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14. November 2018   Markt & Werte

Alles in der Familie – Teil 5 –

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Der fünfte Teil unserer Serie zu familiengeführten Unternehmen beschreibt, wie Leonardo Del Vecchio in 50 Jahren den Weltkonzern Luxottica mit stylischen Marken aufgebaut hat und wie der mit einem anderen Erfolgsgaranten verschmolzen wird.

Mehr als vier Jahre hat der Gründer und Hauptaktionär des weltweit größten Sonnenbrillenherstellers Luxottica, Leonardo Del Vecchio, auf den Zusammenschluss mit dem französischen Linsenhersteller Essilor hingearbeitet. Seit dem 1. Oktober dieses Jahres ist der neue Konzern unter dem Namen EssilorLuxottica (ISIN FR0000121667) an der Börse Paris gelistet.

Mit seinen 140.000 Mitarbeitern und über 7.000 Geschäften in rund 150 Ländern nimmt der Brillengigant mit einem Marktanteil von 27 % eine weltweit führende Position ein. Aus dem Tagesgeschäft zurückziehen wird sich der mittlerweile 83-jährige Del Vecchio aber noch nicht. Mit dem 20 Jahre jüngeren Essilor-Vorstandschef Hubert Sagnières wird er den neuen Konzern zunächst noch gemeinsam führen.

Von der kleinen Werkstatt zum Weltkonzern

Der in Mailand geboren Del Vecchio ist ein Selfmademan aus dem Bilderbuch. Aufgewachsen in einem Waisenhaus, begann er nach dem Besuch einer Klosterschule einen Job in einer Schlosserwerkstatt und besuchte abends eine Designakademie. Mit 23 Jahren eröffnete er in dem Bergdorf Agordo in Norditalien eine eigene Werkstatt, die Brillengestelle herstellte. Die Firma wuchs rasant und schaffte 1981 den Sprung an den US-Markt. Es folgte 1990 das Börsendebüt in New York. Zuvor hatte Luxottica 1988 für Giorgio Armani die erste Designerbrillen-Kollektion überhaupt auf den Markt gebracht. Mittlerweile hat die Gesellschaft Bulgari, Chanel, Prada, Versace und viele andere Luxuslabel unter Lizenzvertrag. Parallel kaufte Del Vecchio verschiedene Sonnenbrillenmarken wie etwa Oakley und Ray Ban und baute über Vertriebsketten wie Sunglass Hut eine global flächendeckende Präsenz auf.

Privat gilt der mit einem geschätzten Vermögen von 17,9 Mrd. Euro zweitreichste Mann Italiens als medienscheu. Die Leitung seiner großen Liebe Luxottica abzugeben fiel dem Firmenpatriarchen schwer. Keines seiner sechs Kinder schaffte es in die Konzernleitung. 2014 kam es zum Konflikt mit Andrea Guerra, dem erwählten Nachfolger, und Guerra musste gehen. Neue Aspiranten hielten sich nicht lange, bis Del Vecchio 2016 wieder an die Konzernspitze zurückkehrte.

Gemeinsam stark

Beim neuen Konzern EssilorLuxottica bleibt Del Vecchio über die Investmentgesellschaft Delfin mit einem Anteil von 38,93 % Hauptaktionär – mit einem bei 31 % gedeckelten Stimmrecht. Weitere 4,9 % stellen die Mitarbeiter von EssilorLuxottica, die verbleibenden 56,8 % der Aktien befinden sich in Streubesitz. Gegenwärtig läuft noch eine Umtauschaktion für die Luxottica-Minderheitsaktionäre.

Die ersten kombinierten Jahresergebnisse wird EssilorLuxottica im ersten Halbjahr 2019 vorlegen. Für das abgelaufene dritte Quartal 2018 berichteten beide Gesellschaften auf vergleichbarer Basis wie auch währungsbereinigt ein leicht beschleunigtes Umsatzwachstum. Essilor kam dabei zugute, dass sich die negativen Währungseffekte gegenüber dem Vorquartal deutlich verringerten. Bereinigt um Wechselkursveränderungen wuchsen die Erlöse um 5 % auf 1,8 Mrd. Euro.

Luxottica verzeichnete ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 3,5 % auf 2,15 Mrd. Euro. Den Ausschlag gaben der Einzelhandel und das Wachstum von 16 % im E-Commerce. Letzteres wurde vor allem von den guten Geschäften im Onlineshop der Marke Ray-Ban beflügelt. Auf regionaler Basis läuft es vor allem in Nordamerika. Dort zog der Umsatz um 5,2 % auf 1,24 Mrd. Euro an.

Auf der Gewinnseite durchstarten soll EssilorLuxottica im nächsten Jahr: Nach einem stagnierenden Konzerngewinn im laufenden Geschäftsjahr erwarten die Konsensschätzungen der Analysten für 2019 einen Ergebnisanstieg von 20 %.

Attraktivere Alternativen

Attraktiv aus Anlegersicht bleibt das Unternehmen aufgrund des weniger konjunktursensiblen Wachstumspotenzials bei Sonnenbrillen und durch die Synergien, die sich aus dem Zusammenschluss ergeben sollen. Bis zu 600 Mio. Euro jährlich sollen bis 2021 durch den Zusammenschluss eingespart werden. Essilor bringt in die „Ehe“ die global führende Position im höhermargigen Linsengeschäft ein.

Mit dieser höheren Profitabilität will EssilorLuxottica in Wettbewerb gegenüber Luxuskonzernen wie LVMH und Kering treten. Die gemeinsame operative Marge auf EBIT-Basis soll sich von 14,3 % im Jahr 2017 bis 2019 in Richtung 15 % verbessern. Zum Vergleich: LVMH und Kering kamen hier im ersten Halbjahr 2018 bereits auf 21,3 beziehungsweise 27,6 %. Zugleich ist die EssilorLuxottica-Aktie mit einem 2019er-KGV von 29 und einem Faktor von über 20 beim Verhältnis von Unternehmenswert zum für 2018 erwarteten Gewinn auf EBITDA-Basis schon sportlich bewertet. Mit einem 2019er-KGV von 18 und 19 sind Kering (ISIN FR0000121485) und LVMH (ISIN FR0000121014) derzeit deshalb bewertungstechnisch die attraktiveren Anlagealternativen.

Stefan Riedel, Redaktion AnlegerPlus



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