ersten Teil anhand eines einfachen Aktienbeispiels vorgestellt. Viele der dort vorgenommenen Berechnungen lassen sich auf andere Anlageklassen übertragen, etwa auf Anleihen mit ihrer prozentualen Notierung und periodischen Kupons. 

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Inhalt

  1. Besonderheiten bei Anleihenrenditen
    1. Szenario 1
    2. Szenario 2
  2. Überrendite & Alpha

Die Besonderheiten bei der Anleihen-Rendite

Doch es gibt verschiedene Besonderheiten, die die Anlageklasse Anleihe von der Aktie unterscheidet. Anders als Aktien haben Anleihen eine feste Laufzeit, zu deren Ende das Investment der Anleger abgesehen von einem möglichen Ausfall der Anleihen wieder ausgezahlt wird. Zudem sind Kupons, also die Zinszahlungen, zu bestimmten Zeitpunkten festgelegt. Deshalb lassen sich die einzelnen Renditen schon im Voraus ermitteln und präzise Effektivverzinsungen angeben, die den erwarteten Renditen bis zur Fälligkeit entsprechen.

Trotzdem kann es auch bei Anleihen während der Laufzeit zu Kursschwankungen der Notierung kommen, wenn sich etwa die Zinsen am Markt oder die Einschätzungen der Marktteilnehmer zur Bonität des Emittenten verändern. Anhand zweier Szenarien wollen wir uns die Anleihen-Rendite genauer ansehen.

Anleihen-Rendite: Szenario 1

Angenommen, eine Unternehmensanleihe wird zu 100 % ihres Nennwerts gehandelt, hat einen Kupon von 4 % und eine Restlaufzeit von einem Jahr. Die jährliche Verzinsung beträgt damit 4 % (nominale Jahresrendite = 4/100). Bei einer gleichzeitigen Inflationsrate von 5 % würde die reale Rendite also −1 % betragen (= nominale Jahresrendite abzgl. Inflationsrate). 

Anleihen-Rendite: Szenario 2

Steigt jedoch der Marktzins oder verschlechtert sich die Bonität des Unternehmens, könnte die Notierung der Anleihe zum Beispiel auf 98 % fallen. Für einen neuen Anleger würde die nominale Jahresrendite nun 6 % [= (4 + 2)/98] bzw. real 1 % (= 6% − 5%) betragen, wenn die Anleihe in einem Jahr zu 100 % getilgt wird. Dabei handelt es sich jeweils um die sogenannten Bruttorenditen, die sich noch um Gebühren und Steuern auf Nettorenditen reduzieren.

Überrendite & Alpha

Neben den bisher genannten Renditebegriffen gibt es noch ein besonderes Konzept, die Überrendite. Diese erzielten Aktieninvestments in der Vergangenheit im Vergleich zu Staatsanleihen, was auch als Aktienrisikoprämie bezeichnet wird. 

Langfristig war die Aktienrisikoprämie positiv. Aktienanleger wurden vom Markt damit für die mit der Aktienanlagen verbundenen Risiken entschädigt. Aber in einigen, mitunter viele Jahre andauernden Zeiträumen wiesen Staatsanleihen höhere Renditen auf. In diesen Zeiträumen fiel die Aktienrisikoprämie also negativ aus. Deshalb waren Portfolios, die sowohl Aktien als auch Anleihen beinhalteten, im Renditeverlauf besonders stabil und langfristig kaum zu schlagen.

Die Aktienrisikoprämie zielt also auf den gesamten Markt in der Breite ab. Es gibt aber noch eine andere Überrendite, nach der besonders die aktiven Anleger suchen, das sogenannte Alpha. Damit ist eine Überrendite gemeint, die sich nicht durch systematische Risikofaktoren am Markt erklären lässt, also davon unabhängig ist. Meist sind diese bei Aktien zu finden, die besonders stark steigen. Doch im Detail ist es etwas komplizierter, da die Renditen adjustiert um das Risiko betrachtet werden und dies je nach verwendetem Modell variiert.

Eine einfache Annäherung an das mit einer Aktie verbundene Risiko ist die Volatilität ihrer Tagesrenditen. Steigt eine Aktie an einem Tag um 7 %, während der breite Markt gleichzeitig nur um 5 % zulegt, und weisen sowohl die Aktie als auch der Markt eine identische Volatilität auf, würde sich ein Alpha von 2 % für die Aktie ergeben (einfachstes Modell). Das Problem ist aber wie häufig der Betrachtungszeitraum: Das Alpha kann kurzfristig (also z. B. an einem Tag) positiv und auf längere Sicht gleichzeitig negativ sein.

Dieser Artikel stammt aus der AnlegerPlus-Ausgabe 6/2022.

Hier geht’s zum Blog von Dr. Marko Gränitz.

Foto: © unsplash.com

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