Für ein Volk von Eigentümern

Mann mit Anzug und Brille

Frank Schäffler

Großen Teilen der deutschen Bevölkerung ist die Anlage von Vermögenswerten in Aktien nach wie vor suspekt. Dabei sind Aktien langfristig die erfolgreichste Anlageklasse. Schuld an der mangelhaften Aktienkultur trägt auch der Staat. Das muss sich ändern!

Derzeit halten nicht einmal 20 % der Bürger in Deutschland Aktien oder Fonds. Dabei ist die Aktie langfristig die mit Abstand erfolgreichste Anlageklasse. Wer in den letzten 20 Jahren regelmäßig in den Deutschen Aktienindex investiert hat, konnte eine durchschnittliche Rendite von 8,8 % pro Jahr erzielen.

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Ein Sparer, der seit 1977 jeden Monat 25 Euro in einen Investmentfonds eingezahlt hat, der den Deutschen Aktien Index abbildet, hätte bei einer für diesen Zeitraum durchschnittlichen jährlichen Rendite von 8,3 % ein angespartes Vermögen von 103.000 Euro erzielt. Wer stattdessen sein Geld bei einem Durchschnittszins von einem Prozent auf das Sparbuch gelegt hat, der hat lediglich 15.650 Euro (also 87.350 Euro weniger) erzielt. Und auch eine Lebensversicherung, die Beiträge im Durchschnitt mit 3 % verzinst, käme lediglich auf 25.200 Euro (77.800 Euro weniger).

Somit ist der Staat gleich doppelt dafür verantwortlich, dass die deutsche Bevölkerung zu wenig Geld und zu renditeschwach anlegt. Auf der einen Seite verlieren die Sparer in Zeiten der staatlich induzierten Null- und Negativzinsen auf Bankeinlagen real wie nominal Geld, wenn sie versuchen, via Sparbuch vorzusorgen. Auch mit Staatsanleihen lässt sich derzeit nur eine kleine oder sogar negative Rendite erzielen. Gleiches gilt für Lebensversicherungen und sogenannte Riester-Renten, welche aus regulatorischen Gründen stark in festverzinsliche, aber renditeschwache Werte investieren müssen. Die Inflation eingerechnet kommt es so jährlich zu einem realen Vermögensverlust. Eine Vermögensbildung via zinsbasierten Wertanlagen ist zunehmend unmöglich.

Auf der anderen Seite wird das Investieren in Aktien von staatlicher Seite erschwert. Mit der von der Bundesregierung geplanten „Finanztransaktionssteuer“, die eigentlich eine Aktienstrafsteuer ist, wird Eigeninitiative sogar noch weiter bestraft und privater Vermögensaufbau unnötig erschwert.

Anstelle dessen sollte sich die Bundesregierung für Maßnahmen einsetzen, die die Aktienkultur in Deutschland fördern. Kursgewinne von Aktien, Aktienfonds und ETFs sollten zum Beispiel nach einer Haltedauer von fünf Jahren steuerfrei vereinnahmt werden können. Und um bei Riester-Fondsrenten wieder eine höhere Aktienquote zu ermöglichen, könnte künftig die verpflichtende Beitragsgarantie entfallen.

Denn wer sich heute ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlässt, akzeptiert die Armut im Alter – Grundrente hin oder her.

Leider wird gerade in unruhigen Zeiten wie diesen sich in letzter Instanz gerne auf den Staat verlassen. Seien es Hilfspakete in allen möglichen Ausführungen oder immer niedrigere Zinsen der Zentralbank. Dabei ist der Staat, gerade wenn es um Vermögensfragen geht, nicht der beste Ansprechpartner. Wichtig ist, sich von dem Irrglauben zu lösen, dass sich der Vermögensaufbau statisch entwickelt und man sich dabei auf den Staat verlassen kann. Seine Minderleistung rechtfertigt der Staat mit seiner fast unbegrenzten Kreditwürdigkeit als Schuldner. Doch diese Illusion gilt es zu überwinden: Denn der Markt mag volatil sein und seine Launen haben – er hat aber auch seine Dynamiken, die langfristig nach oben zielen. Die Statik des Staates dagegen wirkt zwar bodenständig und stabil, ist aber vor allem zäh und bisweilen näher am Treibsand als am Granit.

Daher ist es umso wichtiger, ein anlegerfreundliches Klima zu schaffen und die Aktie als Anlageoption zu stärken. Nur so werden wir langfristig ein Volk von selbstbestimmten Eigentümern.

Zum Autor

Kurzvita: Frank Schäffler, Jahrgang 1968, stammt aus Bünde in Ostwestfalen-Lippe, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Diplombetriebswirt (FH) war von 2005 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und ist es seit 2017 erneut.

Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Steuern und Finanzen“ der Fraktion der Freien Demokraten im Bundestag. Er ist Gründer und Geschäftsführer des klassisch-liberalen Think-Tanks „Prometheus – Das Freiheitsinstitut gGmbH“.

Foto: © Michael Szopieray (BTW MARKETING)

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