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5. September 2018   Investmentstrategie

Aktienrückkäufe - Wohin mit dem ganzen Geld?

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Im Jahr 2008 erreichten die Aktienrückkäufe der Unternehmen aus dem DAX und dem MDAX ihren bisherigen Höhepunkt. Was sind die Beweggründe für Aktienrückkäufe und kann man daraus eine Anlagestrategie entwickeln?

 

Die Allianz hat es getan, Siemens ebenfalls und auch die Münchner Rück. Die Rede ist von Aktienrückkäufen. Die Allianz hat beispielsweise zwischen Februar 2017 und Mai 2018 5 Mrd. Euro in den Rückkauf eigener Aktien investiert. Bis Ende September sollen nochmals 1 Mrd. Euro an der Börse eingesetzt werden.

 

Unter den großen deutschen Aktiengesellschaften sind die genannten drei DAX-Vertreter keine Einzelfälle. 2017 gaben die Unternehmen aus dem DAX und MDAX laut einer Analyse des Vermögensverwalters Flossbach von Storch 6 Mrd. Euro für Aktienrückkäufe aus. 2018 könnte dieser Wert auf 8. Mrd. Euro ansteigen. 2008, und das war gleichzeitig auch das Rekordjahr bisher, lag dieses Volumen bei 16,9 Mrd. Euro.

Im Vergleich zu den USA ist selbst diese Rekordsumme verschwindend gering. Allein der Apple-Konzern hat zwischen April und Juni 2018 Aktien im Wert von 23,5 Mrd. US-Dollar zurückgekauft. Die Goldmann-Sachs-Analysten rechnen für die im S&P-500-Index notierten Unternehmen 2018 mit Rückkaufprogrammen in Höhe von 650 Mrd. US-Dollar!

 

Aktienkurspflege für Anteilseigner

Was sind die Beweggründe der Unternehmenslenker, so viel Liquidität statt in den Ausbau des Geschäfts in den Erwerb eigener Aktien zu investieren? In den allermeisten Fällen (abgesehen vom Erwerb eigener Aktien für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme) dürfte es dabei um Kurspflege gehen. Kauft eine Firma eigene Anteile zurück und zieht diese danach ein, verteilt sich der zukünftige Gewinn auf weniger Aktien, der Gewinn pro Aktie steigt. Ein weiterer positiver Effekt, die Ausschüttung pro Aktie kann angehoben werden, ohne dass dafür im Vergleich zum Vorjahr mehr Kapital ausgeschüttet werden muss. Dies macht die Aktie wiederum für neue Anleger attraktiver, was zu einer höheren Nachfrage und steigenden Kursen führt. Natürlich stützt auch die Nachfrage durch die Rückkäufe die Kurse.

 

In Zeiten, in denen die Liquiditätshaltung die Unternehmen aufgrund von Negativzinsen Rendite kostet, scheint der Aktienrückkauf durchaus Sinn zu machen. Wobei ein ewiger Streit zwischen Befürwortern und Kritikern herrscht, ob das Geld nicht besser in Form von Ausschüttungen direkt an die Aktionäre ausgezahlt werden sollte. Aber eine weitere Frage stellt sich in dem Zusammenhang natürlich: Warum wird die Liquidität im Unternehmen nicht genutzt, um Investitionen, Akquisitionen oder Schuldentilgungen etc. zu finanzieren? Hält das Management seine eigenen Geschäftsfelder für nicht mehr interessant? In diesem Fall wäre ein Rückkaufprogramm eher ein Kontraindikator.

 

Wirklich wertschaffend sind Aktienrückkaufprogramme, wenn die Rückkäufe zu Kursen stattfinden, die unter dem inneren Wert der Aktie liegen. Tatsächlich zeigt sich für Deutschland jedoch, dass Aktien häufig dann vom Unternehmen erworben werden, wenn die Geschäfte brummen und die Aktie gerade vermutlich nicht unterbewertet ist. Sollte später wieder Kapital benötigt werden und Aktien zu einem niedrigeren Kurs ausgegeben werden müssen, ist das der Supergau. So geschehen bei Daimler zwischen 2007 und 2008. Man kaufte damals 100 Millionen Aktien zu einem Mittelkurs von 62 Euro zurück. Nur um diese knapp ein Jahr später wieder zu 20 Euro an den Staatsfonds von Abu Dhabi zu emittieren – unterm Strich ein Verlust von 4,2 Milliarden Euro.


Aktienrückkaufstrategie: ETF-Lösungen

Fondsname Typ Lauf. Kosten Perf. 3 J. AP-Fondsdepot*
Amundi MSCI Europe Buyback s/t 0,30 % -

-

Amundi S&P 500 Buyback s/t 0,15 % 35,21 % verfügbar
iShares US Equity Buyback Achievers s/t 0,55 % 31,23 % verfügbar
Invesco Global Buyback Achievers p/a 0,39 % 26,31 % verfügbar
Anmerkungen: S = synthetisch, p = physisch, t = thesaurierend, a = ausschüttend
Quelle: Börse Frankfurt, Emittenten, finanzen.net
Stand: 21.8.2018
Anzeige: *Anleger können Fondsanteile über das kostengünstige AnlegerPlus Fondsdepot erwerben. Weitere Informationen unter anlegerplus.de/fondsdepot.

 


Umsetzung einer Investmentstrategie

Da Aktienrückkaufprogramme von Investoren gerne schon im Vorfeld bei Ankündigung in Form steigender Kurse gefeiert werden und später dann die o. g. Nachfragemaschinerie in Gang kommen kann, lässt sich daraus eine Anlagestrategie entwickeln. Beispielsweise könnte man sich gezielt Unternehmen aussuchen, die für ein derartiges Programm infrage kommen. Ein solches Stockpicking ist jedoch anspruchsvoll. Leichter ist es, die Anlagestrategie passiv über ETFs umzusetzen.

 

Von den aktuell vier gelisteten ETFs mit Aktienrückkaufstrategie (siehe Tabelle) konzentrieren sich drei auf den amerikanischen Aktienmarkt. Dort liegt nicht nur das Rückkaufvolumen höher, sondern aktuell begünstigt die Unternehmenssteuerreform der Regierung Trump die Rückkaufwelle. Allerdings trägt der Investor in diesem Fall ein Währungsrisiko.

Mit den zwei ETFs von iShares und Invesco kann man jeweils voll replizierend in den Index NASDAQUS Buyback Achievers Select investieren. Der Index enthält global tätige US-Firmen, die in einem gleitenden Zwölfmonatszeitraum netto mindestens 5 % ihrer Aktien zurück gekauft haben.

 

Wer lieber in Europa investiert, kann sich bei Amundi bedienen. Der Amundi MSCI Europe Buyback ETF versucht, die Wertentwicklung des MSCI Europe Equal Weighted Buyback Yield nachzubilden. In diesen Index werden diejenigen Aktien gleichgewichtet aufgenommen, die im MSCI-Europe-Index enthalten sind und in den zwölf Monaten vor der letzten Neuzusammenstellung des Rückkauf-Index die höchste Aktienrückkaufquote aufgewiesen haben. Leider gibt es diesen ETF nicht als vollreplizierende Version.  

 

 

Christoph Richter, Redaktion AnlegerPlus



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