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12. Februar 2018   INVESTMENT

Aktienrückkäufe liegen im Trend

AktienFinal2

Aktienrückkäufe werden immer beliebter, auch in Deutschland. Das Instrument dient der Kurspflege und soll Investoren binden. Doch Aktienrückkäufe können auch ihre Schattenseiten haben, z. B. dann, wenn dadurch Geld gebunden wird, das für dringend notwendige Investitionen benötigt wird. Außerdem muss bei jedem Programm die Frage gestellt werden, ob es nicht sinnvoller wäre, das Geld direkt an die Anleger auszuschütten.

Deutsche Konzerne haben 2017 so viel Geld für Aktienrückkäufe ausgegeben wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Nach einer Studie des Flossbach von Storch Research Institute kauften Unternehmen aus dem DAX und MDAX bis September 2017 Aktien im Wert von mehr als 4,2 Mrd. Euro zurück. Darunter befanden sich bekannte Namen wie die Allianz, Munich Re, Siemens, GEA, Adidas, Osram, SAP und Deutsche Börse.

Grund für das steigende Interesse ist die gute Konjunktur. Diese verhilft den börsennotierten Unternehmen zu mehr Liquidität. Diese könnte direkt über Dividenden an die Anleger ausgeschüttet werden. Oder aber man steckt die Liquidität in ein Aktienrückkaufprogramm und hofft darauf, dass dadurch die Aktienkurse steigen oder Kursrücksetzer vermieden wären. Das käme dann wieder den Aktionären zugute.

Für die zurückgekauften Aktien gibt es unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten. Sie können eingezogen und dann aus dem Verkehr gezogen werden. Dadurch verringert sich die Anzahl der Aktien, der Gewinn verteilt sich künftig auf weniger Anteilsscheine, ebenso der Unternehmenswert. Die zurückgekauften Aktien können aber auch als Akquisitionswährung beispielsweise bei Firmenübernahmen eingesetzt werden. Oder sie finden Verwendung im Rahmen einer aktienbasierten Mitarbeitervergütung.

Kosmetik für den Aktienkurs
Werden die Aktien eingezogen, verringert sich wie beschrieben die Anzahl der ausgegeben Anteilsscheine eines Unternehmens. Somit steigen der Gewinn und die Ausschüttung je Aktie (sofern die Gewinne nicht insgesamt fallen oder die Ausschüttungen oder die Ausschüttungsquote gekürzt werden). Diese Kennzahlenverbesserungen sollen dann den Aktienkurs beflügeln. „Es gibt den fundamentalen Aspekt durch den Anstieg des Gewinns je Aktie und einen markttechnischen durch die höhere Nachfrage“, erläutert Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut.

Steigende Gewinne sind der beste Nährboden für einen Aktienrückkaufplan. „Es gibt hier von der Konjunktur getriebene Zyklen“, sagt Philipp Immenkötter, Analyst beim Institut des Vermögensverwalters Flossbach von Storch. In einer Rezession sind Wertpapiere zwar billiger, doch es fehlt den Unternehmen an Geld. „Mit dem Wirtschaftswachstum können sie Geld für Rückkäufe anhäufen“, erläutert Immenkötter.

Trotz der guten Konjunkturlage sind die Aktienrückkaufwerte in Deutschland derzeit allerdings deutlich von ihrem Rekordwert im Jahr 2008 entfernt. Im Boom vor der globalen Finanzkrise investierten 16 deutsche Konzerne stolze 16,9 Mrd. Euro in so genannte Buybacks. Von den 80 DAX- und MDAX- Unternehmen erwarben 2017 dagegen nur sechs Aktien zurück – weniger als 10 %.

Verluste durch Finanzkrise
Der Grund hierfür: Im vergangenen Zyklus hatten sich viele Konzerne an den Rückkäufen die Finger verbrannt. Als nach den hohen Rückkäufen durch die Finanzkrise die Aktienkurse einbrachen, führte dies zu heftigen Verlusten im Eigenbestand der Aktien. „Das war ein Dämpfer für die Entwicklung einer Rückkaufkultur“, resümiert Finanzexperte Immenkötter. In den vergangenen Jahren lagen die Unternehmen mit ihrem Timing nun besser. Dank des schon lange anhaltenden Börsenbooms machen sie laut Flossbach-Studie seit 2011 ein gutes Geschäft.

Die gute Konjunkturlage könnte den Trend zu Aktienrückkäufen noch verstärken. Nach wie vor halten sich Konzerne mit Investitionen zurück. Höhere Barbestände lohnen sich für sie aber nicht, da oft Strafzinsen fällig werden. Und bei der Dividendenpolitik wollen die meisten Firmen ihre langfristige Strategie nicht über Nacht ändern. Schon allein deswegen, um für die Folgejahre keine zu hohe Erwartungshaltung aufzubauen. Anderseits könnten die sprudelnden Gewinne verstärkt in Übernahmen fließen – durch die Niedrigzinsen sind Kredite weiterhin günstig. Übernahmen sind aber nur sinnvoll, wenn die Kandidaten zum eigenen Unternehmen passen und der Erwerbspreis nicht zu teuer ist. Nachdem inzwischen aber viele Nachfrager und viel Liquidität auf dem Markt sind, haben die Preise der potentiellen Akquisitionen ein ambitioniertes Niveau erreicht.

Geld fehlt für Investitionen
Anleger reagieren zumeist positiv auf Aktienrückkaufprogramme. Viele sehen darin einen Hinweis dafür, dass die Unternehmenslenker, die ihr Unternehmen schließlich genauestens kennen, die Aktien des Unternehmens für unterbewertet halten und gleichzeitig die wirtschaftlichen Aussichten des Unternehmens positiv einschätzen.

Andere Anleger wiederum bewerten einen Aktienrückkauf eher negativ: Das Geld werde lieber ausgegeben, anstatt es zu investieren. Das könnte u. U. auch bedeuten, dass das Management keine Ideen für eine Weiterentwicklung des Unternehmens hat. Und wer sich nicht weiterentwickelt, der wächst nicht und kann seine Gewinne nicht steigern. Das sind aber genau die Faktoren, die den Aktienkurs beflügeln. Diese „lahmen Flügel“, so die Kritiker, sollen durch den Aktienrückkauf kaschiert werden.

Ob sich der Trend hin zum Aktienrückkaufprogramm fortsetzen wird, könnte derzeit von psychologischen Faktoren abhängen. „Entscheidend ist, ob die jüngsten Rückkauferfolge oder die schlechten Erfahrungen aus der Finanzkrise schwerer wiegen“, glaubt Immenkötter. Wer an die positive Wirkung von Aktienrückkaufprogrammen glaubt, der muss dabei nicht auf Einzelwerte zurückgreifen, sondern kann eine derartige Anlagestrategie über ETFs abbilden (siehe Tabelle).

ETFs mit Anlagestrategie „Aktienrückkäufe“

 ETF

 WKN

 Kosten

 Replikation

 Art

 Amundi MSCI Europe Buyback

 A14V4W

     0,30%

 synthetisch

 thesaur.

 Amundi S&P 500 Buyback 

 A14MC4

     0,15%

 synthetisch

 thesaur.

 iShares US Equity Buyback Achievers

 A12DPR

     0,55%

 physisch

 thesaur.

 PS Global Buyback Achievers

 A114UD

     0,39%

 physisch

 aussch.

Quelle: Deutsche Börse

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus



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