728x90leaderboard2

4. Dezember 2018   Markt & Werte

Alles in der Familie – Teil 6 –

simone bagel trah portrait reflected in tableweb

Der sechste und vorerst letzte Teil unserer Serie zu familiengeführten Unternehmen beleuchtet den DAX- und Konsumgüterkonzern Henkel. Die Gründerfamilie spielt hier in den Entscheidungsgremien wie auch als Hauptaktionär eine tragende Rolle.

 

Mit den Markenprodukten von Henkel kommen wir alle fast täglich in Berührung: Shampoos von Schwarzkopf, Persil, Pril, Pritt und Pattex, alles bekannte Marken. Was beim 1876 in Aachen gegründeten Unternehmen mit einem Universalwaschmittel aus Wasserglas seinen Anfang nahm, umfasst heute fast 200 Marken für Körperpflege, Reinigung und Klebstoffe. Allein das Waschmittel Persil erzielte 2017 weltweit mehr als eine Milliarde Euro Umsatz und steht damit für rund 5 % der Konzernerlöse.

 

Eine Frau leitet das Familiengremium

Henkel ist ein Familienunternehmen par excellence. Rund 200 Familienmitglieder halten 61 % der Aktienanteile – und das mindestens bis 2033. So lange läuft ein Aktienbindungsvertrag, den Simone Bagel-Trah, eine Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers Friedrich Karl Henkel, im Jahr 2014 ausgehandelt hat. Größter Einzelaktionär ist Christoph Henkel, ein als Investmentbanker und Business Angel tätiger Urenkel des Gründers. Die Nachfahren lassen sich in drei Familienzweige gliedern, die auf die drei Kinder Fritz, Hugo und Emmy des Firmengründers zurückzuführen sind.

 

Die promovierte Biologin Bagel-Trah ist seit 2009 zugleich Chefin des Aufsichtsrats und Vorsitzende des Gesellschafterausschusses von Henkel. Dieses zehnköpfige Gremium ist die Entscheidungszentrale des Familienunternehmens. Die Mitglieder bestellen in der Rechtsform der AG & Co. KGaA den Vorstand, kontrollieren ihn und sind an allen wichtigen Weichenstellungen des Unternehmens beteiligt. Neben den beiden Henkel-Erben Simone Bagel-Trah und Christoph Henkel sind darin acht Wirtschaftsgrößen vertreten, u. a. Werner Wenning und Norbert Reithofer, die früheren Vorstandschefs von Bayer und BMW. „Die Unternehmensinteressen stehen an allererster Stelle, die Familieninteressen kommen danach“, lautet Bagel-Trahs Credo zur konzerninternen Entscheidungsfindung.

 

Wachstumskurve flacht ab

Verantwortlich für das operative Geschäft als Vorstandsvorsitzender ist seit Mai 2016 Hans Van Bylen. Der gebürtige Belgier hat seine gesamte berufliche Karriere bei Henkel durchlaufen und in diesen 34 Jahren das Innenleben des Konzerns ausgiebig kennengelernt. Sein Vorgänger Kasper Rorsted, der inzwischen den Sportartikelhersteller adidas lenkt, hatte die Messlatte hoch gelegt. Dem umtriebigen Dänen gelang es in den acht Jahren unter seiner Führung, den Aktienkurs fast zu vervierfachen. Im selben Zeitraum verdoppelte sich das operative Ergebnis.

 

Aktuell hat der Weltkonzern an verschiedenen Fronten zu kämpfen. Der sich verschärfende Wettbewerb im Konsumgütergeschäft trifft Henkel ebenso wie Währungseffekte. Rund 40 % der Erlöse erzielt das Unternehmen in Schwellenländern. Währungsturbulenzen wie dieses Jahr in der Türkei und in Russland schlagen deshalb auf der Umsatzseite negativ durch. In den ersten neun Monaten 2018 haben Währungseffekte den Konzernumsatz mit über 900 Mio. Euro belastet. Bei der Klebstoffsparte, welche rund die Hälfte des Konzernumsatzes beisteuert, schwächte sich das Wachstum ab. In diesem Geschäftsbereich, der die Bau-, Elektro- und Autoindustrie beliefert, hatte Henkel im zweiten Quartal 2018 noch ein organisches Umsatzplus von 5,2 % ausgewiesen. Im Zeitraum Juli bis September 2018 belief sich der Zuwachs um Sondereffekte bereinigt dann nur noch auf 3,8 %.

 

Damit bleiben die Klebstoffe dennoch die wachstumsstärkste Sparte – und bilden auch bei der operativen Marge mit 19,6 % weiter den Topwert. Demgegenüber wuchs die Sparte Beauty Care in den ersten neun Monaten 2018 nur dank des gut laufenden Absatzes mit Haarpflegeprodukten um 0,5 % beim Umsatz bei einer EBIT-Marge von 18,3 %. Der Bereich Reinigung und Haushaltsprodukte schaffte ein Umsatzplus von 2,5 % und eine operative Marge von 17,9 %. Beim Ausblick geht Van Bylen für das Gesamtjahr ohne Zukäufe einberechnet von einem Umsatzwachstum von 2 bis 4 % aus. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie soll 2018 um 3 bis 6 % zulegen. Bei der bereinigten Umsatzrendite bleiben 18 % das Ziel.

 

Nach Kursrückgang attraktiv bewertet

Beide Aktiengattungen von Henkel haben in den vergangenen Wochen einen Erholungskurs eingeschlagen. Zuvor war der Titel im Oktober auf das niedrigste Kursniveau seit Frühjahr 2016 gefallen. Das 2019er-KGV von knapp 16 wirkt nicht überteuert. Reichlich Substanz dokumentieren die soliden Bilanzkennziffern. Die Eigenkapitalquote liegt bei 55,9 %, der Free Cashflow blieb zuletzt stabil bei 1,12 Mrd. Euro.

 

Von den Geschäftsfeldern am ehesten vergleichbar ist Henkel mit dem US-Konzern Procter & Gamble (WKN 852062) und Unilever (WKN A0JMZB) aus den Niederlanden. Beide Konzerne werden bei vergleichbaren Wachstumserwartungen an der Börse ausgehend vom erwarteten KGV 2019 mit 21 bzw. 20 deutlich höher bewertet.

 

Henkel AG & Co. KGaA Vorzüge

ISIN:

DE0006048432

Entwicklung 1J:

-8,02 %

KGV 2019e:

15,8

Div.-Rendite 2018e:

1,82 %

Marktkapitalisierung:

44,6 Mrd.

 

Quelle: finanztreff.de, investing.com│Stand: 04.12.2018

 

Hinweis: An der Veröffentlichung beteiligte Personen halten Vorzugsaktien der Henkel AG & Co. KGaA.

 

Stefan Riedel, Redaktion AnlegerPlus



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen