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15. Oktober 2018   MARKT & WERTE

Alles in der Familie – Teil 4 –

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Der vierte Teil unserer Serie zu familiengeführten Unternehmen führt uns zur Erfolgsstory von Sixt. Diese ist eng mit dem langjährigen Firmenlenker Erich Sixt verbunden.

„Ein tolles Auto zu einem vernünftigen Preis fahren.“ Mit diesem Vorsatz hat Erich Sixt in seiner fast 50-jährigen Zeit als Firmenchef den Namen Sixt als internationalen Inbegriff für Autovermietung etabliert. Aus 200 Fahrzeugen, die der Sohn eines Münchener Fuhrunternehmers und einer Wienerin im Jahr 1969 von seinem Vater übernahm, wurde ein Unternehmen, das in rund 120 Ländern aktiv ist und mehr als 230.000 Modelle im Fuhrpark hat.

In einer umkämpften Branche mit Wettbewerbern wie Europcar, Hertz oder Avis ist Sixt der mit Abstand profitabelste Akteur. Das hat verschiedene Gründe: Sixt hat sich frühzeitig mit Hotels und Fluggesellschaften weltweit vernetzt und Niederlassungen an allen deutschen Flughäfen eröffnet. Die sprudelnden Einnahmen aus dem Geschäft in Deutschland nutzt man wiederum konsequent, um die Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu verringern.

Wachstum und Innovation

Aktuell beläuft sich der Auslandsanteil am Konzernumsatz auf 53 %. Für 2019 ist die Zielmarke von 60 % anvisierte. Im Zeitraum Januar bis Juni 2018 legte der Auslandsumsatz um 18 % zu und damit deutlich mehr als im Inland. Dort kommt Sixt auf einen Marktanteil von 35 % und verbesserte die Erlöse zuletzt um 6,2 %. Diese Tendenz sollte sich im gerade beendeten dritten Quartal fortgesetzt haben, denn besonders in den Urlaubsmonaten machen sich die Investitionen der vergangenen Jahre in Länder wie Spanien, Italien oder Frankreich bezahlt.[HR1] 

Ganz stark im Kommen ist Sixt im weltweit größten Markt für Autovermietungen, den USA. Spätestens 2025 will das Unternehmen dort mindestens eine Milliarde US-Dollar Umsatz machen und dabei so hohe Gewinnmargen wie in Europa einfahren. 2017 lag der Umsatz in den USA bei 322 Mio. Euro. Das entspricht einem Umsatzanteil von 14 %. Konzernlenker Erich Sixt sieht die USA außerdem als „fantastischen Wachstumsmarkt“ für neue Geschäftsfelder.

Dazu zählt die neue App mit dem Arbeitstitel „Projekt 1“. Diese soll Autovermietung, Carsharing sowie Chauffeurservice aus einer Hand anbieten. Hier entwickeln die hauseigenen Programmierer Algorithmen, welche von selbst erkennen, wo und zu welchem Zeitpunkt die größte Nachfrage an Fahrzeugen besteht. Damit, so Sixt, lassen sich Fahrzeuge überall zur minuten-, stunden, tage- oder wochenweisen Anmietung per Smartphone anbieten.

An den Start gehen könne diese App „noch in diesem Jahr.“ Bis Jahresende sollen 40.000 Sixt-Autos in Deutschland über eine App anzumieten sein. Das sind laut Sixt weit mehr Fahrzeuge als alle Carsharing-Anbieter zusammen anbieten. Überhaupt verspricht sich Sixt vom App-Service eine höhere Rendite als mit dem Carsharing. Darüber hinaus versucht Sixt, unter dem Stichwort „Mobility as a Service“ Unternehmen davon zu überzeugen, anstatt auf klassische Dienstwagen zunehmend auf Mobilitätsdienstleistungen zu setzen.

Rund 100 Mo. Euro fließen in den nächsten fünf Jahren in die Digitalisierung und Ausrüstung der Mietwagenflotte mit Telematik. Finanziert werden diese Projekte aus den Mittelzuflüssen, die Sixt aus dem Verkauf seines Anteils am Carsharing-Anbieter DriveNow an Partner BMW im Januar erzielte.

Elektroautos lehnt Erich Sixt dagegen derzeit ab, zu teuer, zu wenig Reichweite, die Hauptargumente. Wichtige Rohstoffe wie Kobalt für die Batterien seien in chinesischer Hand, zudem verschlinge der Aufbau der Lade-Infrastruktur viel Geld. Jedoch: „Wenn ich mich täusche, kaufen wir so viele Elektroautos, wie der Kunde will“, zeigt sich der CEO flexibel.

Der Gewinn bleibt in der Familie

Den Sondereffekt von 2018 aus dem Verkauf der DriveNow-Anteile herausgerechnet, erwarten die Analystenschätzungen für die nächsten drei Jahre ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 10 %. Wem das aktuelle 2019er-KGV von 20 als hoch erscheint, sollte sich vor Augen führen, dass Sixt zuletzt die Prognosen zuverlässig übertroffen hat. Für die Firma spricht auch die hohe Rentabilität. Während der Umsatz von 2014 bis 2017 um 56 % zulegte, schnellte der operative Gewinn im selben Zeitraum um fast das Dreifache auf 356,9 Millionen Euro nach oben.

Eine Schlüsselfrage bei Investoren ist, wie sich die Firma weiterentwickelt, wenn der inzwischen 74-Jährige Erich Sixt die Führung abgibt. Bei Fragen zu seiner Zukunft, sein aktueller Vertrag läuft bis 2020, verweist der charismatische Firmenlenker auf die Rolle des Aufsichtsrats bei der Bestellung. Dabei hat der Generationenwechsel in der Vorstandsetage bereits stattgefunden: Die beiden Sixt-Söhne Alexander und Konstantin sind hier bereits aktiv.

Ein Verkauf des Unternehmens wird wohl auch in Zukunft kein Thema sein. Erich Sixt und seine Familie halten 58,3 % der Firmenanteile und sind deshalb die größten Profiteure des Höhenflugs der Aktie. In den letzten zwölf Monaten hat der Aktienkurs um 40 % zugelegt und sich in den letzten vier Jahren vervierfacht.

Sixt SE Stämme

ISIN:

DE0007231326

Entwicklung 1J:

27,70 %

KGV 2019e:

18,92

Div.-Rendite 2018e:

3,19 %

Marktkapitalisierung:

3,67 Mrd.

 

 

Quelle: finanzen.net, investing.com│Stand: 15.10.2018

Stefan Riedel, Redaktion AnlegerPlus



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