Das Versagen der politischen Eliten

Dr. Markus Krall

Dr. Markus Krall

Elitenversagen. Schon der Begriff ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Elite sollte, richtig verstanden, die Krone der Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft sein. Man spricht von akademischen Eliten, Leistungseliten, Unternehmereliten und … politischen Eliten. Elite ist von der Begrifflichkeit her die Verkündung eines Anspruchs. Dieser Anspruch formuliert Führung durch Leistung. Seine Basis ist die Meritokratie, die Herrschaft der Verdienstvollen.

Und das ist des Pudels Kern. Was unser Land in seiner politischen Klasse vorzuweisen hat, ist nicht nur die Verweigerung des meritokratischen Gedankens, sondern die Negativauswahl seiner tonangebenden Köpfe. Diese hat ihren ideologischen Ursprung in der sozialistischen Gleichmacherei. Die Gleichmacherei findet ihre tragfähige Mehrheit vor allem unter den Minderleistern, den intellektuellen Nachzüglern, nicht so fleißigen, aber dafür mit um so größerem konsumtivem Anspruchsdenken gesegneten Mitgliedern der Gesellschaft.

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Diese Gruppe gab es zu allen Zeiten. In einer meritokratisch ausgerichteten freien Marktwirtschaft werden sie aber von den Umständen zur Anpassung gezwungen, da sie sonst kein auskömmliches Leben führen können. Das ist nicht nur gut für die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch für die betroffenen Individuen, da es sie zu charakterlichem und leistungsorientiertem Wachstum ihrer Persönlichkeit zwingt.

Aber zu allen Zeiten waren diese Personen auf der Suche nach der ökologischen Nische, die es ihnen erlaubte, ihren Mangel an Disziplin, Fleiß und ihre Denkfaulheit zulasten anderer auszuleben. Neu ist, dass es heute eine ökologische Nische für diesen Personenkreis gibt, der es ihnen nicht nur ermöglicht, dies zu erreichen, sondern es zu kultivieren und durch eine Negativauswahl das meritokratische Prinzip in sein Gegenteil zu pervertieren.

Diese ökologische Nische ist die Politik, genauer: Es ist die politische Klasse einer von der Parteienherrschaft gekaperten parlamentarischen Demokratie. Ihre Funktionsweise ist einfach beschrieben, denn sie folgt institutionenökonomischen Gesetzen. Es gibt zwei Hauptquellen der Negativauslese. Da ist erstens die für Politiker nicht bestehende Notwendigkeit einer ihrer Verantwortung adäquaten Ausbildung. Die Politiker halten sich für fähig, jedes Amt auszuüben, und sie tun das mit überbordendem Selbstbewusstsein, das nur intellektuelle Komplettausfälle überhaupt ihr Eigen nennen können.

Für die wirtschaftlichen Leistungsträger ist jedoch das Konkurrieren gegen eine Mehrheit von Minderleistern in den Parteien, die systematisch jedes Aufblitzen von Intelligenz mit einer Wagenburg der Inkompetenten abwehren, keine attraktive Alternative.

Für einen aufgeklärten Selberdenker mit Rückgrat gibt es als zweites Haupthindernis das Listensystem der Parteien. Wer gegen die korrupte, raffgierige und inkompetente Parteiführung aufmuckt, wer sich eine eigene Meinung leistet, wer sich dem Hochverrat hingibt, Abstimmungen im Parlament nach seinem Gewissen zu entscheiden, der wird aussortiert und fristet ein Leben unterhalb des Hinterbänklertums.

Inkompetenz und Rückgratlosigkeit sind also keine Karrierehindernisse, sondern Karrierebooster in diesem System. Das Ergebnis können wir live und in Farbe besichtigen: U. a. einen Bankkaufmann, der als Gesundheitsminister mit Sondervollmachten die Wirtschaft ruiniert, einen Wirtschaftsminister, der Planwirtschaft und Industriepolitik für marktwirtschaftliche Ordnungspolitik hält, einen Finanzminister, der die Grundrechenarten ganz offensichtlich nicht beherrscht, eine entgleiste Einwanderungspolitik, ruinierte Staatsfinanzen, ein Mittelstand im freien Fall, eine nicht mehr für die Leistungsträger tragbare Steuerlast und eine Spaltung der Gesellschaft.

Aber Elitenversagen ist es wohl nicht, da es sich nicht um eine Elite handelt, die dieses Land regiert.

Kurzvita

Dr. Markus Krall arbeitete 30 Jahre in leitender Funktion der Beratungs- und Finanzwirtschaft in 40 Ländern für einige der Top-20 Finanzinstitutionen der Welt. Seit 2019 ist er CEO der Degussa Goldhandel.

Seine Bücher „Der Draghi-Crash“, „Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen“ und „Die Bürgerliche Revolution“ finden sich auf zahlreichen Bestsellerlisten.

Er ist Mitglied des päpstlichen Ritterordens, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Mitglied der Hayek Gesellschaft und Träger des Roland-Baader-Preises 2020.

Bild: privat

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