20. August 2019   HV-Bericht

Anhaltend schwierige Zeiten

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Schon seit Jahren befindet sich die Heidelberger Druckmaschinen AG in schwierigem Fahrwasser. Mit der jüngsten Gewinnwarnung tauchte die Aktie sogar in den Pennystockbereich ab, entsprechend kritisch beurteilten die Aktionäre die Arbeit des Vorstands auf der Hauptversammlung.

 

Die Heidelberger Druck verfolgt die digitale Transformation in den letzten Jahren mit Nachdruck. Diese strategische Ausrichtung des Unternehmens werde auch in der aktuell schwierigen Geschäftslage beibehalten, betonte Vorstandschef Rainer Hundsdörfer auf der Hauptversammlung (HV) am 25. Juli in Mannheim. Über die weltweit installierte Maschinenbasis bekommt die Gesellschaft mittlerweile Daten von rund 15.000 digital vernetzten Drucksystemen, die als Grundlage für die Digitalstrategie dienen.

Zur Generierung neuen Wachstums setzt das Unternehmen auf ein Subskriptionsmodell. Angesichts der bisherigen positiven Nachfrage weitet die Gesellschaft das Angebot zunehmend auf weitere Komponenten aus. Zukünftig sollen auch Equipment, Verbrauchsmaterialien und Services über nutzungsabhängige Verträge kombinierbar werden. Mit diesem Modell will man mittelfristig rund ein Drittel der Konzernumsätze über wiederkehrende Vertragsumsätze erwirtschaften und dabei deutlich höhere Margen erzielen. Aktuell machen die Subskriptionsverträge rund 8 % des Auftragsbestands aus.


Sorgen um finanzielle Stabilität

Rückblickend gestaltet sich die im März 2019 durchgeführte Kapitalerhöhung als Glücksfall für den Druckspezialisten. Denn die chinesische Masterwork Group beteiligte sich mit rund 8,5 % am Grundkapital der Gesellschaft und zahlte dafür mit 2,68 Euro je Aktie deutlich mehr als den damaligen Aktienkurs von etwa 1,50 Euro.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 war die Geschäftsentwicklung sehr verhalten. Besonders hervorzuheben ist hierbei der negative Free Cashflow von rund 80 Mio. Euro, der zu einer Erhöhung der Nettofinanzverschuldung führte. Daneben berichtete der CEO noch von einer Anpassung des Rechnungszinses bei den Pensionsverpflichtungen, was zu einer Verringerung des bilanziellen Eigenkapitals auf nur noch rund 300 Mio. Euro beitrug. Dadurch fiel die Eigenkapitalquote auf schwache 13 %.

Vor diesem Hintergrund sorgten sich die Aktionärssprecher auf der HV um die finanzielle Stabilität des Unternehmens. Der Finanzvorstand versicherte den Aktionären jedoch eine finanziell solide Aufstellung. Die HV-Besucher zeigten sich von der Leistung des Managements aber offenbar wenig angetan. Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder erhielten bei ihrer Entlastung jeweils rund 12 % Neinstimmen. Bei Vorstandschef Hundsdörfer und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Siegfried Jaschinski beliefen sich die Neinstimmen sogar auf 37 bzw. gut 40 %.

 

Prognose nach unten angepasst

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das am 30. Juni endete, ging der Umsatz von 541 auf 502 Mio. Euro zurück. Auch der Auftragseingang blieb hinter dem Vorjahresniveau zurück. Nach Steuern wies die Gesellschaft eine Verdopplung des Verlusts auf 31 Mio. Euro aus.

Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand unverändert mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres von 2,5 Mrd. Euro. Die erwartete EBITDA-Marge senkte das Management jedoch auf eine Bandbreite von 6,5 bis 7,0 % nach zuvor 7,5 bis 8,0 %. Nach Steuern ist ein ausgeglichenes Ergebnis geplant. Der Vorstand muss nun belegen, dass die Transformation erfolgreich gestaltet werden kann. Weitere Prognoseverfehlungen darf sich das Unternehmen auch angesichts der dünnen Eigenkapitalquote nicht mehr leisten.

Thorsten Renner, Redaktion AnlegerPlus



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